Editorial

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser

Die Schweizer Berufsbildung stand im November gleich mehrmals im Fokus. Zum einen stösst sie selbst in wirtschaftlich äusserst wettbewerbsfähigen Ländern auf grosses Interesse. Diese Erkenntnis habe ich unlängst aus Gesprächen in Dänemark, Finnland und Schweden mitgenommen. Die dort getroffenen Politikerinnen und Politiker und Akteure im Bereich Bildung, Forschung und Innovation zählen die duale Berufsbildung mit ihrer Verwurzelung in der Praxisorientierung zu den zentralen Gründen, weshalb unser Land in internationalen Innovationsrankings regelmässig auf Spitzenplätzen figuriert.

Ist unsere Berufsbildung heute also auch aus internationaler Sicht eine Erfolgsgeschichte, gilt es, ihr entsprechend Sorge zu tragen. Heutige Erfolge beruhen immer auf Überlegungen, Entscheidungen und Massnahmen, welche früher angestellt, früher gefällt und früher in die Wege geleitet wurden. Soweit wie möglich vorausschauen ist also wichtig. Mit Blick auf diese Forderung war die Ende November von gut 750 Personen besuchte Herbsttagung der Berufsbildung in Bern ein Erfolg. Sie diente der offenen Diskussion über eine Berufsbildung, die fit bleiben und fit gemacht werden soll für die Zukunft. Mit der verbundpartnerschaftlich gestarteten Initiative «Berufsbildung 2030» befinden wir uns auf der richtigen Flughöhe und haben die richtige Weitsicht. Die ersten Projekte zielen jedenfalls auf drängende Fragen. Der Bürokratieabbau in den Lehrbetrieben zählt beispielsweise dazu – hier geht es um die Ausbildungsbereitschaft insbesondere der kleinen und mittleren Betriebe – oder die Beschleunigung bei der Berufsentwicklung angesichts des digitalen Wandels. Dass aus der Herbsttagung weitere zukunftsträchtige Projekte hervorgehen, ist zu erwarten.

Schliesslich wurde im November 2019 auch die neueste Kosten-Nutzen-Studie zur beruflichen Grundbildung vorgestellt. Die berufliche Grundbildung beruht auf der Bereitschaft der Betriebe, junge Menschen oder auch Erwachsene in einem Lehrberuf auszubilden. Für diese Bereitschaft ist es wichtig, dass sich die Ausbildungstätigkeit aus betrieblicher Sicht lohnt. Das Fazit der Studie: Für die meisten Ausbildungsbetriebe in der Schweiz lohnt sich die Ausbildung von Lernenden, der Nutzen während der Ausbildungszeit übertrifft meist die Kosten. Und zusätzlichen Nutzen können die Betriebe dadurch generieren, dass sie ihre Lernenden nach Lehrabschluss weiterbeschäftigen und sich so Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten sparen.

Martina Hirayama
Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation

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