Fokusthema – Weiterentwicklung der Berufsbildung

Handlungsspielräume erkennen – Chancen nutzen

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Rémy Hübschi, Vizedirektor und Leiter Abteilung Berufs- und Weiterbildung, SBFI

Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt haben in den vergangenen Jahren gemeinsam den Strategieprozess «Berufsbildung 2030» erarbeitet. Rémy Hübschi, Leiter der Abteilung Berufs- und Weiterbildung im SBFI, gibt Einblick in den Stand der Arbeiten. Er ist überzeugt: «Mit Berufsbildung 2030 haben wir eine gute Grundlage, um die Berufsbildung verbundpartnerschaftlich weiterzuentwickeln».

Wie steht es um die Schweizer Berufsbildung?
Rémy Hübschi: Ohne falsche Scheu dürfen wir sagen: Die Schweizer Berufsbildung ist gut aufgestellt. Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt arbeiten in einem feintarierten System zusammen. Das Interesse der Jugendlichen an der Berufsbildung ist nach wie vor gross. Auch haben wir in den letzten Jahren verschiedene Modernisierungen umgesetzt wie beispielsweise die Stärkung der eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen. Wichtig erscheint mir, dass wir nicht stehen bleiben. Wir haben ein Berufsbildungsgesetz, das als offenes Rahmengesetz konzipiert ist und entsprechend Handlungsspielräume ermöglicht. Diese gilt es zu nutzen.

Welche Entwicklungen gilt es besonders im Auge zu behalten?
Im Strategieprozess «Berufsbildung 2030» haben wir gemeinsam die zentralen Herausforderungen eruiert. Das daraus resultierende Leitbild und die davon abgeleiteten Stossrichtungen zeigen den Weg auf. Mir persönlich erscheint es dabei wichtig, dass wir die Chancen der Digitalisierung aktiv nutzen. Dazu haben wir beispielsweise die Förderinitiative «digitalinform.swiss» lanciert. Wir gehen damit über die bisherige Förderpraxis hinaus und wollen Projekte sichtbar machen, Akteure vernetzen und auf der Basis des Aktionsplans «Digitalisierung im BFI-Bereich» des WBF/SBFI Projekte fördern.

Zudem müssen wir darauf Acht geben, dass die Berufsbildung weiterhin attraktiv bleibt. Ich denke dabei einerseits an die Jugendlichen. Modernisierte berufliche Grundbildungen und eine möglichst hohe Durchlässigkeit des (Berufs-)Bildungssystem sind Voraussetzungen dafür, dass wir weiterhin qualifizierte Fach- und Führungskräfte ausbilden können. Andererseits sind wir aber auch daran, die Berufsbildung für Erwachsene zu optimieren. Das reicht von der Förderung von Grundkompetenzen am Arbeitsplatz, über die Attraktivitätssteigerung der beruflichen Grundbildung bis hin zu den Angeboten der höheren Berufsbildung.

Wo steht der Strategieprozess «Berufsbildung 2030»?
Nachdem wir in den vergangenen Jahren die Grundlagen gelegt haben, sind wir nun seit Sommer 2018 in der Umsetzung. Wenn man auf die Projektliste schaut, so stellt man fest, dass einiges im Gange ist. Die Palette reicht von der Revision der Rahmenlehrpläne für Berufsbildungsverantwortliche über die Klärung der Governance bis zur Untersuchung der Finanzflüsse. Wichtig ist mir, dass «Berufsbildung 2030» als eine gemeinsame Initiative von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt verstanden wird. Es braucht den Willen und das Engagement von allen Beteiligten. Entsprechend lädt das Steuergremium von «Berufsbildung 2030» alle Akteure der Berufsbildung ein, sich am Prozess zu beteiligen.

Wo wird die Berufsbildung im Jahr 2030 stehen?
Auch im Jahr 2030 geht es im Endeffekt darum, dass die Absolventinnen und Absolventen einer Berufsbildung auf den Arbeitsmarkt abgestimmte Qualifikationen erwerben können. Und ebenso haben die Unternehmen ein Interesse daran, über qualifizierte Fach- und Führungskräfte zu verfügen. Schliesslich haben wir mit unserer Verbundpartnerschaft ein Modell, um welches uns andere Länder beneiden. Wenn wir uns bei allen Reformschritten an diesen drei Konstanten orientieren, sind wir auf gutem Weg.

Weitere Informationen

www.berufsbildung2030.ch

Autor

Rémy Hübschi, SBFI
Vizedirektor, Leiter Abteilung Berufs- und Weiterbildung

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