Fokus: 20 Jahre swissnex

Vom Experiment zum etablierten Netzwerk

Das swissnex Netzwerk verbindet die Schweiz mit der Welt in Sachen Bildung, Forschung und Innovation. Es fördert den globalen Austausch von Wissen, Ideen und Talenten und stärkt die Ausstrahlung der Schweiz als exzellenten Forschungs- und Innovationsplatz. 2020 feiert swissnex sein 20-jähriges Bestehen. Ein guter Grund, einen Blick zurück und in die Zukunft zu werfen.

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Das Gebäude des ersten swissnex-Standorts in Boston. Oben vor dem Umbau, unten nachher. Bilder: zVg

swissnex wird dieses Jahr 20 Jahre alt, doch die Geschichte dahinter ist um einiges älter und reicht bis ins Jahr 1958 zurück. Damals wurde auf Initiative des Schweizer Botschafters in Washington der erste Wissenschaftsattaché angestellt. Die USA waren zu jener Zeit ein Vorbild in Sachen Forschungsförderung und neue Technologien. Inmitten des kalten Krieges waren zudem Informationen zur Nuklearforschung für die Schweiz von besonderem Wert. So gehörte es zu den Hauptaufgaben des Wissenschaftsattachés, über die technologischen Entwicklungen sowie die wissenschaftliche Nachwuchsförderung nach Hause zu berichten. Auch die Kontaktpflege war ein wichtiges Anliegen: Er sollte – im Hinblick auf eine mögliche Rückkehr in die Schweiz – den Austausch mit Schweizer Forschenden vor Ort pflegen.

Eröffnung von swissnex Boston
Nach den positiven Erfahrungen in Washington wurden 1969 auch in Moskau und Tokyo Posten für Wissenschaftsräte geschaffen. In den 1990er-Jahren wurde der Bundesrat vom Ständerat beauftragt, das Netz weiter auszubauen. Vor diesem Hintergrund entwickelten zwei Wissenschaftsräte in den USA eine neuartige Plattform, um den offenen Wissensaustausch zu fördern sowie Forschende und Unternehmer aus der Schweiz und den USA zusammenzubringen. Ziel war es, ein offenes und modernes Bild des Wissens- und Innovationsstandortes Schweiz zu vermitteln.

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Dank einer Public-Private Partnership konnte im Oktober 2000 in Boston der erste swissnex-Standort – sozusagen als «Spin-off» der Wissenschaftssektion der Botschaft in Washington – unter dem damaligen Namen «Share: Swiss House for Advanced Research and Education» eröffnet werden. Es war das erste Schweizer «Wissenschaftskonsulat» überhaupt und wohl weltweit das erste in dieser Form. Damit war der Grundstein für das swissnex Netzwerk gelegt, das heute fünf swissnex-Standorte und rund 20 Wissenschaftsrätinnen und Wissenschaftsräte in Schweizer Botschaften rund um den Globus zählt.

Brücken zwischen BFI-Akteuren bauen
In seinen Anfängen war swissnex ein Experiment mit Start-up-Charakter. In der Zwischenzeit hat sich das Netzwerk etabliert und seine Grundprinzipien haben sich bewährt. Von Anfang an gründete swissnex auf der Überzeugung, dass im Zeitalter der globalen Vernetzung und offener Innovationsprozesse die Schweiz in den führenden Wissens- und Technologiezentren der Welt präsent sein sollte, um Brücken zur nationalen Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft aufzubauen. So wird die Schweiz als nachgefragter Standort für die Bereiche Bildung, Forschung und Innovation positioniert.

Bis heute verbinden die swissnex-Standorte die BFI-Akteure im jeweiligen Land mit jenen in der Schweiz und bringen so Menschen zusammen, deren Wege sich ohne swissnex nicht kreuzen würden. Diese «Zufallsbegegnungen», die swissnex ermöglicht, werden sehr geschätzt und sind wichtig für die jeweiligen Projektpartner. Zum andern profitieren Schweizer Akteure von der Globalisierung des BFI-Raums, indem der Austausch von Wissen sowie die Mobilität von Talenten gefördert werden. 2019 wurden über 180 Schweizer Akteure durch das swissnex Netzwerk unterstützt, zum Beispiel beim Innovation Camp für innovationsgetriebene Unternehmen in San Francisco oder mit einer Serie von Workshops an verschiedenen swissnex-Standorten und Botschaften zum Thema «inklusive Zukunft mithilfe von künstlicher Intelligenz».

