Positionierung der höheren Fachschulen

Das Projekt «Positionierung höhere Fachschulen» sieht eine ganzheitliche Überprüfung der aktuellen nationalen und internationalen Positionierung der höheren Fachschulen HF sowie der Bildungsgänge vor. Ziel ist es, die höheren Fachschulen und deren Bildungsgänge besser zu positionieren und dabei das spezifische Qualitätsmerkmal der Arbeitsmarktorientierung zu erhalten und weiter zu stärken.



Ausgangslage

Mit den Motionen 18.3392 der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur WBK-N sowie 18.3240 von Alt-Ständerätin Anita Fetz wurde im Jahr 2018 eine bessere Positionierung der höheren Fachschulen gefordert. Der Bundesrat hat die Annahme der Motion 18.3392 der WBK-N beantragt und lässt das System der höheren Fachschulen hinsichtlich ihrer nationalen und internationalen Positionierung ganzheitlich prüfen.

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat 2019 in einem ersten Schritt im Rahmen der Initiative «Berufsbildung 2030» eine Auslegeordnung zur Positionierung der höheren Fachschulen aus Sicht der HF-Akteure in Auftrag gegeben. Der Bericht von econcept AG wurde 2020 publiziert. Er hebt die hohe Bedeutung der höheren Fachschulen als Pfeiler im Bildungssystem hervor, weist aber zugleich deutlich auf dringenden Handlungsbedarf hin. Als drängendste Handlungsfelder werden Bekanntheit, Anschlussfähigkeit und Profil genannt. Der Bericht führt 19 mögliche Massnahmen zur besseren Positionierung der höheren Fachschulen auf.

Auslegeordnung zur Positionierung der höheren Fachschulen - Zusammenfassung Schlussbericht / Schlussbericht

Ausgehend von den Studienergebnissen hat das SBFI im Februar 2021 im Auftrag von Bundespräsident Guy Parmelin, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF, ein Folgeprojekt lanciert. Im Projekt werden die Ergebnisse der econcept-Studie aus systemischer und rechtlicher Sicht überprüft, vertieft und durch ausstehende Analysen ergänzt.

Zwischenbericht 2021

Das SBFI hat 2021 eine umfassende systemische Beurteilung entlang der definierten Themen und Fragestellungen des Projekts «Positionierung höhere Fachschulen» vorgenommen und ergänzende Analysen in Auftrag gegeben.

Ein Zwischenbericht hält die Ergebnisse der bisherigen Arbeiten fest und zeigt das weitere Vorgehen auf. Der Zwischenbericht wurde am nationalen Spitzentreffen der Berufsbildung sowie von der Schweizerischen Hochschulkonferenz (SHK) im November 2021 zur Kenntnis genommen.

Beurteilung aus gesamtheitlicher Perspektive
Der Zwischenbericht zeigt die Komplexität der Thematik, die Vielschichtigkeit der Fragestellungen und die bestehenden Schnittstellen auf. Einzelne Fragen können nicht losgelöst vom bildungssystema-tischen Gesamtkontext beantwortet werden. Die künftige Entwicklung der höheren Fachschulen und ihrer Bildungsangebote kann nur aus einer gesamtheitlichen Perspektive beurteilt werden.

Im Bereich der Anbieterstruktur, der Finanzierung und Governance sind für eine umfassende Beurteilung derzeit noch zusätzliche Fakten und Grundlagen ausstehend. Diese Abklärungen sind bereits in die Wege geleitet worden. Die Resultate werden im Verlauf des Jahres 2022 vorliegen.

Klärung von Grundsatzfragen und Konkretisierung von Massnahmen
Die bisherigen Arbeiten im Projekt «Positionierung höhere Fachschulen» haben verschiedene Grundsatzfragen zu Tage gefördert. Deren Klärung ist zwingend erforderlich und richtungsweisend für die weiteren Schritte im Projekt. Zu den Grundsatzfragen zählen insbesondere:

  • Anbieterstruktur: Die Eignung von Massnahmen, welche die Stärkung der höheren Fachschulen als Institutionen im Fokus haben wie institutionelle Anerkennung, institutionelle Akkreditierung und Bezeichnungsschutz, hängt massgeblich von der Anbieterstruktur ab. Es ist deshalb zu klären, ob die aktuelle, sehr heterogene Anbieterstruktur grundsätzlich in Frage gestellt werden soll.
  • Bildungsgefässe in der höheren Berufsbildung: Im Sinne einer klaren Positionierung der Bildungsgefässe stellt sich vor allem die Frage, ob eher die Abgrenzung der beiden Bildungsgefässe der höheren Berufsbildung betont werden soll, oder ob die eidgenössischen Prüfungen (Output) und die Bildungsgänge HF (Input und Output) vermehrt einander angenähert bzw. kombiniert werden sollen.
  • Finanzierung und Kompetenzaufteilung zwischen Bund und Kantonen: Zu diesen beiden Handlungsfeldern sind noch Untersuchungen im Gange.

