Fondation suisse in Paris

Renovation des Pavillon Le Corbusier abgeschlossen

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Im von Le Corbusier entworfenen Schweizer Pavillon findet sich auch ein Wandgemälde von ihm. Bild: ©FLC/ADAGP, Paris 2006

Im Süden von Paris erstreckt sich ein Campus für Studierende, Forschende sowie Kunstschaffende aus der ganzen Welt – die Cité internationale universitaire de Paris (CIUP). Auf diesem Campus befindet sich auch der Schweizer Pavillon, ein von Le Corbusier entworfener Bau der Moderne. 2018 ist dieses denkmalgeschützte Gebäude einer grösseren Renovation unterzogen worden.

Die Schrecken des Ersten Weltkriegs mahnten in den 1920er-Jahren zur Friedensförderung. In diesem Geiste entstand als Pionierprojekt der Völkerverständigung in Paris die Cité internationale universitaire. Ein Campus, der sich über 34 Hektaren erstreckt und Häuser verschiedener Länder beherbergt.

Neuartiger Pavillon von Le Corbusier

Bereits 1924 beschliesst die Schweiz, ein Wohnheim in der Cité universitaire zu errichten. Die treibende Kraft dahinter ist Rudolf Fueter, Mathematikprofessor und späterer Rektor der Universität Zürich. Er ist bestens vernetzt in der Schweizer Politik und befreundet mit dem Architekten Le Corbusier. Dieser willigt ein, gemeinsam mit seinem Cousin Pierre Jeanneret das Schweizer Haus zu bauen. Die Einweihung erfolgt 1933.

Es handelt sich in der Cité universitaire um das erste Gebäude im modernistischen Stil, das nicht die architektonische Identität eines Landes betont. Das Resultat wurde in der Schweiz denn auch mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Ein Chalet hätte wohl eher dem Selbstbild der Schweiz entsprochen. Die Fondation suisse ist eines der ersten Werke Le Corbusiers, in dem er das Charakteristische seiner Architektur umsetzt. Seit 1986 ist das Gebäude denkmalgeschützt.

Mitunterstützung durch das SBFI

Die Fondation suisse hat heute den Status einer Stiftung nach französischem Recht mit einem schweizerisch-französischen Stiftungsrat. Präsident der Stiftung ist jeweils der Schweizer Botschafter in Paris – seit September 2018 ist dies Botschafterin Livia Leu Agosti. Die Fondation suisse erhält jährlich eine Subvention des SBFI. Diese deckt einerseits die Funktionskosten, was tiefe Zimmerpreise ermöglicht. Andererseits dient die Subvention des SBFI für Unterhaltsarbeiten am Gebäude.

Die Fondation suisse ist in erster Linie ein Wohnheim für Studierende und umfasst 45 Zimmer, die mehrheitlich auf drei Stockwerke verteilt sind. Zwei Zimmer werden direktfinanziert durch die Universität Zürich und den Kanton Wallis (Künstlerstipendium), welche die Zimmer nach den Kriterien der CIUP selbst vergeben. Die Bewerbungen für die 43 verbleibenden Zimmer werden von einer Auswahlkommission geprüft. Diese wird im Auftrag des SBFI von swissuniversities geleitet und setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Hochschultypen sowie einem Vertreter des Vereins der Schweizer Studierendenschaften VSS und der Direktorin der Fondation suisse, Monica Corrado, zusammen.

Rund 20 Nationalitäten unter einem Dach

Das Schweizer Kontingent der Cité internationale universitaire de Paris umfasst jährlich zwischen 50 bis 60 Personen. Gemäss dem Reglement der CIUP müssen mindestens 30 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner eines Länderhauses eine andere Nationalität als jene des Hauses haben. Die Häuser tauschen deshalb die aufgenommenen Kandidatinnen und Kandidaten untereinander aus. Die Fondation suisse hat 17 solcher Austauschabkommen und beherbergt somit mindestens 18 Nationalitäten – so wohnen etwa Studierende aus Dänemark, Brasilien, Indien, Deutschland, Tunesien, den USA oder Italien in der Fondation suisse.

