Zusammenarbeit mit Forschungsinstitutionen und Hochschulen

Warum sollte ein Unternehmen für Forschungsinstitutionen arbeiten?

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Christian Schanzer, Chief Operating Officer von SwissNeutronics
Bild © ScanderbegSauer.com

SwissNeutronics wurde als Spin-off des Paul Scherrer Instituts (PSI) gegründet und ist auf die Entwicklung und Produktion von Neutronenoptiken für Strahlführungssysteme spezialisiert. Diese werden insbesondere zur Erforschung der Struktur der Materie eingesetzt. Die Produkte von SwissNeutronics werden von einem zwanzigköpfigen Team entwickelt und hergestellt und in allen Ländern der Welt an grosse Labore vertrieben, die Neutronenforschung betreiben. Christian Schanzer, Chief Operating Officer von SwissNeutronics, berichtet über seine Erfahrungen.

«Die Anforderungen an die Neutronenoptiken steigen und werden immer präziser, nicht zuletzt im Hinblick auf eine verbesserte Leistungsfähigkeit der wissenschaftlichen Instrumente, die Neutronenstrahlen einsetzen. Für die Entwicklung dieser Optiken ist die am PSI verfügbare Infrastruktur ein riesiger Vorteil. Insbesondere lassen sich durch die Neutronenexperimente am PSI direkte Erkenntnisse über neue Entwicklungen und die Qualität unserer Produkte gewinnen. Diese Ergebnisse sind für unsere Kunden äusserst überzeugend. Die geografische und kulturelle Nähe zum PSI bildet die Basis einer gut etablierten und erfolgreichen Partnerschaft.

Dank unserer Zusammenarbeit mit der Europäischen Spallationsquelle (ESS), die derzeit in Schweden gebaut wird, konnten wir an internationalen Veranstaltungen des Swiss ILO teilnehmen. Dadurch eröffneten sich für uns neue Geschäftsmöglichkeiten, und wir hatten die Gelegenheit, mit bestehenden und neuen Kunden über bevorstehende Projekte zu sprechen. Wir erfuhren so mehr über die spezifischen Ansprüche der Kunden und konnten sie über die jüngsten Entwicklungen im Bereich Neutronenoptik bei SwissNeutronics informieren. Dieser Informationsaustausch ist sehr nützlich, um unsere Tätigkeiten in Bezug auf F&E und unser Geschäft zu definieren und auszurichten. Ausserdem hilft er uns auch, unsere Kundenbasis in Europa auszuweiten.

Da das Institut Laue-Langevin (ILL) in Grenoble das grösste Neutronen-Leitsystem betreibt und immer wieder mit modernster Leittechnologie ausgestattet wird, ist es ein sehr wichtiger Kunde für uns. Wir waren froh über die Unterstützung des Swiss ILO während der anstrengenden Verhandlungen zwischen dem ILL und uns, als es darum ging, den gesamten Beschaffungsprozess des ILL auf Konsistenz zu prüfen und das Angebot von SwissNeutronics mit kommerziellen und technologischen Argumenten zu begründen.»

www.swissneutronics.ch

«Wir profitieren von einem breiten Netzwerk von Industriepartnern»

Das Swiss ILO ist zurzeit im Swiss Plasma Center (SPC) der EPFL untergebracht und wird insbesondere vom PSI unterstützt. Welche Vorteile ergeben sich für eine eidgenössische Hochschule und eine öffentliche Forschungseinrichtung aus der engen Beziehung zu einer Kontaktstelle für die Industrie? Prof. Dr. Christian Rüegg, künftiger Direktor des PSI, und Prof. Dr. Ambrogio Fasoli, Direktor des SPC, beide Mitglied der Geschäftsleitung des Swiss ILO, geben Auskunft.

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Prof. Christian Rüegg
Bild: zVg / ETHZ

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit dem Swiss ILO aus?
Ein konkretes Beispiel: Das PSI ist dafür verantwortlich, den Sachbeitrag der Schweiz an die Europäische Spallationsquelle ESS zu leisten, die zurzeit im schwedischen Lund errichtet wird. Wir bauen Instrumente, entwickeln Elektronikteile und schreiben Software für diese Infrastruktur. Das Swiss ILO hilft uns dabei, Industriepartner in der Schweiz zu finden, die die ehrgeizigen wissenschaftlichen und technischen Vorgaben dieser Projekte erfüllen.

Inwieweit profitieren Sie als Hochschul- bzw. Forschungsinstitution von der Partnerschaft mit dem Swiss ILO?
Wir profitieren von einem breiten Netzwerk von Industriepartnern, die uns dabei unterstützen, unsere anderen Projekte beim PSI zu realisieren, beispielsweise neue Instrumente in unserer eigenen Spallationsquelle SINQ. Wir sind häufig auf der Suche nach hochspezialisierten Produkten oder modernsten Methoden, die gemeinsame F&E verlangen. Optimale Partner sind für uns Schweizer Unternehmen, die aus früheren Projekten mit Forschungsinstituten im In- und Ausland die Vorteile und Risiken kennen. Ein weiterer Vorteil für uns sind die Kontakte des Swiss ILO jenseits des «Röstigrabens» und zu anderen teilnehmenden Schweizer Institutionen mit ähnlichen Bedürfnissen und technologischen Projekten.

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Prof. Ambrogio Fasoli
Bild: zVg / ETHZ

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit dem Swiss ILO aus?
Das SPC ist ein aktiver Partner des ITER-Projekts, mit dem nachgewiesen werden soll, dass eine umfangreiche und kohlenstofffreie Energiegewinnung aus Kernfusion machbar ist. Wir arbeiten eng mit dem Swiss ILO zusammen, um Schweizer Industriepartnern den bestmöglichen Zugang zum Beschaffungsmarkt im Bereich der Fusionstechnologie zu ermöglichen, insbesondere, aber nicht ausschliesslich für ITER. Die grossen und komplexen Beschaffungspakete für ITER besprechen wir mit dem Swiss ILO, um die technischen Vorgaben und Herausforderungen genau zu kennen und auf wichtige Ausschreibungen vorbereitet zu sein.

Inwieweit profitieren Sie als Hochschul- bzw. Forschungsinstitution von der Partnerschaft mit dem Swiss ILO?
Bei der Deckung seines eigenen Bedarfs an Industrieentwicklungen und Beschaffungen profitiert das SPC von der grossen und fortlaufend aktualisierten Datenbank über Beteiligungen und Kompetenzen der Industrie in der Schweiz, aber auch von den Kontakten und persönlichen Beziehungen des Swiss ILO. Durch den Austausch mit dem Swiss ILO erhält das SPC-Management einen allgemeinen Überblick über die Beteiligung des Schweizer Privatsektors an Fusionsaktivitäten. Es kommt auch immer wieder vor, dass das Swiss ILO gebeten wird, zwischen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bzw. Ingenieurinnen und Ingenieuren und Schweizer Unternehmen zu vermitteln. Damit kann jungen Akademikerinnen und Akademikern der Einstieg ins Berufsleben erleichtert und die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Hochschulen gefördert werden.

Autor

Laurent Salzarulo, SBFI
Wissenschaftlicher Berater Ressort Internationale Forschungsorganisationen

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