Weltraumteleskop CHEOPS ist startklar

«Die Exzellenz des Labels Schweiz ist im Weltraumsektor anerkannt»

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Renato Krpoun
Leiter Abteilung Raumfahrt, SBFI
Bild: Beatrice Devènes

CHEOPS ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der Schweiz unter Leitung der Universität Bern. Sie wird Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems untersuchen. Nach mehrjähriger Vorbereitung ist der Start ins Weltall im Dezember 2019 vorgesehen. «Wir freuen uns, dass die Schweiz mit CHEOPS zum ersten Mal die Hauptverantwortung bei einer ESA-Mission übernehmen konnte», sagt Renato Krpoun, Leiter der Abteilung Raumfahrt im SBFI.

Welche Bedeutung hat die CHEOPS-Mission für die Schweizer Weltraumaktivitäten?
Renato Krpoun: Das Projekt der Universität Bern wurde zusammen mit der ESA ausgewählt und umgesetzt. CHEOPS ist ein Erfolg für die ESA, die europäische Raumfahrt und ganz besonders und in vielerlei Hinsicht auch für die Schweiz. Die Mission vereint zahlreiche Akteure der Schweizer Weltraumgemeinschaft: Universitäten, grosse Unternehmen und KMU. Unter der Leitung der Universität Bern wurden wissenschaftliche und technologische Exzellenz erfolgreich kombiniert mit Kompetenzen zur Leitung grosser internationaler Projekte sowie einer intensiven Zusammenarbeit zwischen akademischen Kreisen und der Industrie. So konnten Kompetenzen der Schweizer Akteure gebündelt werden, um innerhalb von nur wenigen Jahren eine Satellitenmission wie CHEOPS auf die Beine zu stellen.

Wie charakterisiert sich die Schweizer Forschung und Innovation im Weltraumbereich?
Die Schweiz ist seit über 50 Jahren in der Raumfahrt tätig und hat entsprechend Kompetenzbereiche entwickelt, die auch von den grossen Weltraumorganisationen wie der ESA, der NASA (US-amerikanische Raumfahrtbehörde) und Roscosmos (Weltraumorganisation der Russischen Föderation) anerkannt werden. Sie wird als Partnerin sehr geschätzt, wie auch die jüngsten Erfolgsgeschichten zeigen, so etwa die Berner Mars-Kamera CASSiS oder SEIS, ein Seismometer zur Messung von Mars-Beben. Die Schweizer Weltraumgemeinschaft, die sich aus universitären Hochschulen, Fachhochschulen, KMU und Grossunternehmen zusammensetzt, verfügt über sehr unterschiedliche und komplementäre Kenntnisse und Fähigkeiten, die vereint zum Erfolg führen. CHEOPS ist das perfekte Beispiel dafür und geht sogar noch einen Schritt weiter: Das Projekt verbindet nicht nur Akteure, die bereits in diesem Sektor tätig sind, sondern zieht auch neue Akteure «von ausserhalb» hinzu, deren Kompetenzen gebraucht werden.

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Das CHEOPS-Teleskop im Reinraum der Universität Bern
Bild: Thomas Beck / Universität Bern

Welche Herausforderungen stellen sich für die Schweizer Forschung und Innovation in den nächsten Jahren?
Herausforderungen gibt es immer, da in diesem Sektor ein hoher Wettbewerbsdruck herrscht. Wir müssen unsere Kenntnisse und unsere Technologien stetig weiterentwickeln und gleichzeitig höchste Qualität liefern. Das Label «Schweiz» hat im Weltraumsektor einen hervorragenden Ruf, und unsere Akteure setzen alles daran, dass dies auch weiterhin so bleibt. So machen sie Herausforderungen zu Chancen. Die Beschleunigung bei der Vernetzung von Schweizer Kompetenzen und der Technologietransfer sind eine Folge der steigenden Zahl neuer Akteure und Konkurrenten in diesem Bereich. Ein Wandel bei der traditionellen Unternehmensentwicklung ist notwendig. Weltraumdaten sind für die weltweite digitale Infrastruktur zentral, und unsere Akteure sollten agiler werden. Eine globale Herausforderung, von der leider auch die Schweiz betroffen ist, ist der Mangel an Nachwuchskräften in den MINT-Fächern, obschon die Erforschung des Weltraums und die wissenschaftliche Forschung nach wie vor eine besondere Faszination ausüben.

Wie unterstützt das SBFI die Schweizer Weltraum-Akteure?
Die Mitgliedschaft der Schweiz bei der ESA ist unser wichtigstes Instrument, um unseren Akteuren den Zugang zur internationalen Zusammenarbeit in diesem Bereich zu gewähren. Das SBFI unterstützt die Schweizer Weltraumgemeinschaft im Rahmen der ESA und unserer bilateralen Beziehungen sehr engagiert. Wir vertreten die Interessen der Schweiz in der ESA, wobei wir den verschiedenen Kompetenzbereichen und den aktuellen Entwicklungen Rechnung tragen. Gleichzeitig arbeiten wir zusammen mit anderen Staaten an bilateralen Wissenschafts- und Technologiemissionen, die nur am Rande mit der ESA zu tun haben. Im Rahmen des BFI-Systems haben wir mit der Ausbildung, der Forschungsförderung und industriellen Innovationen eine ausgezeichnete Grundlage. Wir unterstützen die Interaktion sowie den wissenschaftlichen und technologischen Wissenstransfer. Das SBFI sorgt somit für optimale Rahmenbedingungen, und es ist an den Akteuren, die Gelegenheiten beim Schopf zu packen.

Welche Erfahrungen machen Sie mit dem PRODEX-Programm?
Das ESA-Programm namens PRODEX (PROgramme de Développement d’EXpériences scientifiques) stellt den teilnehmenden Staaten für die Entwicklung wissenschaftlicher Instrumente die Projektleitungskompetenzen und Technologien der ESA zur Verfügung. Die Schweiz war vor rund 30 Jahren Initiantin dieses Projekts und setzte sich von Anfang an für den Wissenstransfer zwischen unseren Hochschulen und der Industrie ein. PRODEX ebnet ausserdem den Weg für einen Einsatz hochmoderner Raumfahrttechnologien in alltäglichen Anwendungen. Die wissenschaftlichen Beiträge der Schweiz, die von PRODEX unterstützt wurden, sind zahlreich und sehr vielfältig. Sie zeigen das grosse Know-how auf, das dank PRODEX erworben werden konnte. Wir sorgen dafür, dass dieses Know-how, das für unsere Forschungs- und Innovationslandschaft einen zusätzlichen Trumpf darstellt, auch in Zukunft weiter ausgebaut wird.

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Renato Krpoun, SBFI

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