Förderung von nationalen Aktivitäten in der Raumfahrt

Am 1. Februar 2022 trat die neue Verordnung über die Förderung von nationalen Aktivitäten im Bereich der Raumfahrt (NARV) in Kraft. Das SBFI verfolgt damit drei Ziele: den Erwerb und die Weiterentwicklung innovativer Fähigkeiten in der Raumfahrt stärken, Forschungsinstitutionen mit internationaler Bedeutung für die Raumfahrt fördern und die Akteure optimal auf die Teilnahme an ESA- oder anderen internationalen Programmen vorbereiten.

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Schichthügel und Dünen in der Hellespontus-Region auf dem Mars. Aufgenommen von der CaSSIS-Kamera auf dem ExoMars Trace Gas Orbiter, die an der Universität Bern entwickelt wurde und von ihr dank Unterstützung über die NARV betrieben wird.
Bild: CaSSIS / Universität Bern, ESA

Die Schweiz ist einer von 22 Mitgliedstaaten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und beteiligt sich seit deren Gründung aktiv an ihren Programmen und Aktivitäten. Wie in den meisten ESA-Mitgliedstaaten gibt es auch in der Schweiz nationale Aktivitäten, die ESA-Programmen vor- und nachgelagert sind. Diese Aktivitäten dienen einerseits der Vorbereitung und Integration der Wissenschafts- und Industriebasis in die ESA-Programme. Andererseits sollen sie eine wirkungsvolle Nutzung der erarbeiteten Ergebnisse – insbesondere wissenschaftlicher Natur – sicherstellen, nachdem die Aktivität den Rahmen der ESA verlassen hat. Ohne eigenes nationales Raumfahrtprogramm setzt die Schweiz diese vor- und nachgelagerten Aktivitäten auf nationaler Ebene hauptsächlich auf Basis der Verordnung über die Förderung von nationalen Aktivitäten im Bereich der Raumfahrt (NARV) um.

Die nationalen Aktivitäten von Schweizer Akteuren an Hochschulen und öffentlichen Forschungsinstitutionen im Bereich der Raumfahrt werden seit 2008 vom Bund gefördert. Ziel dieser Aktivitäten war und ist es, die Innovation im Bereich der Raumfahrt zu stärken und den wissenschaftlichen, technologischen und finanziellen Rückfluss aus der ESA in die Schweiz zu verbessern. Weiter geht es darum, die Position der Schweiz in der Weltraumforschung langfristig zu festigen und die Schweizer Teilnahme an Programmen der ESA zu optimieren. Mit der am 1. Februar 2022 in Kraft getretenen NARV wird diese erfolgreiche Praxis konsolidiert und weitergeführt.

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Im Rahmen eines NARV-Projekts entwickelter Prototyp eines Laser-Ablations-Ionisationsmassenspektromers (LIMS) für die mögliche Anwendung auf einer künftigen Mond-Mission. Bild: Universität Bern

Erwerb und Weiterentwicklung innovativer Fähigkeiten

Dank der NARV hat das SBFI neu die Möglichkeit, Beiträge an multidisziplinäre Forschungs- und Innovationsprojekte im Bereich der Raumfahrt auszurichten. Diese Projekte werden durch ein kompetitives Ausschreibungsverfahren an Konsortien vergeben, unter Berücksichtigung der schweizerischen Weltraumpolitik, der verfügbaren Fördermittel und der wissenschaftlichen und technischen Planung der ESA. Die Ausschreibungen werden vom SBFI in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Nationalfonds SNF erarbeitet. Der Start von ersten Ausschreibungen ist für Herbst 2022 geplant.

Die Förderung der Konsortialprojekte verfolgt einerseits das Ziel, den Erwerb und die Weiterentwicklung von innovativen Fähigkeiten in relevanten Fachbereichen zu ermöglichen. Andererseits sollen diese Förderprogramme den Wissens- und Technologietransfer in der Schweiz unter Berücksichtigung neuer Anforderungen erleichtern.

In den Konsortien, welche aus Forschungs- und Industriepartnern bestehen müssen, sollen künftig über mehrere Jahre thematische Schwerpunktkompetenzen im Bereich der Raumfahrt aufgebaut werden. Dies dient der Erhaltung und Stärkung der Position der Schweiz in strategisch wichtigen und zukunftsfähigen Forschungs- und Innovationsbereichen der Raumfahrt. Beispiele dafür sind Weltraumlogistik, digitale und optische Kommunikationssysteme, Quantennetzwerke und Quantenverschlüsselung, Lebenserhaltungssysteme, wissenschaftliche Instrumente oder Positionierung, Navigation und Timing.

