Governance in Vocational and Professional Education and Training (GOVPET)

Unter der Leitung von Professor Patrick Emmenegger (Universität St. Gallen) und in Kooperation mit der Universität Lausanne, dem EHB Zollikofen sowie der Universität zu Köln begann das GOVPET Leading House im Juli 2015 seine Tätigkeit. Der Fokus des Leading Houses liegt auf der vergleichenden Analyse der Governance im Berufsbildungsbereich.

Das Forschungsprogramm des Leading Houses beschäftigt sich mit der spezifischen Governanceform der Ausbildungssysteme in Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Das Leading House analysiert, wie es trotz der ständigen Gefahr eines Kooperationszusammenbruchs zu stabilen Formen dezentraler Kooperationen kommen kann bzw. wie private Akteure langfristig zu einer kollektiven Zusammenarbeit motiviert werden können. Darüber hinaus beschäftigt sich das Leading House mit der Frage, wie duale Berufsbildungssysteme an neue Herausforderungen angepasst werden können und welche Interessen sich bei der Reform dieser Systeme durchsetzen. Schliesslich wird untersucht, inwiefern staatliche Politik private Akteure dazu bringen kann, freiwillig gesamtgesellschaftliche Belange zu fördern, auch wenn diese nicht im kurzfristigen Interesse dieser Akteure zu sein scheinen - etwa im Fall der Integration von benachteiligten Personen in die Berufsbildung.

Diese drei Forschungsfragen werden in Form von zehn konkreten Projekten genauer untersucht. Im ersten Teilbereich werden die verschiedenen Ebenen, auf denen Kooperation realisiert wird, in drei Unterprojekte aufgegliedert. Zwei Projekte untersuchen die dezentrale Kooperation in der Schweiz am Beispiel der für die duale Berufsbildung zentralen Organisationen der Arbeitswelt (OdA). Im Rahmen dieser Projekte wird auch eine Datenbank aller berufsverantwortlichen OdA erstellt. Ein weiteres Projekt analysiert die dezentrale Kooperation in den verschiedenen Schweizer Regionen mit besonderem Fokus auf die Rolle staatlicher und kollektiver Institutionen in Grenzgebieten.

Drei international vergleichende Projekte untersuchen, wie duale Berufsbildungssysteme an neue Herausforderungen angepasst werden. Diese Herausforderungen umfassen zentrale gesellschaftliche Prozesse wie den demografischen Wandel, die Digitalisierung oder die Globalisierung. In den drei Projekten stehen dabei unterschiedliche Akteure und Aspekte des Berufsbildungssystems im Zentrum. Die Projekte beschäftigen sich mit der Reform der zweijährigen Grundbildung (ehemals Anlehre), der drei- bis vierjährigen Grundbildung und der höheren Berufsbildung.

Schliesslich geht das Leading House GOVPET der Frage nach, wie Staaten private Akteure dazu bringen können auch gesamtgesellschaftliche Ziele in ihre Kalkulationen und ihr Handeln miteinzubeziehen. Hierzu wird die Inklusion von benachteiligten Personen im Bildungssystem als Fallstudie behandelt. Auch hier werden in vier Projekten verschiedene Teilaspekte genauer beleuchtet. Ein Projekt erfasst und analysiert die vorhandenen Mittel und Instrumente, die ein inklusives Berufs- und Weiterbildungssystem unterstützen. Ein weiteres Projekt untersucht die Einstellungspraxis der Arbeitgeber und ihre Positionen gegenüber dem Zugang zum Berufs- und Weiterbildungssystem. Ein Projekt konzentriert sich auf Programme, die speziell auf Jugendliche ausgerichtet sind, die keinen Abschluss auf dem normalen Bildungsweg erlangen konnten ("Second Chance" Programme). Schliesslich stellt ein Projekt die Reform der zweijährigen Grundbildung ins Zentrum.

Das GOVPET Leading House wird Erkenntnisse liefern, die unser Verständnis über die Stärken, die Schwächen und die Bedingungen für erfolgreiche dezentrale Kooperation im Bereich des Ausbildungssystems erweitern und vertiefen - auch im Hinblick auf den Beitrag dieses gesellschaftlichen Teilsystems zum übergeordneten Ziel der sozialen Inklusion.

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