Weiterentwicklung und Vertiefung der bilateralen Forschungs- und Innovationszusammenarbeit

Bilaterale Wissenschafts- und Technologieprogramme der Schweiz

Der Bundesrat ist bestrebt, die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit in Bildung, Forschung und Innovation mit Ländern und Regionen mit hohem wissenschaftlichem Potenzial weltweit zu fördern und zu vereinfachen. Vor diesem Hintergrund wurden 2008 vom SBFI bilaterale Wissenschafts- und Technologieprogramme lanciert, um Anreize für die Zusammenarbeit mit Partnerländern ausserhalb Europas und Nordamerikas zu schaffen. Gemäss einer im März 2020 publizierten Evaluation im Auftrag des SBFI brachten die bilateralen Programme der schweizerischen Wissenschaftsgemeinschaft bislang einen deutlichen Mehrwert. Dank der Förderung bilateraler Forschungsprojekte sowie zahlreicher Anschubfinanzierungen (Seed Money) und Mobilitätsinstrumente ist die Anzahl neuer Projekte und Netzwerke mit den Zielländern stark gewachsen.

Sechs Leading Houses zur Ankurbelung von Pilotaktivitäten

In Absprache mit der Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen (swissuniversities) hat das SBFI sechs Hochschulinstitutionen als Leading Houses für jeweils eine spezifische Region ernannt. Im Rahmen ihres Auftrags stellen diese Leading Houses Fördergelder bereit, mit denen bilaterale Pilotaktivitäten in der Grundlagenforschung und zunehmend auch in den Bereichen angewandte Forschung und Innovation unterstützt werden.
Waren die Leading Houses ursprünglich ausschliesslich auf die sogenannten BRICS-Staaten mit hohem Potenzial ausgerichtet waren, so decken sie unterdessen ganze Regionen ab, für die ansonsten wenig bilaterale Kooperationsinstrumente verfügbar sind. 2017 übernahmen erstmals zwei Fachhochschulen (die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und die Fachhochschule Westschweiz) die Rolle als Leading Houses für Südasien und Iran respektive den Nahen Osten und Nordafrika.
Neben der Bereitstellung von Zusammenarbeitsinstrumenten fördern Leading Houses das Wissen über Kooperationsmöglichkeiten und sorgen dafür, dass die Interessen der schweizerischen Wissenschaftsgemeinschaft in der von ihnen abgedeckten Region angemessen vertreten sind. Zu den häufig angebotenen Finanzierungsinstrumenten gehören Anschub- und Überbrückungsfinanzierungen sowie Mobilitäts- und Austauschstipendien. Diese Instrumente sind für experimentelle Vorhaben gedacht und ergänzen die vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) zur Verfügung gestellten Instrumente.

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Die bilateralen Programme der Schweiz werden von sechs Leading Houses geleitet, die Fördergelder (Grants) für kleine, experimentelle Pilotaktivitäten gewähren. Zudem ist der Schweizerische Nationalfonds für die Auswahl und Mitfinanzierung gemeinsamer Forschungsprojekte (Joint Research Projects, JRPs) im Rahmen grösserer bilateraler Forschungsvorhaben zuständig. Sowohl die Fördergelder der Leading Houses als auch die JRPs werden in kompetitiven Peer-Review-Verfahren vergeben, bei denen die Qualität der entsprechenden Eingaben ausschlaggebend ist.

Hauptziel der bilateralen Programme ist es, Schweizer Forscherinnen und Forscher beim Aufbau und der Vertiefung der Zusammenarbeit mit Partnern auf der ganzen Welt zu unterstützen. Im Fokus stehen Forschungspartner aus den sogenannten BRICS-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) sowie aus Japan und Südkorea, die nicht in andere Förderprogramme wie beispielsweise die EU-Rahmenprogramme eingebunden sind.

Auswirkungen der bilateralen Programme der Schweiz

Gemäss einer im Auftrag des SBFI von einem dänischen Beratungsunternehmen durchgeführten Evaluation im Jahr 2019 sind die bilateralen Programme für die Schweizer Wissenschaftsgemeinschaft von grossem Nutzen. Im laufenden Mandatszeitraum (2017–2020) wurden bisher 530 Grants mit einem Gesamtbudget von 48,4 Millionen Franken vergeben. 85 Prozent der gewährten Grants führen voraussichtlich zu einer wissenschaftlichen Publikation, und 70 Prozent der Grants der Leading Houses (40% der JRPs) dürften zu Vorschlägen für grössere Zusammenarbeitsprojekte führen.