Die Konsortialprojekte sollen sich im Weiteren an der Schweizer Weltraumpolitik orientieren und die längerfristigen Bedürfnisse und Strategien der Industriepartner aufnehmen.

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Schematisches Zusammenspiel eines Konsortiums mit der ESA, der Raumfahrt-Industrie und weiteren Akteuren. Illustration: Hadassa Richard / eigene Darstellung

Unterstützung von Forschungsinstitutionen von internationaler Bedeutung

Im Rahmen der existierenden nationalen Massnahmen im Bereich der Raumfahrt fördert das SBFI das International Space Science Institute (ISSI), eine Stiftung nach Schweizer Recht von internationaler Bedeutung für die Raumfahrt. Das Institut hat Sitz in Bern und fördert die interdisziplinäre Forschung in den Weltraumwissenschaften und der Erdbeobachtung. Das ISSI bringt verschiedene Disziplinen zusammen, um Dateninterpretationen in einem breiteren wissenschaftlichen Kontext zu realisieren und Methoden zu entwickeln, die über die Möglichkeiten einzelner Forschungsgruppen hinausgehen – etwa im Bereich Big Data für die astronomische Forschung oder bei der Vorhersage der Luftqualität mithilfe von geostationären Satelliten. Zu den Trägern des ISSI gehören die Eidgenossenschaft, die ESA, die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT), die Universität Bern und die Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA). Das chinesische Partnerinstitut ISSI Beijing wird vom chinesischen National Space Science Center (NSSC) getragen. Die durch die NARV definierten Bundesbeiträge ermöglichen es dem ISSI, sich auch in Zukunft in bedeutende Forschungsvorhaben einzubringen. Dies ist wichtig für die künftige schweizerische Forschungs- und Innovationspolitik, für den Wissenschaftsstandort Schweiz und für die Sichtbarkeit der Schweizer Weltraumwissenschaft im In- und Ausland.

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Modellquerschnitt des Extreme Ultraviolet Solar Spectral Irradiance Monitor (SoSpIM), teilfinanziert auf Grundlage der NARV und entwickelt am PMOD für die zukünftige Sonnenmission SOLAR-C unter Leitung der japanischen Raumfahrtagentur JAXA.
Bild: © PMOD/WRC

Förderung der Beteiligung an Raumfahrtprogrammen und -projekten

Das SBFI kann in der Schweiz ansässige und mit der ESA in Verbindung stehende Institutionen durch die Förderung der Beteiligung an Raumfahrtprogrammen und -projekten unterstützen. Somit schafft das SBFI eine gute Ausgangslage für das schweizerische Ökosystem im Hinblick auf künftige Ausschreibungen in institutionellen europäischen sowie weiteren internationalen Programmen. Mit der Förderung von nationalen Aktivitäten im Bereich der Raumfahrt kann das SBFI zudem einen Beitrag leisten zum Betrieb von schweizerischen wissenschaftlichen Instrumenten auf Weltraummissionen, soweit diese nicht durch ESA-Programme finanziert werden.

Beitragsberechtigt sind Hochschulforschungsstätten und nicht-kommerzielle Forschungsstätten ausserhalb des Hochschulbereichs. Diese können beim SBFI Fördergelder beantragen. Im Weiteren hat das SBFI die Möglichkeit, im Bereich der Information, Beratung und Vernetzung Fördergelder auszurichten. Dazu gehört namentlich der Space Exchange Switzerland (SXS), eine neue Plattform für die Raumfahrtakteure in der Schweiz (siehe Kasten).

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Die Magnetosphäre des Jupiters. Die Universität Genf ist an der Entwicklung von Instrumenten beteiligt zur Untersuchung der magnetosphärischen Teilchenbeschleunigung, die zum Forschungsschwerpunkt einer neuen NASA-Mission werden könnte. Diese Aktivität wird auf Basis der NARV unterstützt.
Bild: COMPASS Collaboration

Die Umsetzung dieses Mandats hilft dem SBFI, die Schweizer Raumfahrtakteure auf nationaler und internationaler Ebene verstärkt zu vernetzen und die Sichtbarkeit der Schweizer Unternehmen im Raumfahrtbereich zu verbessern, insbesondere in Bezug auf die ESA und deren Technologiebedarf. Das SBFI erwartet auch, dank der Aktivitäten des SXS junge Talente für die künftige Generation von Weltraumexpertinnen und -experten zu gewinnen und Schweizer Einrichtungen dabei zu unterstützen, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten bei der Nutzung von Erdbeobachtungsdaten im Weltraum auszubauen.

Das Mandat wird von der EPF Lausanne als Leading House geführt und zusammen mit der ETH Zürich, der Universität Zürich, der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Università della Svizzera ltaliana umgesetzt. Space Exchange Switzerland agiert komplementär zu bestehenden Initiativen.

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