Editorial

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser

Ob in der Volksschule, auf Sekundarstufe II oder im Tertiär- und Forschungsbereich: Die Schweiz ist systemisch geprägt von einer Vielzahl autonomer Akteure. Diese Akteure – Individuen, Institutionen, übergeordnete Gremien – sind sich aber im Rahmen ihrer Eigenverantwortung durchaus der Vorteile bewusst, die sich dort, wo solche herzustellen sind, aus Synergien ergeben. Dass dieses sehr liberale, bottom-up funktionierende Setting im Spannungsfeld zwischen Autonomie und Kooperation nicht bloss schönwettertauglich ist, zeigt sich gerade in diesen ausserordentlichen Zeiten.

Die Schweizer Wirtschaft beispielsweise sieht sich angesichts der Covid-19-Pandemie mit Herausforderungen konfrontiert, die mutmasslich einen länger anhaltenden Niederschlag in der Berufsbildung zeitigen werden. Vor allem Betriebe mit Kurzarbeit oder Betriebe, die finanziell unter Druck stehen, werden diesen Sommer weniger ihre gewohnte Ausbildungsbereitschaft zugunsten Berufslernender an den Tag legen. Nun ist es nicht so, dass die Schweiz nicht Erfahrungen im Umgang mit angespannten Lehrstellensituationen und damit verbunden mit erprobten Instrumenten zu ihrer Bewältigung hätte. Doch um den sich abzeichnenden Herausforderungen effizient entgegentreten zu können, ist ein zeitnahes und koordiniertes Vorgehen aller Beteiligten notwendig. Gut also, dass in der im Auftrag von Bundesrat Guy Parmelin vom SBFI geleiteten neuen «Task Force Perspektive Berufslehre 2020» alle Verbundpartner der Berufsbildung, Bund – Kantone – Sozialpartner, ihre spezifischen Kräfte in den Dienst einer gemeinsamen Sache stellen.

Hinter der «Swiss National COVID-19 Science Task Force» wiederum stehen, basierend auf dem Commitment der Präsidenten von ETH-Rat, Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen swissuniversities, Schweizerischem Nationalfonds und Akademieverbund die vereinigten Kräfte der Hochschulen und der öffentlich finanzierten Forschung. Die Task Force als solche wirkt mit Hochdruck und äusserster Effizienz. Ihre rund 30 binnen weniger Wochen erarbeiteten Experten-Studien liefern wissenschaftliche Grundlagen für Entscheide des Krisenstabs des Bundesrates zur Bewältigung der Corona Krise. Dabei leisten Disziplinen weit über die (Bio-)Medizin ihren Beitrag, auch die Sozial- und Geisteswissenschaften, die Ingenieurwissenschaften und die Interdisziplinarität sind wichtig für den gemeinsamen Erfolg.

Die gesamte Forschungslandschaft Schweiz schliesslich liefert im Kontext von Covid-19 wissenschaftliche Erkenntnisse und nutzt Synergien, beispielsweise zur Forschung und Entwicklung für Diagnostika, Behandlungen und Impfstoffe auch auf internationaler Ebene. Die hier zum Teil seit Jahrzehnten gepflegten individuellen und institutionellen Partnerschaften sind beste Grundlage für gemeinsame Bemühungen zur Bekämpfung einer weltweiten Krise.

In der Summe zeigt uns die aktuell turbulente Zeit, dass das Bildungs-, Forschungs- und Innovationssystem der Schweiz gut aufgestellt ist und sich unter verschiedensten Konstellationen bewährt. Es hat sich gelohnt, dass wir in der Vergangenheit auf bewährte Prinzipien und namentlich auf das Vertrauen in die Akteure gesetzt haben. Ebenso profitieren wir davon, dass der BFI-Bereich sich dank einer soliden und stabilen Grundfinanzierung stetig weiterentwickeln konnte. Halten wir deshalb, gerade jetzt, weiter an diesem erfolgsversprechenden Kurs fest.

Martina Hirayama
Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation

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