Berufsbildung

Verbundpartner spannen ihre Kräfte zusammen

Die Corona-Krise darf nicht zu einer Schwächung der Berufsbildung führen. Dafür setzen sich die Verbundpartner der Berufsbildung – Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt – mit vereinten Kräften ein. Dazu haben sie im März 2020 unter Federführung des Steuergremiums «Berufsbildung 2030» eine Projektorganisation eingerichtet und Arbeitsgruppen einberufen. Innert kurzer Zeit konnte so zum Beispiel geklärt werden, wie die Lehrabschlussprüfungen 2020 und die kantonalen Berufsmaturitätsprüfungen unter den herrschenden besonderen Bedingungen durchgeführt werden können. Die Verbundpartnerschaft kommt auch bei der von Bundesrat Guy Parmelin lancierten «Task Force Perspektive Berufslehre 2020» vollumfänglich zum Zuge.

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Auch 2020 haben die Absolventinnen und Absolventen einer beruflichen Grundbildung die Gewissheit, dass sie einen vollwertigen und auf dem Arbeitsmarkt anerkannten Berufsabschluss erreichen können. Bild: Iris Krebs

Rund 75'000 Jugendliche schliessen im Sommer 2020 ihre berufliche Grundbildung ab. Unter Federführung des Steuergremiums «Berufsbildung 2030» (SBFI, Schweiz. Berufsbildungsämter-Konferenz, Schweiz. Arbeitgeberverband, Schweiz. Gewerbeverband, Schweiz. Gewerkschaftsbund und Travail.Suisse) hat eine Arbeitsgruppe einen Lösungsvorschlag für die Durchführung der Qualifikationsverfahren 2020 erarbeitet, die dazugehörigen Dokumente erstellt und die Prozesse definiert. Auf dieser Grundlage konnte der Bundesrat am 16. April 2020 die entsprechende Verordnung in Kraft setzen. Berufslernende werden demnach trotz Corona-Virus wie in den Vorjahren ihren Lehrabschluss mit einem eidg. Fähigkeitszeugnis bzw. einem eidg. Berufsattest realisieren können.

Eine Lösung konnte auch für die Berufsmaturität gefunden werden: Der Bundesrat hat nach Konsultation der Verbundpartner der Berufsbildung und der Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen swissuniversities am 29. April 2020 beschlossen, dass die Berufsmaturität 2020 ganz auf Erfahrungsnoten basierend erworben werden kann.

Positive Zwischenbilanz

Zwischenzeitlich haben innert kürzester Frist alle Trägerschaften in einem beachtenswerten Effort die Einstufung ihrer beruflichen Grundbildungen auf drei mögliche Varianten der Prüfung der praktischen Ausbildung vorgenommen. Diese Einstufungen wurden von der Kommission Qualifikationsverfahren der Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz beurteilt und dem SBFI zur Genehmigung eingereicht. Das Resultat bestätigt den hohen Stellenwert der Praxis in der Berufsbildung:

  • In 75 beruflichen Grundbildungen erfolgt die Durchführung einer individuellen praktischen Arbeit oder einer vorgegebenen praktischen Arbeit im Lehrbetrieb (Variante 1).
  • In 110 beruflichen Grundbildungen wird die vorgegebene praktische Arbeit zentral durchgeführt (Variante 2).
  • In 9 beruflichen Grundbildungen kommt es zu einer Durchführung von Variante 1 und 2, wie dies gemäss den entsprechenden Bildungsverordnungen vorgesehen ist.
  • In 39 beruflichen Grundbildungen erfolgt die Beurteilung der praktischen Ausbildung durch die Lehrbetriebe (Variante 3). Darunter finden sich zahlenmässig grosse berufliche Grundbildungen wie beispielsweise Berufe im Gesundheitswesen und in der Betreuung sowie die kaufmännische Grundbildung und der Detailhandel.
  • In 11 beruflichen Grundbildungen werden 2020 keine Qualifikationsverfahren durchgeführt. Es handelt sich insbesondere um Berufe, die aktuell keine Lehrverhältnisse haben, die im Ausland ausgebildet werden oder dieses Jahr keine Lernende für die Anmeldung an die Abschlussprüfungen haben.

Planmässige Durchführung

Bis am 27. April hatten die Kantone Gelegenheit, gegen die Einstufungsentscheide des SBFI aus epidemiologischen Gründen Einsprache zu erheben. Gesamthaft betrachtet, kommt bei den rund 240 eingestuften beruflichen Grundbildungen bei über 90 Prozent der Lehrabschlussprüfungen die von den Trägerschaften gewählte Variante zum Zuge. Das SBFI hat Einsprachen von gewissen Kantonen mit Rücksicht auf die Gegebenheiten vor Ort grösstenteils gutgeheissen. Gemäss Verordnung des Bundesrats erfolgt in diesen Kantonen automatisch die Beurteilung der praktischen Ausbildung durch die Lehrbetriebe (Variante 3).

Nachdem nun klar ist, wie die Qualifikationsverfahren in den einzelnen beruflichen Grundbildungen 2020 erfolgen, leiten nun die kantonalen Berufsbildungsämter die Durchführung in die Wege. Die betroffenen Lernenden sowie Lehrbetriebe werden von ihrem kantonalen Amt direkt informiert.

Weitere Informationen

https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/dienstleistungen/publikationen/publikationsdatenbank/s-n-2020-3/s-n-2020-3c.html