5000 Besucherinnen und Besucher

In zweiter Linie ist das Haus ein architektonisches Denkmal: Öffentlich zugänglich sind der Eingangsbereich mit dem «Salon courbe» (und dem Wandgemälde von Le Corbusier) sowie die restaurierte «Chambre témoin» im ersten Stock mit dem Mobiliar der Anfangszeit. Die Fondation suisse zählt jedes Jahr gegen 5000 Besucherinnen und Besucher.

Einen dritten Schwerpunkt bildet das Kulturprogramm des Hauses. Die Fondation suisse organisiert jährlich etwa 30 öffentliche Veranstaltungen: Filmzyklen, Konzerte, Ausstellungen und Vorträge. Die Mehrheit der Veranstaltungen hat einen Bezug zur Schweiz. Neben dem eigenen Kulturprogramm organisiert die Fondation suisse aus-serdem gemeinsame Aktivitäten mit anderen Häusern: Université de la paix, Jazz à la Cité, AnimaCité etc.


Monica Corrado ist Direktorin der Fondation suisse. Aus ihrer Sicht hat sich die acht Monate dauernde Renovation gelohnt. Das Gebäude verfügt nun über moderne Küchen und Bäder. Der Umbau wurde unter anderem möglich dank finanzieller Unterstützung von privater Seite.

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Weshalb hat die Stiftung diese Renovation in Angriff genommen?
Monica Corrado: Bei meiner Ankunft im Jahr 2015 habe ich die alten Stiftungsratsprotokolle durchgelesen und bin immer wieder auf dieselben Kritikpunkte der Bewohnerinnen und Bewohner gestossen: Es fehlt ein Gemeinschaftsraum, die Küchen sind zu klein, eine Toilette im Zimmer wäre angenehm. Der «Salon courbe», der einzige Gemeinschaftsraum des Hauses, ist gleichzeitig ein öffentlicher Raum, der täglich bis 17 Uhr von externen Personen besucht werden kann. Das denkmalgeschützte Wandgemälde sowie das Mobiliar schränken dessen Nutzung zusätzlich ein. Und oft wird der Salon abends für das Kulturprogramm beansprucht. Die Küchen massen vor dem Umbau etwa 6 m2 – und waren für 15 Personen gedacht!

Ist das die erste Renovation seit 1933?
Meine Vorgängerinnen haben zahlreiche Renovationen durchgeführt. Das Haus ist ziemlich arbeitsintensiv im Unterhalt, aber eben auch ein architektonisches Meisterwerk, das es zu erhalten gilt. Eine so umfassende Renovation wie 2018 durchzuführen, die eine komplette Schliessung des Hauses nötig macht – die Bauarbeiten haben acht Monate gedauert –, ist immer auch eine finanzielle Herausforderung. Denn die Mittel für den Unterhalt sind begrenzt. Wir hatten das Glück, über die Jahre etwas Geld zur Seite gelegt zu haben. Ausserdem haben die Ernst Göhner Stiftung und das Unternehmen Rolex das Projekt finanziell unterstützt.

Was wurde 2018 renoviert?
Die Priorität lag auf den Zimmern und Küchen. Jedes Zimmer besass bereits eine kleine Nasszelle mit Lavabo und Dusche, die durch ein Regal- und Schranksystem vom Wohnraum getrennt war. In diesen Raum haben wir eine Toilette integriert, gleichzeitig aber auch die Dusche und das Lavabo erneuert und das Ganze mit einer Kombination von Schiebetür aus Holz und Aufbau aus Glas abgeschlossen. Daneben haben wir das Volumen der Küchen mehr als verdoppeln können. Ausserdem haben wir die komplette Schliessung des Hauses dazu genutzt, die Abwasserrohre zu sanieren und die Kabel neu zu legen.

Wie haben die Bewohnerinnen und Bewohner auf die Renovation reagiert?
Die Rückmeldungen sind einhellig positiv. Die Bewohnerinnen und Bewohner schätzen nicht nur die privaten Bäder, sondern vor allem auch die nun grösseren Küchen als geeigneteren Ort für den internationalen und interdisziplinären Austausch. Die Bestätigung dafür, dass wir mit dieser Renovation den richtigen Weg eingeschlagen haben, liefern uns unter anderem die beiden Bewohnerinnen, die bereits einmal im Haus gelebt haben und die folglich das Vorher und Nachher kennen.


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