Editorial

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser

«Ein Kreis, dessen Mittelpunkt überall, dessen Umfang nirgendwo ist», so hat Blaise Pascal, Mathematiker und Philosoph des 17. Jahrhunderts, das Weltall beschrieben. Dank wissenschaftlicher Erkenntnisse sieht man diese Dinge zwischenzeitlich zwar ein wenig anders. Aber weder die grosse Faszination für das Universum noch die menschliche Neugierde, seine vielen ungelösten Rätsel anzugehen, haben bis heute abgenommen.

Wie sind die unzähligen Planeten beschaffen, die in benachbarten Sonnensystemen existieren und also nicht um «unsere» Sonne kreisen, sondern um andere helle Sterne? Die Neugierde, solchen Fragen nachzugehen, ist indessen nur einer von ganz verschiedenen Aspekten, wenn der Forschungssatellit «CHEOPS» laut Plan im Dezember 2019 seinen Weg durch das All aufnimmt. Weltraummissionen bedeuten immer auch spezifische Technologieentwicklungen, die in innovative Anwendungen zum Nutzen aller auf der Erde münden können. Die Bedeutung von Satellitendaten und weltraumbasierten Dienstleistungen beispielsweise, die oft unbemerkt neue Bereiche des Alltags durchdringen, nimmt stetig zu: Die Synchronisierung von Mobilfunk- und Stromnetzen sowie von Finanztransaktionen basiert heute auf hochpräzisen Zeitsignalen aus dem Weltraum; auch die systematische Beobachtung und damit das Verständnis der mannigfachen Variablen des Erdklimas kann nur aus dem All erfolgen.

Wie wichtig die Raumfahrt für die weltweit umspannende Wissens- und Innovationsgesellschaft heute ist, lässt sich an den steigenden Investitionen in diesen Bereich ablesen. Und dennoch braucht es die internationale Zusammenarbeit für den Erfolg. Die Schweiz setzt ihre Aktivitäten im Raumfahrtbereich hauptsächlich mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA um. Die unter der Leitung der Universität Bern zusammen mit der ESA entwickelte «CHEOPS»-Mission ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch ein kleines Land wie die Schweiz dank seiner Kompetenzen im Kreise der grossen europäischen «Raumfahrtnationen» wettbewerbsfähig ist, Verantwortung übernimmt und die geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen Europas gegenüber der wachsenden Konkurrenz aus anderen Kontinenten mitvertritt.

Tatsächlich blicken Schweizer Weltraumakteure aus der Forschung wie aus der Industrie auf eine erfolgreiche, über 50-jährige Geschichte zurück. Sie leisten dank ihrer spezifischen wissenschaftlichen oder technologischen Kompetenzen in Weltraumfragen wichtige Beiträge zur Stärkung von Wohlfahrt und Sicherheit weit über die Grenzen unseres Landes hinaus.

Martina Hirayama
Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation

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