Editorial

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser

Raumfahrt durchdringt und erleichtert immer mehr unseren Alltag, denken wir an die Anwendungsbereiche Telekommunikation, Navigation oder Umweltbeobachtung. Forschung und Innovation im Space-Bereich entwickeln sich in hohem Tempo weiter. Die Miniaturisierung, ein besserer Zugang zum Weltall und die Opportunitäten im Kontext der zunehmenden digitalisierten Welt haben die Raumfahrt bereits in den vergangenen Jahren stark verändert. Nun gehen diese Entwicklungen, getrieben von einem globalen Wettbewerb der Länder und ihrer Privatwirtschaften, unentwegt weiter. Die Zahlen dazu sind eindrücklich: Weltweit erfolgten allein im Jahr 2021 knapp 150 Starts von Trägerraketen, in deren Gefolge rund 1800 Satelliten (davon gut 1700 «smallsats» mit einem Gewicht von weniger als 500 kg) im Orbit platziert wurden. Diese Satelliten stehen für ein bedeutendes Wachstumspotenzial der Space Economy. Bei ihr geht es einerseits um die Herstellung und Beschaffung der Technologien und anderseits um neue Geschäftsmodelle, bei denen Daten und deren Nutzung im Mittelpunkt stehen.

Wo steht die Schweiz in diesem Wettbewerb? Mit gut 250 institutionellen Akteuren, von Hochschulen, über spezialisierte Forschungsinstitutionen bis hin zu grösseren oder kleineren Unternehmen, ist sie in verschiedenen Feldern präsent. Sie ist ein Forschungs- und Industriestandort mit hoher Spezialisierung, Affinität zur Qualität und Innovation und sie hat darum entsprechend gute Voraussetzungen, um in der Raumfahrt weiter zu wachsen und an bisherige Erfolge anzuknüpfen: an die Mission CHEOPS zur Untersuchung von Exoplaneten oder an Firmen wie beispielsweise «Swissto12», welche mit 3D-gedruckten Antennen neue Nischen im Telekommunikationsmarkt bearbeitet, und «Clearspace», mit deren Know-how und Technologie die Europäische Weltraumagentur ESA langfristig gegen Weltraumschrott im All vorgehen will.

Die Europäische Weltraumagentur ist für die Schweiz und ihre Akteure, welche ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten weitgehend im Rahmen der Aktivitäten und Programme der ESA durchführen, zentral. Anderseits anerkennt die ESA die Leistungen und das Potenzial der Schweiz im Weltraumbereich. Sinnbildlich dafür steht die Unterzeichnung des Kooperationsabkommens zwischen der ESA und der Schweiz zur Gründung des European Space Deep-Tech Innovation Centre ESDI am Paul Scherrer Institut PSI. Als erste Themen für Plattformen am PSI wurden Materialforschung, Datenmanagement und -verarbeitung, Quantentechnologien sowie der Bereich nachhaltige Raumfahrt-Ökosysteme identifiziert. Ohne Zweifel sind das Themen, in denen die Herausforderungen ebenso gross sind wie die Chancen und Opportunitäten. Das ESDI soll dabei eine koordinierende Rolle einnehmen und Projekte mit einem Verbund an Partnern in Hochschulen und Industrien in der Schweiz und den ESA-Mitgliedsstaaten ermöglichen.

Damit die Schweiz für die Entwicklungen im Raumfahrtsektor auf nationaler und internationaler Ebene fit ist, hat der Bundesrat verschiedene Aufträge erteilt. So ist das SBFI daran, den Vorentwurf für ein nationales Weltraumgesetz zu erarbeiten. Anderseits bereiten wir die Aktualisierung der Schweizer Raumfahrtpolitik von 2008 vor. Dabei gilt es verschiedenste Aspekte zu berücksichtigen: die Umsetzung nationaler und internationaler Programme, die wachsende Bedeutung des Weltraums für Wirtschaft, Gesellschaft und Sicherheitspolitik sowie Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte von Raumfahrtaktivitäten. Das ist ein weites Feld, in welchem wir selbstverständlich nur dank interdepartementaler Abstützung erfolgreich sein können.

Martina Hirayama
Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation

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