Editorial

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser

Laut Bundesamt für Statistik wendete der Bund im Jahr 2019 nahezu 2,6 Mia. CHF für die Umsetzung und Unterstützung von Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) auf. Im Vergleich zu 2017, letztes Beobachtungsjahr, ist dieser Wert um 279 Mio. CHF beziehungsweise um +12% gestiegen. Dabei weist das BFS aus, dass der Bund mit etwa der Hälfte dieser Mittel die Schweizer Hochschulen in ihren F&E-Aktivitäten indirekt über den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung SNF (gut 1 Mia. CHF) oder direkt (knapp 220 Mio. CHF) unterstützte. Weitere 850 Mio. CHF dienten der Finanzierung von Aktivitäten der Schweizer Akteure innerhalb internationaler Organisationen oder Programme.

Inwiefern diese Mittel Wirkung erzielen, darüber berichten unter anderem international vergleichende Messungen und Statistiken: Hochschul-Rankings, Studien zur Intensität des wissenschaftlichen Publizierens und zum Impact von Scientific Papers, Studien über die Innovationskraft, zu Patentaktivitäten und zu vielem anderem mehr – ob hier oder da, die Platzierung des Hochschul- und Forschungsplatzes Schweiz lässt sich mehr als bloss zeigen.

Die von verschiedenen Bundesstellen angesichts der «Ausserordentlichen Lage» gemäss Epidemiengesetz mandatierte «Swiss National COVID-19 Science Task Force» ist ein anderer Indikator für den Nutzen stetiger Investitionen in die Akteure im weiten Feld der F&E. Forschung an sich ist ja ein unwägbares Geschäft, es braucht sehr oft viel Zeit für nutzbare wissenschaftliche Ergebnisse. Vor diesem Hintergrund wäre es fatal gewesen, hätte die Schweiz im Frühling 2020 zuerst auch noch strukturelle Hausaufgaben machen müssen und hätte sie sich bei der Mandatierung der «Science Task Force» nicht zeitnah auf die mit Bundesmitteln langfristig (mit)finanzierten Organisationen ETH-Rat, swissuniversities, Schweizerischer Nationalfonds, und Akademien der Wissenschaften Schweiz abstützen können.

Was die auf bestehenden Strukturen und Netzwerken gründende «Science Task Force» unter der bisherigen Leitung von Prof. Matthias Egger, Präsident des SNF-Forschungsrats, an wissenschaftlicher Expertise für politische Entscheidungsfindungen beigesteuert hat, ist bemerkenswert und verdient unseren grossen Dank. Und dass nun das BAG sich auch in der «Besonderen Lage» weiterhin auf die unabhängige wissenschaftliche Expertise aus der Hochschul- und Forschungslandschaft abstützen will und die «Science Task Force» neu unter der Leitung von Prof. Martin Ackermann (ETH Zürich / Eawag) mit einem überarbeiteten Mandat ausgestattet hat, das zeigt die Wertschätzung des Bundes für die F&E-Akteure vom Boden- bis zum Genfersee und vom Rheinknie bis ins Tessin. Von der Gesellschaft finanziert, stellen sie sich in den Dienst der Gesellschaft.

Martina Hirayama
Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation

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