Gefragte Schweizer Produkte und Dienstleistungen

Fokusthema: Internationale Zusammenarbeit im Forschungs- und Innovationsbereich – Chancen für die Schweizer Industrie

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Die Schweiz ist Mitglied verschiedener internationaler Forschungsorganisationen wie beispielsweise der Europäischen Synchrotronstrahlungsanlage (ESRF) in Grenoble. Von dieser Mitgliedschaft profitieren nicht nur Forschende, sondern auch Schweizer Unternehmen in Form von Aufträgen und Know-how-Transfer. Bild: ESRF / D. Morel

Internationale Forschungsinfrastrukturen wie das CERN in Genf sowie die Europäische Weltraumorganisation ESA sind auf hochwertige Produkte und Dienstleistungen angewiesen. Dank der Mitgliedschaft der Schweiz in diesen Organisationen können sich auch Unternehmen aus der Schweiz bei entsprechenden Ausschreibungen bewerben. Pro Jahr fliessen so Aufträge in der Grössenordnung von insgesamt rund 250 Millionen Franken in die Schweiz zurück. Zudem profitieren Grossunternehmen und KMU vom Wissens- und Technologietransfer.

Im Rahmen ihrer internationalen Zusammenarbeit im Forschungs- und Innovationsbereich ist die Schweiz Mitglied von knapp zehn internationalen Forschungsinfrastrukturen. Ein gemeinsames Merkmal dieser Organisationen ist die Bewirtschaftung grosser Anlagen, die gebaut und unterhalten werden müssen. Dafür werden Aufträge an Unternehmen und andere Institutionen vergeben, nicht nur zur Beschaffung von Spitzentechnologiegeräten, sondern auch für Dienstleistungen oder Bauarbeiten. Bei der ESA beispielsweise liegt der Hauptschwerpunkt ihrer Tätigkeit in der Nutzung von Raumfahrtinfrastrukturen, vor allem aber in der Entwicklung und Lancierung neuer Weltraummissionen, die mit der Unterstützung europäischer Industrieunternehmen realisiert werden.

Internationale Forschungsinfrastrukturen

Durch die Beteiligung der Schweiz an den internationalen Forschungsinfrastrukturen können Schweizer Unternehmen an Ausschreibungen dieser Einrichtungen teilnehmen und so Auftragseingänge im Umfang von rund 100 Millionen Franken pro Jahr verbuchen. Für die schweizerische Industrie bedeutet dies nicht nur finanzielle Rückflüsse, sondern auch eine Möglichkeit, technologisches Wissen und Know-how aufzubauen. Darüber hinaus fördern die internationalen Forschungsinfrastrukturen den Technologietransfer, mit dem für ihre Bedürfnisse entwickelte Innovationen auf dem Markt verbreitet werden. In der Regel handelt es sich dabei um Software oder neue Technologien, die in unterschiedlichsten Bereichen wie Medizin, Informatik, Optik, Robotik, Energie, Verkehr, Kommunikation oder sogar in der Kunstgeschichte Anwendung finden. Der Beitrag der Unternehmen ist hier zum Beispiel gefragt, um marktfähige Prototypen zu entwickeln, herzustellen und zu vertreiben.

Die Beschaffungspolitik der einzelnen internationalen Forschungsinfrastrukturen ist sehr unterschiedlich. Einige Ausschreibungen sind öffentlich, andere richten sich nur an eine Reihe von Unternehmen, die von den Mitgliedstaaten bestimmt oder von der Organisation selbst ausgewählt werden. Wie stark jede Organisation auf einen «gerechten Mittelrückfluss» unter den Mitgliedstaaten, d.h. eine Auftragsvergabe entsprechend dem finanziellen Beitrag des jeweiligen Landes, zu achten hat, unterscheidet sich ebenfalls. Als öffentlicher Geldgeber fördert der Bund einen angemessenen industriellen Rückfluss und die Entwicklung des Industriestandorts Schweiz.

