Prozess der «Roadmap für Forschungsinfrastrukturen 2023» ist lanciert

Die wissenschaftliche Forschung ist zunehmend auf grosse Infrastrukturen angewiesen. Die Fortschritte der Wissenschaft und die Weiterentwicklung wissenschaftlicher Fragen erfordern noch modernere Technologien, ausgefeiltere Geräte und leistungsfähigere Rechenzentren. Ob Datenbanken, Hochleistungsrechner oder Anlagen zur Entschlüsselung der Geheimnisse der Materie − Forschungsinfrastrukturen sind kostspielig. Deshalb ist es für die Schweiz entscheidend, den Bau solcher Infrastrukturen auf nationaler und internationaler Ebene zu koordinieren und insbesondere jene auszuwählen, die für die Spitzenforschung unmittelbar notwendig sind. Die Auswahl neuer Infrastrukturprojekte ist Hauptbestandteil des Prozesses zur «Schweizer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen».

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Die Synchrotron Lichtquelle Schweiz (SLS) am Paul Scherrer Institut liefert extrem helles, stark gebündeltes Röntgenlicht und ist eine schweizweit einmalige Grossforschungsanlage. Mit der SLS untersuchen Forschende kleinste Strukturen bis auf die Ebene von Atomen und entwickeln neue Medikamente und Materialien.
Bild: Paul Scherrer Institut

Alle vier Jahre verfasst das SBFI den Bericht «Schweizer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen». Er dient als Grundlage für die Erarbeitung des entsprechenden Kapitels in der Botschaft zur Förderung
von Bildung, Forschung und Innovation (BFI-Botschaft). Die nächste Roadmap wird im Frühling 2023 mit Blick auf die BFI-Botschaft 2025–2028 publiziert. Damit erscheint dieser Bericht nach 2011, 2015 und 2019 zum vierten Mal. Das SBFI koordiniert den aus drei Phasen bestehenden Prozess zur Erarbeitung.

Die Roadmap 2023
Für die Schweiz wird die Roadmap 2023 die neuen nationalen Infrastrukturprojekte vorstellen, welche die Hochschulen und Forschungsinstitutionen des ETH-Bereichs für die Jahre 2025 bis 2028 planen. Ausserdem wird der Stand der Umsetzung der nationalen Infrastrukturprojekte aus den Roadmap-Berichten 2015 und 2019 beschrieben. Was die internationale Ebene anbelangt, wird die Roadmap 2023 aufzeigen, an welchen internationalen Infrastrukturen sich die Schweiz bereits beteiligt und welche neuen Beteiligungen angestrebt werden.

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Zeitplan des Prozesses der Roadmap 2023 für neue nationale Forschungsinfrastrukturprojekte.

Prozessschritte und Zeitplan
Der Prozess der Roadmap 2023 wurde im April 2021 mit einer Vorbereitungsphase lanciert. In dieser hat die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz fachspezifische Roadmaps der Wissenschaftsgemeinschaften veröffentlicht. Dieser Schritt ist gegenüber den vorherigen Ausgaben der Schweizer Roadmap neu und dient dazu, die Entscheidungsträger – namentlich die Hochschulleitungen – über den Bedarf der verschiedenen Wissenschaftsgemeinschaften an neuen Forschungsinfrastrukturen zu informieren.

In Phase 1 wählen swissuniversities und der ETH-Rat die Infrastrukturprojekte in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich aus. Kriterien dafür sind die Neuheit der Infrastruktur, Mindestkosten von fünf Millionen Franken über vier Jahre und der Planungsstand. Die ausgewählten Projekte kommen anschliessend in Phase 2, in welcher der Schweizerische Nationalfonds SNF sie einer wissenschaftlichen Evaluation unterzieht. Wichtigste Evaluationskriterien sind die Exzellenz des Projekts und die Zugänglichkeit. In Phase 3 überprüfen swissuniversities und der ETH-Rat, ob die Projekte finanziell tragbar sind und von den Hochschulen und Forschungsinstitutionen des ETH-Bereichs realisiert werden können.

Nur Projekte, die erfolgreich die drei Auswahl- und Evaluationsphasen durchlaufen haben, werden in die Schweizer Roadmap aufgenommen. Ziel des Prozesses ist es, die prioritären Infrastrukturprojekte auszuwählen. So können die Hochschulen, die für deren Finanzierung und Umsetzung zuständig sind, der Wissenschaftsgemeinschaft die von ihr benötigten Forschungsinfrastrukturen zur Verfügung stellen.

Finanzierung durch den Bund
Der Prozess der Roadmap 2023 bietet neu auch die Möglichkeit, vom Bund Finanzmittel für Forschungsinfrastrukturen zu beantragen. Um diese ausserordentliche Finanzierung zu erhalten, können die kantonalen Hochschulen beim SBFI ein Beitragsgesuch einreichen. Voraussetzung ist, dass die geplante Infrastruktur mindestens zehn Millionen Franken kostet und in einen gemäss Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz besonders kostenintensiven Bereich fällt. Die Bundesbeteiligung beläuft sich auf höchstens 50 Prozent der Kosten über die ersten vier Jahre.

Zugang zu internationalen Einrichtungen
Die Roadmap 2023 umfasst ausserdem einen internationalen Teil, in dem die Bedeutung von Schweizer Beteiligungen an europäischen Infrastrukturnetzwerken untersucht wird. Die meisten dieser Infrastrukturen sind in der Roadmap des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) aufgeführt. Ihre wissenschaftliche Qualität ist somit bereits erwiesen. Die Schweizer Roadmap soll evaluieren, inwiefern der Zugang von Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu diesen internationalen Infrastrukturen für die Entwicklung des betreffenden Bereichs in der Schweiz notwendig ist. Im Prozess der Roadmap 2023 wird der SNF zur Bedeutung der Schweizer Beteiligung Stellung nehmen.

Strategisches Planungsinstrument
Die «Schweizer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen» enthält keine Finanzierungsbeschlüsse. Sie ist ein strategisches Planungsinstrument im Hinblick auf die BFI-Botschaft, das den langfristigen Bedarf an nationalen Forschungsinfrastrukturen und die Notwendigkeit von Beteiligungen an internationalen Anlagen und Infrastrukturnetzwerken ausführlich darlegt.

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