Berufsentwicklung: Digitale Anteile der Handlungskompetenzen erkennen

Damit Unternehmen in der Schweiz weiterhin über bestens ausgebildete Fach- und Führungskräfte verfügen, müssen die beruflichen Grundbildungen mit der Digitalisierung Schritt halten. Hier setzt die Orientierungshilfe «Digitale Transformation» an, welche das SBFI und die Hochschule Luzern entwickelt haben. Als freiwilliges Hilfsmittel trägt sie zur Klärung der digitalen Kompetenzen bei und zeigt den Trägerschaften auf, welchen Bedarf ein Beruf an solchen Kompetenzen hat.

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Die digitale Transformation beeinflusst auch die beruflichen Grundbildungen. Mit der Orientierungshilfe «Digitale Transformation» steht den Trägerschaften ein Werkzeug zur Verfügung, um die benötigten digitalen Kompetenzen zu erkennen und in der Berufsentwicklung zu berücksichtigen. Bild: Monique Wittwer

Die Digitalisierung hat wesentlichen Einfluss auf den Strukturwandel sowie das Wirtschaftswachstum und prägt den Bildungsbereich auf allen Stufen. Für ein ressourcenarmes Land wie die Schweiz ist es von zentraler Bedeutung, die Potenziale der Digitalisierung zu nutzen – gerade auch in der Berufsbildung. Zu diesem Zweck wurde die Orientierungshilfe «Digitale Transformation» als freiwilliges Hilfsmittel zuhanden der Trägerschaften in der beruflichen Grundbildung konzipiert. Die Orientierungshilfe unterstützt sie dabei, im Berufsentwicklungsprozess Aspekte der digitalen Transformation zu identifizieren und in die für das Berufsfeld festgelegten Handlungskompetenzen zu integrieren.

Digitale Transformation als Aspekt der Berufsentwicklung

Im Rahmen des Berufsentwicklungsprozesses entscheidet jede Trägerschaft selber, inwieweit und in welchen Bereichen in ihrem Beruf Anliegen der digitalen Transformation existieren. Die Auseinandersetzung mit Themen und Fragen der digitalen Transformation bietet Chancen, bestehende Ansätze einer guten Praxis in der Berufswelt aufzunehmen, weiterzuentwickeln und bei Bedarf neue Aspekte in der Berufsentwicklung aufzugreifen. Zu Beginn des Prozesses werden die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes in Bezug auf einen neuen oder bestehenden Beruf analysiert.

Es existieren verschiedene Ansätze zur Identifizierung und Beschreibung von digitalen Kompetenzen. In der Orientierungshilfe «Digitale Transformation» werden folgende Themenbereiche definiert:

Digitale Transformation
Umgang mit digitalen Daten Beinhaltet die auf das jeweilige Berufsbild bezogenen Fähigkeiten für das Erstellen, Anpassen, Sichern und Löschen von Daten an unterschiedlichen elektronischen Speicherorten.
Umgang mit digitalen Inhalten Beinhaltet die Fähigkeiten für einen fachgerechten Umgang mit vielfältigen digitalen und multimedialen Inhalten wie Text, Audio und Video.
Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) Beinhaltet die Fähigkeiten, um Anwendungen der IKT für eine sichere, adressatengerechte und angemessene Kommunikation und Zusammenarbeit zu nutzen.
Schutz und Sicherheit im digitalen Raum Beinhaltet die Fähigkeiten zur Erkennung von Gefährdungen sowie die Anwendung von geeigneten Schutzmassnahmen.
Umgang mit IKT Beinhaltet die Fähigkeiten und das Wissen für einen fachgerechten Umgang mit Technologiethemen der IKT.
Problemlösung im digitalen Raum Beinhaltet die Fähigkeiten, situativ auftretende Vorfälle oder Probleme im Zusammenhang mit der Nutzung digitaler Geräte oder der Anwendung von IKT selber zu lösen oder gezielt Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Einfluss auf Handlungskompetenzen erkennen

Der Einfluss der digitalen Transformation widerspiegelt sich in den betroffenen Handlungskompetenzen einer beruflichen Grundbildung. Die digitalen Anteile von Handlungskompetenzen sind als digitale Leistungsziele ausformuliert oder in bereits bestehende Leistungsziele integriert. Der Einsatz von IKT ist heute in den meisten Berufen verbreitet und wird laufend weitergetrieben. In den Bildungserlassen soll festgehalten werden, welche Handlungskompetenzen darüber hinaus betroffen sind. Die Orientierungshilfe «Digitale Transformation» stellt ein Vorgehen sowie zwei Hilfsmittel zum Erkennen von digitalen Anteilen einer Handlungskompetenz und zum Formulieren von entsprechenden Leistungszielen zur Verfügung. Das Vorgehen besteht aus drei Aktivitäten:

  1. Prüfung der generellen Relevanz der digitalen Transformation in den Handlungskompetenzen
  2. Identifikation von digitalen Anteilen
  3. Ausformulierung von entsprechenden Leistungszielen

Das Hilfsmittel «Fragekatalog zur Relevanzprüfung» unterstützt die Trägerschaften bei der Überprüfung, ob eine Handlungskompetenz aus dem Qualifikationsprofil eine Relevanz zur digitalen Transformation aufweist. Zudem kann die Anwendung des Hilfsmittels «Erkennung digitaler Anteile und Leistungsziele» dazu führen, dass zu einer Handlungskompetenz ein zusätzliches Leistungsziel definiert wird. Die Trägerschaft entscheidet selbst, ob sie diese Hilfsmittel einsetzen und wie weit sie die Vorschläge übernehmen, anpassen oder nicht berücksichtigen will.

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