Grundsätzlich setzt sich das SBFI, das den Bund in den Kontroll- und Steuerungsgremien der internationalen Forschungsorganisationen und -infrastrukturen vertritt, für die Festlegung transparenter Beschaffungsregeln, die Einhaltung möglichst offener Verfahren und die Berücksichtigung von sowohl Preis- als auch Qualitätskriterien in den Beschaffungsverfahren ein. Qualitätskriterien spielen eine entscheidende Rolle, um die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen in einem internationalen Umfeld mit vergleichsweise niedrigen Preisen sicherzustellen. Diese Politik animiert die Schweizer Industrieunternehmen, die Konkurrenz im Auge zu behalten, sinnvolle grenzüberschreitende Kooperationen einzugehen und an der Spitze mitzuhalten. Im Gegenzug haben die internationalen Forschungsinfrastrukturen Zugang zu einem breit gefächerten Angebot und profitieren vom Wettbewerb unter den potenziellen Lieferanten.

Europäische Weltraumorganisation

Im Gegensatz zu den internationalen Forschungsinfrastrukturen ist die Europäische Weltraumorganisation ESA nicht an eine spezifische Grossanlage gebunden. Aufgabe der ESA ist es, die Entwicklung technischer Fähigkeiten und europäischer Raumfahrtinfrastrukturen zu gestalten, indem sie den Einsatz der Finanzmittel und das Know-how ihrer Mitgliedstaaten koordiniert. Die ESA ist auf allen Gebieten der Raumfahrt tätig und zeichnet sich durch ihre grosse Anzahl und Vielfalt an Programmen und Missionen aus. Entsprechend breit sind auch ihre Forschungsbereiche und die entsprechenden Technologien.

Die Beteiligung an den verschiedenen Programmen der ESA erfolgt grundsätzlich nach dem Prinzip der «variablen Geometrie», d.h. jedes Mitgliedsland stimmt seine Beteiligung auf die jeweiligen nationalen Ziele und Prioritäten ab. Auch die Schweiz verfolgt eine eigene Weltraumpolitik. Der «Swiss Space Implementation Plan 2018−2020» fasst den strategischen Rahmen und die Technologieschwerpunkte der Schweiz zusammen.

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Die Mitgliedschaft der Schweiz erlaubt es den verschiedenen Schweizer Raumfahrtakteuren, auf unterschiedlichen Ebenen (Spitzentechnologie, Entwicklung von Prototypen, Produktion, Anwendungsentwicklung) vollumfänglich an den Missionen der ESA mitzuwirken. Schweizer Unternehmen beteiligten sich beispielsweise am Bau des ESA-Satelliten Sentinel 5P, der seit 2017 Daten für die weltweite Beobachtung der Atmosphäre erhebt. Bild: ESA / P. Carril

Die Industriepolitik bildet eine der Säulen der ESA und zielt vornehmlich darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu fördern. Offene Ausschreibungen sind die Regel. Die Mitgliedschaft der Schweiz erlaubt es den verschiedenen Schweizer Raumfahrtakteuren, sich auf unterschiedlichen Ebenen (Spitzentechnologie, Entwicklung von Prototypen, Produktion, Anwendungsentwicklung) vollumfänglich an den Missionen der ESA zu beteiligen, was sich in Mittelrückflüssen von jährlich rund 150 Millionen Franken niederschlägt.

Die ESA, ihre Mitgliedstaaten und die europäische Raumfahrtindustrie stehen heute neuen Herausforderungen im Zusammenhang mit der rasanten Entwicklung der Raumfahrt gegenüber, die auf die Digitalisierung, die Miniaturisierung sowie den daraus resultierenden Kostendruck in der Herstellung und Lancierung von Satelliten zurückzuführen sind. Um in diesem schwierigen Umfeld die europäische Industrie zu unterstützen und Innovation zu fördern, verfügt die ESA über diverse Instrumente, die für die Ko-Finanzierung marktnaher Tätigkeiten geeignet sind, darunter öffentlich-private Partnerschaften. Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch andere Instrumente, insbesondere solche zur Förderung der Nutzung von Weltraumdaten und des Technologietransfers. Dazu gehört das von der ESA lancierte europäische Netzwerk von Business Incubation Centres (ESA BIC), die schwerpunktmässig auf die Bedürfnisse von Start-ups ausgerichtet sind. Das ESA BIC Switzerland besteht seit 2016 und ist sehr aktiv. Der ESA ist es gelungen, in allen Bereichen der industriellen Wertschöpfungskette europäische Kompetenzen in der Spitzentechnologie aufzubauen.

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