Sind die Grundsatzfragen geklärt, können gezielte und aufeinander abgestimmte Massnahmen zur Positionierung der höheren Fachschulen ergriffen werden, welche das gemeinsam definierte Profil und die Ausrichtung der HF stützen und bei Bedarf systemkonform optimieren. Zur Klärung der Grundsatzfragen und der Konkretisierung der Massnahmen ist ein breit abgestützter Dialog mit den beteiligten Akteuren unerlässlich.

Weiteres Vorgehen ab 2022

Klärung Grundsatzfragen und Konkretisierung von Massnahmen: Das SBFI wird in Abstimmung mit der Tripartiten Berufsbildungskonferenz (TBBK) und zusammen mit den beteiligten Akteuren (Höhere Fachschulen, OdA, Kantone, Hochschulen) eine abgestützte Haltung zu den Grundsatzfragen entwickeln. Gleichzeitig sollen mögliche Massnahmen mit Blick auf ihre Umsetzung konkretisiert und ihre Auswirkungen auf die Grundsatzfragen vertieft diskutiert werden.

  • Arbeitstagungen: Als Gefäss für den breit abgestützten Einbezug sind vier Arbeitstagungen vorgesehen. Die Arbeitstagungen behandeln die verschiedenen Themen und Massnahmen und richten sich an Expertinnen und Experten der beteiligten Akteure: TBBK, Sounding Bord HF, sowie weitere Vertretungen der höheren Fachschulen, OdA, Kantone und Hochschulen. An der Arbeitstagung nehmen von den Akteuren bezeichnete Personen teil.
  • Verbundpartnerschaft: Die TBBK als verbundpartnerschaftlich breit abgestütztes Gremium auf strategischer Ebene der Berufsbildung trägt zum Rückhalt des Projekts in der Berufsbildung bei.
  • Konsultation und Diskussion in Gremien: Die Gremien werden über die Ergebnisse der Arbeitstagungen und die Themenplanung für nächste Tagungen informiert. Ihre Rückmeldungen fliessen in die Arbeitstagungen und weiteren Arbeiten ein.
  • Arbeitsbericht 2022: Die Resultate der Arbeitstagungen und Schlussfolgerungen mit Blick auf die Massnahmen und ihre Umsetzung werden in einem Arbeitsbericht festgehalten. In der zweiten Jahreshälfte erfolgt eine Konsultation zum Bericht sowie die Diskussion des Berichts in den Gremien.

Sind Massnahmen bereit für die Implementierung, so werden diese vom SBFI für die politische Entscheidfindung aufbereitet. Die daraus resultierenden Umsetzungsarbeiten folgen unmittelbar im Anschluss.

Projektorganisation und Einbezug externe Akteure

Ein grosses Augenmerk gilt der Abstimmung mit den betroffenen Akteuren aus dem Bereich der Berufsbildung sowie der Hochschullandschaft. Mit dem breiten Einbezug diverser Akteure werden die verschiedenen Interessen von Seiten Arbeitsmarkt, Bildungsanbieter, kantonalen Stellen und Absolvierende abgedeckt.

  • Auftraggeber des Projekts ist der Departementsvorsteher WBF, Bundespräsident Guy Parmelin. Das SBFI leitet als Auftragnehmerin das Projekt.
  • Mit den relevanten Gremien der Berufsbildung, insbesondere der Tripartiten Berufsbildungskonferenz TBBK, werden die Ergebnisse regelmässig abgestimmt. Die Gremien der Hochschulen, z.B. die Hochschulrektorenkonferenz swissuniversities, werden ebenfalls konsultiert.
  • Für die unmittelbar betroffenen Akteure der höheren Fachschulen kommt ein Sounding Board HF mit Mitgliedern der OdA und der HF-Konferenzen sowie Vertretungen der Kantone und Absolvierenden zum Einsatz. Darin werden regelmässig Zwischenergebnisse zur Diskussion gestellt.
    Mitglieder Sounding Board HF
  • Für einen zielgruppenspezifischen Einbezug ist je nach Fragestellung auch die direkte Mitwirkung der verschiedenen Akteure in den Projektarbeiten möglich (z.B. in Begleitgruppen).
  • Für eine weitere Perspektive auf die Projektarbeiten lässt sich das SBFI von einer Expertengruppe als beratendes Organ begleiten. Die Mitglieder stammen aus verschiedenen Bereichen und bringen langjährige berufliche Erfahrung mit. Sie sollen in diesem Projekt mit vielen divergierenden Interessen eine neutrale und systemische Sicht auf die verschiedenen Fragestellungen gewährleisten.
    Mitglieder der Expertengruppe «Positionierung HF»

Weiterführende Informationen

https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/bildung/hbb/hoehere-fachschulen/positionierung-hf.html