Lehr-/Lernprozesse im kaufmännischen Bereich

Dieses Leading House unter der Leitung von Prof. Dr. Franz Eberle (Universität Zürich) widmet sich den zentralen Komponenten von Lehr-/Lernprozessen, einzeln und in ihrem Kontext betrachtet. Es will unter anderem Erklärungsmodelle für die Bedingungen und Merkmale der Lehr- und Lernprozesse im kaufmännischen Bereich liefern.

Das Leading House konzentriert sich auf drei Teilprojekte:

Im ersten Teilprojekt werden mit Hilfe einer Längsschnittuntersuchung über die dreijährige Ausbildungsspanne hinweg sowie anhand eines Pseudolängsschnitts über alle Klassenstufen die kaufmännischen Kompetenzen der Lernenden und deren Veränderung im Zeitverlauf erfasst. Im Einklang mit der erweiterten Zielsetzung des Lernbereichs «Wirtschaft und Gesellschaft», wonach die Lernenden auch ökonomische Kompetenzen im Sinne eines allgemeinen Wirtschafts- und Gesellschaftsverständnisses erwerben sollen, wird auch das Konzept «wirtschaftsbürgerliche Kompetenz» einbezogen. Eingeschlossen in die Analysen werden ebenso motivationale Variablen und Aspekte der Werthaltungsbildung. Darüber hinaus wird die prädiktive Bedeutung individueller Lernvoraussetzungen für den Erwerb kaufmännischer und wirtschaftsbürgerlicher Kompetenzen untersucht.

Das zweite Teilprojekt widmet sich der Erfassung und Analyse der Unterrichtsqualität im Lernbereich «Wirtschaft und Gesellschaft». Der Hauptfokus liegt auf den in der realen Unterrichtspraxis klar sichtbaren Unterschieden bei den pädagogischen Merkmalen von Lehr-/Lernprozessen. Nach deren Erfassung sollen die Mikroprozesse des Unterrichts differentiell ausgeleuchtet und deren Gelingensbedingungen im Sinne kompetenzorientierter Merkmale identifiziert werden. Die Bedeutung des Teilprojekts 2 erschliesst sich insbesondere auch aus dem Zusammenhang mit den beiden anderen Teilprojekten. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse werden in der angestrebten zweiten Phase des Leading Houses gezielt kompetenzorientierte Lernumgebungen entwickelt und geprüft.

Im dritten Teilprojekt wird die Struktur beruflicher Kompetenzen von Lehrpersonen für den Lernbereich «Wirtschaft und Gesellschaft» modelliert, erfasst und analysiert. Ausgelöst u. a. durch die in den internationalen Schulleistungsstudien aufgezeigten Unterschiede bei den Lern- und Kompetenzständen sind zwar in den letzten Jahren vermehrt Arbeiten zur Professionalität von Lehrenden als mitbeeinflussender Faktor des Lernerfolgs von Lernenden ins Zentrum des wissenschaftlichen und bildungspolitischen Interesses gerückt. Für die kaufmännische Berufsbildung ist der diesbezügliche Kenntnisstand aber noch sehr defizitär. Zudem interessiert hier die Frage, ob sich die in der Schweiz identifizierten Unterschiede bei den Ausbildungen zur Lehrperson für «Wirtschaft und Gesellschaft» (Universität oder Fachhochschule) auf die Lehrprofessionalität auswirken.

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