Was die längerfristigen Auswirkungen anbelangt, konnten 80 Prozent der Empfängerinnen und Empfänger solcher Fördergelder neue Beziehungen und Netzwerke in den jeweiligen Ländern aufbauen. Bei über 50 Prozent der Projekte entstanden nach Abschluss des unterstützten Projekts Austauschmöglichkeiten für Studierende. Die Evaluation zeigt somit, dass die bilateralen Programme zur Bildung starker und dauerhafter internationaler Netzwerke sowohl zwischen Institutionen als auch unter Forschenden beitragen.
Seit 2007 verzeichnet die Schweiz gemäss bibliometrischen Untersuchungen ein starkes Wachstum in der internationalen Forschungszusammenarbeit. 2017 wurden zwei Drittel aller Publikationen in Zusammenarbeit mit Forschenden aus mindestens einem anderen Land verfasst. Zwischen 2007 und 2017 ist die Anzahl gemeinsam mit Forschenden aus einem anderen Land veröffentlichter Publikationen um 88 Prozent gestiegen. Bei den Forschungspublikationen in Zusammenarbeit mit den BRICS-Ländern, Japan und Südkorea ist im gleichen Zeitraum hingegen ein Wachstum um knapp 170Prozent zu verzeichnen. Die Programme haben folglich zu einer deutlich überdurchschnittlichen Zunahme der bilateralen Zusammenarbeit mit den Zielländern geführt.

Die Evaluation kommt zum Schluss, dass die bilateralen Programme die bestehenden hiesigen Fördermechanismen ergänzen und den Bedürfnissen der Schweizer Forschenden entsprechen. Obwohl die Programme sich in das bestehende Instrumentarium einfügen, gaben einige Forschende an, dass die Sicherstellung der Nachfolgefinanzierungen eine Schwierigkeit darstelle. Überdies zeigt die Evaluation Vereinheitlichungspotenzial bei den unterschiedlichen Förderinstrumenten und Kommunikationskanälen auf. Gleichzeitig hat das dezentralisierte System mit den Leading Houses – eine schweizerische Besonderheit – den Vorteil, nahe an den Bedürfnissen der Forschungsgemeinschaft zu sein. Gestützt auf diese Ergebnisse bereitet das SBFI zurzeit die Mandate für den nächsten Förderzeitraum (2021–2024) vor.

Die Wissenschaftsdiplomatie des SBFI

Die internationale Strategie der Schweiz im Bereich Bildung, Forschung und Innovation (BFI), die der Bundesrat 2018 verabschiedet hat, sieht vor, dass Schweizer BFI-Akteure sich «den internationalen Herausforderungen im Spannungsfeld zwischen Zusammenarbeit und Konkurrenz» stellen. Aufgabe des SBFI ist es, mit der Unterstützung des swissnex Netzwerks die notwendigen diplomatischen Beziehungen zu Ministerien in den Partnerländern herzustellen, damit die bilateralen Programme erfolgreich umgesetzt werden können.

An Sitzungen der Gemischten Ausschüsse (Joint Committee Meetings) wird regelmässig Bilanz über laufende gemeinsame Aktivitäten gezogen, allfällige Schwierigkeiten werden diskutiert und wenn möglich gelöst sowie neue Initiativen entwickelt. Alleine im Jahr 2019 fanden sechs Joint Committee Meetings mit den Partnerministerien von Brasilien, China (ein Meeting mit dem Ministerium für Wissenschaft und Technologie sowie eines mit dem Bildungsministerium), Indien, Russland und Südafrika statt. 2020 sind Sitzungen Gemischter Ausschüsse mit Japan und Südkorea geplant.

Die bilateralen Programme haben demnach, wie durch die Evaluation bestätigt, auch dazu beigetragen, die Wissenschaftsdiplomatie zwischen der Schweiz und ihren aussereuropäischen Partnerländern zu stärken.

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