Digitalisierung und Forschungskompetenzen in der Schweiz

Aufschlussreiche bibliometrische Untersuchungen

Unabhängig davon, ob man zu den «Digital Natives» zählt oder nicht, die Digitalisierung betrifft uns alle: Sie wirkt sich sowohl auf unser tägliches Leben aus als auch auf unsere Wirtschaft. Denn die meisten aktuellen Innovationen basieren auf digitalen Technologien (z.B. Software, Big Data), die ihrerseits aus der wissenschaftlichen Forschung hervorgehen. Die Forschungskapazitäten im Bereich der Digitalisierung sind somit für eine innovative Wirtschaft entscheidend. Wie steht diesbezüglich die Schweiz?

Um diese Frage zu beantworten, können beispielsweise die Leistungen der Schweiz bei den Publikationen in Forschungsbereichen mit einem engen Bezug zur Digitalisierung mit jenen anderer Länder verglichen werden. Diese Bereiche sind heterogen. Meist handelt es sich aber um Informatik und Elektronik, Robotik und künstliche Intelligenz sowie Mathematik.

Publikationen mit hohem Impact

Die Schweiz publiziert jährlich etwas mehr als 1000 wissenschaftliche Artikel in sechs Forschungsbereichen, die eng mit der Digitalisierung verbunden sind (siehe Abb. 1). Die Mehrheit der Artikel stammt von den Eidgenössischen Technischen Hochschulen. Im Hinblick auf die Intensität (mehr oder weniger Publikationen im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt) und den Impact (Anzahl Zitierungen der Publikationen) sind die Leistungen der Schweiz durchzogen:

  • Einerseits weist sie eine unterdurchschnittliche Publikationsintensität auf, mit Ausnahme des Bereichs «Computer Science & Engineering»;
  • andererseits finden die Artikel aus der Schweiz in der Hälfte der betrachteten Bereiche («Engineering Management / General», «Information Technology & Communications Systems» und «Mathematics») sehr grosse Beachtung in der Forschergemeinschaft (hoher Impact).

Angesichts ihrer geringen Grösse kann die Schweiz beim Publikationsaufkommen selbstverständlicherweise nicht mit sehr grossen Ländern wie etwa den USA oder China mithalten (siehe Abb. 2). Im Hinblick auf den Impact und die Intensität kann sie sich aber durchaus mit ihnen messen.

Abbildung 1: Leistungen der Schweiz bei Publikationen in Bereichen, die eng mit der Digitalisierung verbunden sind, 2007–2011 und 2011–2015

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Das Profil der Schweiz ist jenem von Deutschland sehr ähnlich, was vermutlich auf die Nähe der beiden Volkswirtschaften und ihrer Forschungs- und Innovationssysteme zurückzuführen ist. Singapur, das hinsichtlich der Anzahl Publikationen mit der Schweiz vergleichbar ist, zeichnet sich durch eine überaus hohe Produktionsintensität und eine starke internationale Beachtung aus.

Zahlreiche laufende Aktivitäten

Die Ergebnisse der Schweiz verbessern sich seit einigen Jahren, wie die Entwicklung in den Bereichen «Computer Science & Engineering», «Engineering Management / General», «Engineering Mathematics» und «Mathematics» zeigen (Abb. 1).

Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz in Bezug auf die Digitalisierung nicht im Hintertreffen. Im IMD-Ranking (IMD, the World Digital Competitiveness Ranking 2019) belegt sie im Übrigen bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit weltweit den 5. Platz. Gewisse Wirtschaftssektoren wie der Maschinenbau sind sehr weit fortgeschritten, zudem laufen derzeit zahlreiche Initiativen. So hat der Bundesrat beispielsweise das WBF (SBFI) beauftragt, eine interdepartementale Arbeitsgruppe zu bilden, die ihm Aktionen vorschlagen soll, wie die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im Bereich der künstlichen Intelligenz verbessert werden kann. Der Schweizerische Nationalfonds hat ein neues Nationales Forschungsprogramm «Digitale Transformation» lanciert, ergänzend zum Programm «Big Data». Im Anschluss an den Bericht «Aktionsplan im BFI-Bereich in den Jahren 2019 und 2020» haben die Hochschulen überdies mehrere Lehrstühle in den verschiedenen Informatikbereichen geschaffen (für eine Übersicht siehe SBFI News 3/19).

Abgesehen davon gilt es in Bereichen, in denen der Übergang von der Grundlagenforschung zur Anwendung sehr rasch erfolgt (z.B. im Bereich der künstlichen Intelligenz), wachsam zu bleiben, um im Innovationswettlauf nicht den Anschluss zu verlieren. Die Schweiz sollte daher ihre Partner sorgfältig wählen und sich in internationalen Projekten auf europäischer wie auch aussereuropäischer Ebene einbringen.

Abbildung 2: Leistungen anderer Länder bei Publikationen, die eng mit der Digitalisierung verbunden sind, 2011–2015

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Kontakt

Müfit Sabo, SBFI

Stv. Leiter Abteilung Forschung und Innovation
T +41 58 465 91 51

Isabelle Maye, SBFI

Wissenschaftliche Beraterin Ressort Grundlagen
T +41 58 463 09 64

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