Sozialisationsprozesse beim Übergang in den Lehrbetrieb

Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), Zentrum Lernen und Sozialisation

Projektleitung: Prof. Dr. Markus Neuenschwander

Laufzeit: 15.12.2010 - 15.12.2013

Das Forschungsprojekt "Sozialisationsprozesse bei Eintritt in den Lehrbetrieb" (SoLe) sollte Erkenntnisse bringen, wie die abgebende Volksschule und der aufnehmenden Lehrbetrieb den Sozialisationsprozess von Jugendlichen nach dem Übergang in die Berufslehre unterstützen und damit die Chancen einer erfolgreichen Berufsausbildung erhöhen. Zu Grunde liegt ein weiter entwickeltes Modell zur betrieblichen Sozialisation bei Neulingen in Anlehnung an Kammeyer-Mueller und Wanberg (2003). Wir unterscheiden zwei Bereiche der betrieblichen Sozialisation: a) soziale Integration und Konflikte und b) Bewältigung betrieblicher Aufgaben und Lernfortschritte.

Insgesamt 550 Jugendliche wurden am Ende des 9. Schuljahres und monatlich während des ersten Halbjahres in ihrer beruflichen Grundbildung befragt. Wichtige Konzepte wurden aus der Perspektive der Lernenden, der Eltern, der Lehrpersonen und der Ausbildungsverantwortlichen in den Lehrbetrieben erfasst.

Verlaufsanalysen zeigten, dass die antizipierte Passungswahrnehmung zwischen der Person und dem Arbeitsplatz, die Zufriedenheit mit dem Beruf und die Lehrabschlussintention während der ersten sechs Monate nach Lehreintritt stabil bleiben. Die soziale Integration in den Lehrbetrieb begünstigt die Aufgabenbewältigung und die Passungswahrnehmung, die Zufriedenheit im Betrieb, die Lehrabschlussintension und das Commitment mit dem Beruf und dem Betrieb. Eine iterative Clusteranalyse zu formalen Einführungsprogrammen, Feedback und Beziehung zwischen Lernendem und Ausbildungsverantwortlichem zeigte, dass betriebliche Sozialisationstaktiken bei wenig ablenkbaren Jugendlichen den Verlauf der beruflichen Sozialisation begünstigen.

Die Ergebnisse belegen aber auch die hohe Bedeutung der Ausgangsbedingungen: Die entscheidenden Prädiktoren für eine gelungene berufliche Sozialisation sind nicht die Noten des 9. Schuljahres, sondern Indikatoren für sozial erfolgreiches Verhalten im Schulunterricht, gute Beziehungen zu Lehrpersonen und Eltern und eine erfolgreich abgeschlossene Berufswahl.

Insgesamt erwies sich die Analyse der beruflichen Sozialisation bei Lehreintritt als innovativ und fruchtbar. Die zukünftige Forschung sollte die Bedeutung der beruflichen Sozialisation in der Eingangsphase auf den Ausbildungsverlauf vertieft analysieren. Interventionsstudien sind erforderlich, die zeigen, wie Jugendliche auf die berufliche Sozialisation vorbereitet werden können. In Zukunft sollte das Konzept der beruflichen Sozialisation präzisiert und in die Planung der Ausbildung explizit und vertieft einbezogen werden.

05.03.2014

Projekt auf der Homepage der FHNW

Weiterführende Informationen

Dokumentation

Dokument

Valorisierungsbericht (PDF, 457 kB, 07.07.2014)Markus P. Neuenschwander & Christof Nägele

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