What’s nex(t)?
Im Sinne einer stetigen Weiterentwicklung hat swissnex in den vergangenen Jahren mit neuen Formaten experimentiert. An der Weltausstellung 2017 in Astana hatte das swissnex mobile einen gemeinsamen Auftritt mit Präsenz Schweiz. Die Idee dahinter war, nicht mehr ausschliesslich an fixen Standorten präsent zu sein, sondern die Dienstleistungen von swissnex auch im Zusammenhang mit Grossanlässen anbieten zu können. Bei den swissnex-Standorten selber ist ebenfalls Bewegung angesagt – sie haben ihre Aktivitäten in anderen Städten intensiviert. Beispielsweise hat swissnex China sich mit Programmen wie die FinTech Venture Leaders in Shenzhen und Hongkong engagiert, swissnex Brasilien hat in São Paulo eine Reihe von Innosuisse-Start-ups beherbergt und swissnex Boston hat mit seinem Aussenposten in New York diverse Anlässe organisiert.

Das swissnex Netzwerk nimmt das diesjährige Jubiläum als Anlass, um über die Zukunft nachzudenken: Wie positioniert sich der BFI-Standort Schweiz der Welt in den nächsten 20 Jahren? Welche Aufgaben wird swissnex im Jahr 2040 haben und wie wird es den sich verändernden Bedürfnissen seiner Partner gerecht? Unter dem Motto «nex20 – connecting tomorrow» finden verschiedene Jubiläumsaktivitäten statt, um gemeinsam zukunftsgerichtete Storys und visionäre Gedanken zu entwickeln. Denn eines ist sicher: Die Geschichte von swissnex soll mindestens genau so weit in die Zukunft reichen wie in die Vergangenheit.

«Die einzige Konstante bei swissnex ist die Veränderung»
Christian Simm kennt das swissnex Netzwerk so gut wie kaum ein anderer: 1997 ging er als Wissenschafts- und Technologierat nach Kalifornien und gründete 2003 swissnex San Francisco. 2017 übernahm er die Leitung von swissnex Boston, die er im Sommer 2020 an Benjamin Bollmann übergab. Während mehr als zwei Jahrzehnten trug Christian Simm massgeblich zur Gestaltung und Weiterentwicklung des swissnex Netzwerks bei.

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Mehr als 20 Jahre war Christian Simm in den USA im Dienste des Schweizer Aussennetzes für Bildung, Forschung und Innovation tätig.
Bild: swissnex Boston

Sie waren von Anfang an bei swissnex dabei. Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an die letzten 20 Jahre zurückdenken?
Christian Simm: Historisch gesehen sind 20 Jahre nichts, aber in dieser Zeit ist so viel passiert!
Die breite Verwendung des Internets begann in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre. Damals herrschte eine fröhlich-optimistische Stimmung angesichts der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, eine bessere Welt zu schaffen: dank Zugang zu Informationen, Vernetzung, Transparenz, Schnelligkeit, um nur einige Beispiele zu nennen. Damals sprach noch niemand von Start-ups und Risikokapital, von künstlicher Intelligenz, Interaktionen zwischen Kunst und Wissenschaft in so vielfältiger Ausgestaltung, von personalisierter Medizin und Elektromobilität. Das sogenannte «intelligente» Telefon und seine unzähligen Apps waren noch nicht erfunden. So viel ist passiert und hat sich verändert, oft zum Guten, manchmal auch zum Schlechten.

Welches waren besondere Ereignisse für swissnex?
Schon der Start von swissnex war eine Herausforderung: Es musste erst alles erfunden, alles aufgebaut werden. Es gab weder ein Konzept noch eine Anleitung. Letztere entwickelt sich im Übrigen immer noch kontinuierlich weiter. Flexibilität und Agilität sind konstant gefordert, denn die einzige Konstante bei swissnex ist die Veränderung, um möglichst nahe am Puls der Welt zu bleiben.

