Nationale Förderinitiative personalisierte Medizin

Aufbau der schweizweiten Strukturen schreitet gut voran

Das Swiss Personalized Health Network (SPHN) ist eine nationale Initiative, um die Entwicklung der personalisierten Medizin in der Schweiz zu fördern. Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften leitet die Umsetzung der Initiative im Auftrag des Bundes. Zurzeit wird die erforderliche Dateninfrastruktur aufgebaut, um künftig die vielfältigen gesundheitsbezogenen Daten für Forschung und Innovation zur Verfügung stellen und nutzen zu können. Die 2017 lancierte Initiative soll bis 2024 abgeschlossen und in eine dauerhafte Dateninfrastruktur überführt werden.

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Mit der Forschung im Bereich der personalisierten Medizin sollen die Grundlagen geschaffen werden, um präzisere Diagnosen stellen und individuelle Therapien für die Behandlung von Krankheiten entwickeln zu können. Bild: Adobe Stock

Mit der nationalen Infrastruktur für Gesundheitsdaten sollen die Grundlagen geschaffen werden, damit diese Daten in einer guten Qualität für die Forschung zur Verfügung stehen. Mit dem Ansatz der personalisierten Medizin wiederum sollen die Grundlagen geschaffen werden, um präzisere Diagnosen stellen und individuelle Therapien für die Behandlung von Krankheiten entwickeln zu können.

Koordiniertes Vorgehen

Eine zentrale Voraussetzung, um die neuen Möglichkeiten der personalisierten Medizin nutzen zu können, ist die Datenorganisation auf nationaler Ebene, abgestimmt auf internationale Standards. Der Fokus liegt dabei auf den klinischen Daten, d.h. beim Erfassen und Aufbereiten von Patientendaten, auf biologischen Basisdaten (einschliesslich Biodatenbanken) und auf Omics-Daten (Untersuchung von Bausteinen des Lebens und von Lebensprozessen).

Herausforderungen stellen sich insbesondere bei der einheitlichen Erfassung der klinischen Daten und ihrer Austauschbarkeit (Inter-operabilität). Es braucht ein koordiniertes Vorgehen, damit die Entwicklung in diesem auch für das schweizerische Gesundheitswesen zentralen Gebiet optimal und effizient verläuft (d.h. insbesondere keine Duplizitäten, gesicherte Interoperabilität der lokalen und regionalen Datensysteme sowie strukturierte Daten von hoher Qualität).

Mit der nationalen Förderinitiative «Personalisierte Medizin» wird sichergestellt, dass bei der klinischen Expertise die biologische Grundlagenforschung und die Technologieentwicklung innovativ verknüpft werden können. Zum Beispiel soll es künftig möglich sein, Therapien mittels genetischer Analysen stärker auf die einzelne Patientin beziehungsweise den einzelnen Patienten auszurichten.

Bisherige Arbeiten

Die SPHN-Initiative wurde in der BFI-Förderperiode 2017–2020 lanciert mit dem Auftrag, bis Ende 2024 eine nationale Dateninfrastruktur für klinische und verwandte Daten zu Forschungszwecken einzurichten. Die Förderinitiative wird als nationale Verbundaufgabe zwischen Hochschulen, (Universitäts-)Spitälern und Förderorganen (Schweizerischer Nationalfonds SNF) umgesetzt. Die Gesamtkoordination ist der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) übertragen worden. Das Schweizerische Institut für Bioinformatik SIB ist dabei unterstützend als nationales Datenkoordinationszentrum verantwortlich für die Interoperabilität der regionalen Datenbanken.

Zwischenzeitlich hat die SAMW eine nationale Organisationsstruktur aufgebaut, die alle relevanten Schweizer Forschungsinstitutionen (wie die Universitätsspitäler und universitären Forschungsinstitute, die Institutionen des ETH-Bereichs und weitere Akteure) in ein nationales Netzwerk integriert. In der aktuellen BFI-Periode wurden mit den fünf Universitätsspitälern Leistungsvereinbarungen abgeschlossen, damit die technischen Grundlagen so ausgestaltet werden, dass der Austausch der Daten auf nationaler Ebene sichergestellt ist. Zudem werden nach zwei Ausschreibungen 2017 und 2018 insgesamt 13 Infrastrukturentwicklungsprojekte und 11 sogenannte «Driverprojekte» (konkrete Entwicklungsprojekte in ausgewählten Forschungsfeldern) mit rund 25 Mio. CHF gefördert. Diese Ausschreibungen sind zusammen mit der Personalised Health Related Technologies Initiative (PHRT) des ETH-Bereichs erfolgt.

Eine 2019 durchgeführte externe Evaluation durch internationale Expertinnen und Experten stellt der SPHN-Initiative ein gutes Zeugnis aus. Die Empfehlungen der Expertengruppe wurden in das Mehrjahresprogramm 2021–2024 aufgenommen.

Institutionelle Verankerung des nationalen Datenzentrums

In der BFI-Förderperiode 2021–2024 stehen unter anderem die nachhaltige Konsolidierung des Netzwerks und die Verknüpfung der klinischen Daten mit dem Datenkoordinationszentrum an, damit diese uneingeschränkt für Forschungszwecke zur Verfügung stehen. Die eingeführten Prozesse müssen hinsichtlich Auffindbarkeit, Zugänglichkeit, Interoperabilität und Wiederverwertbarkeit von Daten gemäss den sogenannten FAIR-Prinzipien konsolidiert werden. FAIR-Prinzipien haben zum Ziel, Datensätze auffindbar («findable»), zugänglich («accessible»), kompatibel («interoperable») und wiederverwendbar («re-usable») zu machen. Zudem müssen verschiedene ethische und rechtliche Fragestellungen («digital trust», «ownership», «general consent» – Zustimmung der Patientinnen und Patienten u. a.) geklärt werden.

Mit der nationalen Dateninfrastruktur wird ein Standard für die Erfassung und Verwendung von Daten gesetzt, der mittelfristig für alle Forschungsprojekte gelten muss. Eine besondere Herausforderung in den Jahren 2021–2024 ist, dass die unterschiedliche Art und Qualität der Daten bearbeitet, selektioniert und im Sinne von strukturierten Daten aufbereitet werden muss, so dass diese zu Forschungszwecken zugänglich sein werden. Der Einbezug der kantonalen Universitätsspitäler sowie das Vertrauen der Patientinnen und Patienten ist ein Schlüsselfaktor für den Erfolg dieser Initiative.

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