Nachfrage nach Spitzentechnologie von Schweizer KMU

Internationale Forschungsinfrastrukturen

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Die Schweizer Industrie profitiert regelmässig von Aufträgen seitens internationaler Forschungsorganisationen. Beispielsweise hat die im Kanton Luzern angesiedelte Imbach & Cie AG massive Aluminiumkomponenten mit hoher Präzision für den Teilchenbeschleuniger «Large Hadron Collider» am CERN geschmiedet.
Bild: Imbach AG / CERN

Zurzeit laufen einige Projekte für den Bau sehr grosser Forschungsinfrastrukturen (ITER, ESS und ESO) wie auch Erweiterungsprojekte (CERN und ESRF). Aufgrund der hohen Arbeitskosten in der Schweiz und der Wechselkursproblematik im Zusammenhang mit dem (starken) Schweizer Franken ist die internationale Konkurrenz in diesen gängigen Technologiebereichen hart. Internationale Forschungsinfrastrukturen benötigen allerdings auch spezifische Spitzentechnologieprodukte und erstklassige technische Lösungen aus Bereichen, in denen Schweizer Industrieunternehmen dank ihrer Innovationskultur und ihrer Zuverlässigkeit überdurchschnittlich gut abschneiden.

Eine Analyse der Verträge, die in den letzten Jahren vom «Swiss Industry Liaison Office» abgeschlossen wurden, zeigt, dass sich die Schweizer Industrie durch fünf Kompetenzbereiche auszeichnet, in denen sie nachweislich einen spezifischen Mehrwert im Vergleich zur internationalen Konkurrenz schafft. Dabei fällt auf, dass der Markt mehrheitlich von kleinen und mittleren Unternehmen abgedeckt wird. Historisch bedingt, haben sich in einigen Regionen des Landes bestimmte Sektoren stärker entwickelt als in anderen.

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Bild: Imbach AG / CERN

Hochpräzisionsmechanik

Die Kompetenz der Schweizer Industrie im Bereich Hochpräzisionsmechanik ist weltweit anerkannt und eine unbestrittene Stärke. Langjähriges Know-how aus der Uhrenindustrie hat Eingang in andere Segmente gefunden, beispielsweise in die Medizinaltechnik, die Automobilbranche oder den wissenschaftlichen Gerätebau. Viele internationale Forschungsinfrastrukturen profitieren vom Know-how von Schweizer KMU bei der Entwicklung und Zulassung geeigneter Hochpräzisionsmechanik für ihre diversen wissenschaftlichen Instrumente und Detektoren, die extrem harten physischen Bedingungen standhalten müssen.

Komplexe Handhabung und Bearbeitung von Metallteilen

Auf dem Gebiet der Metallverarbeitung verfügen Schweizer Industrieunternehmen über alle notwendigen technischen Kompetenzen für die Entwicklung und Bearbeitung komplexer Teile, die bei internationalen Forschungsinfrastrukturen zum Einsatz kommen. Bei der Herstellung von Prototypen oder Kleinserien ist die Schweizer Industrie nach wie vor wettbewerbsfähig. Die Bearbeitung hochpräziser Metallteile setzt ausgereifte Spezifikationen und Ingenieurswissen für Multiphysik-Anwendungen voraus (komplexe Schweisstechniken, Einsatz im Vakuum und bei hoher Strahlenbelastung, präzise messtechnische Kontrollschritte usw.).

Leistungselektronik

Die Kompetenz der Schweiz im Bereich Hochleistungselektronik geht insbesondere auf das ehemalige Unternehmen Brown Boveri (BBC) zurück. Durch die Nähe der Fachhochschulen und der ETH Zürich, die hochqualifizierte Elektroingenieurinnen und -ingenieure ausbilden, ist rund um Zürich ein wachsendes Ökosystem von KMU entstanden, die Lösungen für viele elektromechanische Systeme in der Branche bieten können. Internationale Forschungsinfrastrukturen betreiben Geräte der Hochenergiephysik, die zwangsläufig auch speziell entwickelte Hochspannungsausrüstung erfordern.

Optische und messtechnische Systeme

In der Schweiz produzierte Ultrakurzpulslaser werden in Teilchenbeschleunigern verwendet. Mit Schweizer Atomuhren werden grosse Radioteleskopnetze synchronisiert, die über die ganze Welt verteilt sind. In der Schweiz produzierte Laser Tracker kontrollieren die ordnungsgemässe Ausrichtung tonnenschwerer Metallkomponenten, die derzeit auf der Baustelle des Fusionsreaktors ITER zusammengebaut werden. Ein Grossteil dieses technischen Know-hows findet sich heute in der Ostschweiz und stammt aus der früheren Leica-Fabrik in Heerbrugg (SG). Inzwischen hat sich hier ein dichtes regionales Netzwerk von KMU gebildet, die auf hochwertige Optikkomponenten spezialisiert sind.

Vakuumtechnik und Systeme im Niedrigst-Temperarturbereich

Viele Schweizer KMU aus diesem Sektor sind im Rheintal an der Grenze zu Liechtenstein angesiedelt und als Spin-offs der heute aufgeteilten Firma Balzers entstanden. Sie sind weltweit für die Entwicklung und Herstellung von Komponenten für Ultrahochvakuum-Systeme (Pumpen, Messgeräte, Ventile, Membranbälge) bekannt. Ausserdem werden grosse Helium-Anlagen benötigt, um supraleitende Magnete in Teilchenbeschleunigern oder Fusionsanlagen herunterzukühlen. Die Schweiz verfügt über einen von lediglich zwei Marktakteuren, die in der Lage sind, Helium-Kompressoren samt Turbinen und Zubehör mit der erforderlichen Kühlleistung zu liefern.

Kontakt

Michel Hübner

Leiter
Swiss Industry Liaison Office
T +41 21 693 34 91

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