Digitale Begleitung im Berufswahlprozess digibe

Wirkung einer systematischen, digital gestützten Reflexion auf die Berufsorientierung und die Ausbildungswahl Jugendlicher

Fachhochschule Nordwestschweiz, Pädagogische Hochschule

Projektleitung:
Dr. Christof Nägele

Dauer: 01.11.2020 – 30.09.24

Das Projekt «Digitale Begleitung im Berufswahlprozess digibe. Wirkung einer systematischen, digital gestützten Reflexion auf die Berufsorientierung und die Ausbildungswahl Jugendlicher» klärt die Frage, inwiefern bei berufssuchenden Jugendlichen reflexive Fähigkeiten im Kontext der Berufs- und Ausbildungswahl stimuliert und weiterentwickelt werden können. Der Übergang von der Sekundarstufe I in anschliessende Ausbildungsgänge ist für die Heranwachsenden biografisch betrachtet ein zentrales Thema, besonders in Zeiten, die von tiefgreifenden technologischen oder sozioökonomischen Entwicklungen geprägt sind. Jugendliche durchlaufen diesen Prozess in einem Handlungsfeld, das sich zwischen einer Arbeitsmarktperspektive (sozioökonomische Aspekte) und einer Individualperspektive (lebenslange berufsbiografische Entwicklung) auftut.

Hierbei spielen Reflexionen eine bedeutsame Rolle. So können sie beispielsweise dazu beitragen, während des Berufswahlprozesses erlebte Ereignisse, persönliche Überzeugungen oder bestehende Sinnkonstruktionen neu zu sehen und damit Bedeutungserweiterungen auszulösen. Diese Reflexionen werden im Forschungsprojekt in der Theorie des transformativen Lernens eingeordnet. Transformation verstanden als Umlernen oder Neu-Hervorbringung von Sichtweisen, die inhaltlich durch die vier Reflexionsangebote «Berufswahlbereitschaft», «Blick nach aussen», «Blick nach innen», und «Entscheidungsverhalten» stimuliert wird. Geprüft werden die Haupthypothesen, dass die Intervention erstens zu einer positiven Entwicklung des transformativen Lernens, und zweitens zu einer Verbesserung der Reflexionsfähigkeit führt. In einem quasi-experimentellen Zugang werden die Hypothesen in einem nicht- äquivalenten Kontrollgruppendesign mit variierenden Interventionen geprüft. In einem quasi-experimentellen Zugang werden die Hypothesen in einem nichtäquivalenten Kontrollgruppendesign mit variierenden Interventionen geprüft.

Die an der Studie teilnehmenden Jugendlichen (N=760) werden mit Reflexionsaufgaben konfrontiert, vom siebten bis ins neunte Schuljahr. Vorgesehen sind drei Interventionsgruppen, die sich bezüglich des Zeitpunkts der ersten Reflexion (7. vs. 8. Schuljahr) und der Häufigkeit der Intervention (1x vs. 2x pro Semester) unterscheiden. Wirkmessungen finden jeweils kurz nach den jeweiligen Interventionen und, um längerfristige Effekte abzuschätzen, zu Beginn der Ausbildung auf der Sekundarstufe II statt. Es wird erwartet, dass die Befunde in vierfacher Weise im Kontext der Berufsbildung bedeutsam werden. Erstens mit Blick auf die individuelle Ebene, und damit hinsichtlich einer Erweiterung der Berufswahlkompetenz der Jugendlichen. Zweitens bezüglich der Weiterentwicklung des Berufswahlunterrichts an Schulen. Drittens mit Blick auf die berufsbildungsbezogene Bildungssteuerung, mit zusätzlichem Fokus auf die Anwendung digitaler Technologien im komplexen Prozess der Berufsorientierung. Und viertens mit Blick auf Entwicklungen, die im berufswahltheoretischen Bereich angesiedelt werden können, beispielsweise indem versucht wird, bestehende Berufswahltheorien mit dem Ansatz des transformativen Lernens stärker in Verbindung zu bringen.

Das Projekt nimmt das Anliegen der Berufsbildungspolitik und -praxis auf, die berufliche Orientierung zu verbessern und insbesondere auch die Berufsbildung in ihrem Wert und Potenzial auf der Sekundarstufe I noch sichtbarer zu machen. Unabhängig davon, ob Jugendliche eine Berufs- oder Allgemeinbildung anstreben, sollten sich alle intensiv mit der Frage auseinandersetzen, welche Ausbildungsoptionen ihnen offenstehen, welche Netzwerke und Ressourcen sie für ihre Entscheidungsfindung nutzen können und wie sie situationsadäquat gute Entscheidungen treffen können. Es zielt darauf ab, digitale Technologien in einem komplexen und individuellen Prozess, wie ihn die Berufsorientierung und Ausbildungswahl darstellt, nutzbar zu machen.

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