Editorial

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser

Was Bildung ist, kann auf verschiedene Arten definiert werden. Doch im Kern zielt Bildung auf die Formung der geistigen Fähigkeiten eines Menschen, auf sein Menschsein und auf sein eigenständiges und selbstverantwortliches Denken und Handeln in der Gesellschaft. Dabei ist Bildung – und sind die dank Bildung erworbenen Kompetenzen – zentrale Voraussetzung für die Erwerbsfähigkeit des Menschen.

Einmal erworbene Kompetenzen können im Laufe der Zeit jedoch eine Entwertung erfahren. Grund dafür kann die Art der ursprünglich erworbenen Kompetenzen sein, wenn sie also ausgesprochen berufsspezifisch sind und auf Tätigkeiten fokussiert, die in einer sich wandelnden Arbeitswelt und Wirtschaft nicht mehr bevorzugt gefragt sind. Andererseits kann die Entwertung aber auch von der Geschwindigkeit des technologischen Wandels beeinflusst sein, in dessen Gefolge es einen Beruf zwar noch gibt, aber in massgeblich veränderter Ausprägung.

Vor diesem Hintergrund und auch angesichts der Tatsache, dass sich die persönlichen Interessen ändern können, kommt mit Blick auf den Arbeitsmarkt der Zukunft dem lebenslangen Lernen und der Weiterbildung im Anschluss an die formale Bildung bzw. an Erstabschlüsse eine ausserordentlich hohe Bedeutung zu. Das können informelle Formate sein etwa in Form betriebsinterner oder verbandsübergreifender Weiterbildungen.
Es können aber auch weiterführende formale Ausbildungen im Rahmen des Schweizer Bildungssystems sein, auf dessen horizontale und vertikale Durchlässigkeit wir auch künftig Acht geben müssen. Tatsächlich beschreibt ja das Motto «Kein Abschluss ohne Anschluss» eine der Stärken des von der öffentlichen Hand, von der Wirtschaft, von Verbänden und massgeblich auch von den Individuen getragenen Bildungs- und Weiterbildungssystems der Schweiz. In den Weiterbildungsmarkt, dessen Volumen auf rund 5,3 Milliarden Franken geschätzt wird, investieren die Sozialversicherungen und der Bund jährlich fast eine halbe Milliarde Franken.

Der diesbezügliche Aufgabenbereich des SBFI liegt in der Umsetzung des Weiterbildungsgesetzes (WeBiG) und des Berufsbildungsgesetzes (BBG). Um die damit verbundenen Herausforderungen künftig fokussierter angehen zu können, schaffen wir in der Abteilung «Berufs- und Weiterbildung» per 1. September 2022 ein neues Ressort «Weiterbildung». Dadurch wollen wird das Aufgabengebiet «Weiterbildung» weiter stärken und auf den Arbeitsmarkt der Zukunft ausrichten. Es ist unser Ziel, auf Basis des WeBiG und des BBG künftig eine aktivere Rolle bei der Förderung der Weiterbildung zu übernehmen und zugunsten der verschiedenen Interessengruppen im Weiterbildungsbereich neue Impulse zu geben und neue Entwicklungen anzustossen.

Martina Hirayama
Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation

hir-edito
https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/dienstleistungen/publikationen/publikationen-bestellen/s-n-2022-2/s-n-2022-2a.html