Ohne Grosszügigkeit gäbe es das swissnex Netzwerk nicht. Zunächst die Grosszügigkeit all jener, die unsere Vision geteilt haben, die eine neue Initiative, die sich erst noch bewähren musste, auch finanziell getragen haben und die eher dem Credo «Warum nicht?» statt «Warum?» folgen. Dann die Grosszügigkeit von Hunderten Kolleginnen und Kollegen, Praktikantinnen und Praktikanten, Referentinnen und Referenten sowie der Bevölkerung und anderen Beteiligten vor Ort, die ihre Kompetenzen und ihre Leidenschaft tagtäglich in den Dienst von swissnex stellen. Und letztlich die Grosszügigkeit von Tausenden Zuhörerinnen und Zuhörern, Zuschauerinnen und Zuschauern, Besucherinnen und Besuchern, Gastgeberinnen und Gastgebern wie auch geladenen Gästen, deren aktive Beteiligung unserem Slogan «Connecting the Dots» erst eine Bedeutung gibt.

Wie hat sich das swissnex Netzwerk in dieser Zeit entwickelt?
Mithilfe renommierter und ehrenamtlicher Fachleute hatte ich für die damals in San Francisco gegründete Organisation den Namen «swissnex» («nex» wie in «nexus» als Symbol für Verbindungen und Begegnungen oder wie in «next» im Sinne von Öffnung), den entsprechenden visuellen Auftritt und den Slogan «Connecting the Dots» entwickelt.

Seither haben sich die Marke und der Geist, für den sie steht, weiterverbreitet. Zunächst in geografischer Hinsicht auf fünf Standorte, dann auf ein erweitertes Netzwerk aus rund 20 Wissenschaftsrätinnen und -räten weltweit. Danach fand eine thematische Ausweitung statt: Die swissnex sind zu einem Symbol für neue Interaktionsformen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Gesellschaft und internationalen Beziehungen geworden. Zahlreiche Länder sehen swissnex heute denn auch als Vorbild für «Science Diplomacy» und «Public Diplomacy».

Was kann swissnex besonders gut?
Die swissnex-Standorte wurden als «neutrale» Orte konzipiert – ein Begriff, der natürlich gut zur Schweiz passt, obschon er hier nicht im politischen Sinne zu verstehen ist. Die Neutralität von swissnex bezieht sich auf das intellektuelle Experimentieren und die Vermischung verschiedener Bereiche, was zu einer grossen gegenseitigen Bereicherung führt. Es geht aber auch um die «Engineered Serendipity», um die Schaffung dieser ganz besonderen Voraussetzungen, in denen unvorhergesehene oder gar unwahrscheinliche Begegnungen möglich werden, die zu Wissensaustausch führen und aus denen häufig neue internationale Projekte entstehen.

Von ihrem oft weit entfernten Aussenposten aus und dank der Zusammenarbeit mit der Vielfalt an Akteuren aus den Bereichen Bildung, Forschung, Innovation und kreatives Schaffen in der Schweiz sind die swissnex zudem ideal positioniert, um Interdisziplinarität und Transversalität untereinander zu fördern.

Was wünschen Sie dem Netzwerk für die nächsten 20 Jahre?
swissnex wurde von weitsichtigen Personen ins Leben gerufen und unterstützt, die von der Macht der Ideen überzeugt und bereit waren, ein grosszügiges Projekt zu lancieren, für das noch kein «Proof of Concept» vorlag. Ich wünsche der Schweiz, und damit auch swissnex, dass sie diesen Mut, diese Ursprünglichkeit und diesen Pioniergeist bewahren. Und meinen Kolleginnen und Kollegen des Netzwerks und all jenen, mit denen sie zu tun haben, möchte ich diese vier Worte von Steve Jobs mitgeben: «Stay hungry, stay foolish!»

Weitere Informationen

Malin Borg Soares, SBFI
Leiterin Ressort swissnex Netzwerk

www.swissnex.org

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