Weiterbildung für Berufsbildnerinnen und Berufsbildner

Mit «Berufsbildung 2030» sorgen Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt für die gezielte Weiterentwicklung der Berufsbildung. Im Rahmen dieser Initiative haben Akteure der Berufsbildung seit Ende 2018 insgesamt 28 Projekte lanciert; im laufenden Jahr waren es bis jetzt zwei. Eines davon ist das Projekt von Top-Ausbildungsbetrieb, das den Fokus auf die betriebliche Ausbildungskompetenz legt.

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Bei der Ausbildung der Fachkräfte von morgen spielen die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner eine Schlüsselrolle. Auf dieser Erkenntnis baut das Projekt «Stärkung der betrieblichen Ausbildungskompetenz» auf. Es hat zum Ziel, ein branchenübergreifendes Weiterbildungssystem für Personen zu entwickeln, die sich in der Ausbildung von Lernenden engagieren. Der obligatorische Berufsbildnerkurs bildet die Grundlage. Das erworbene Wissen und die Fähigkeiten im Umgang mit Lernenden sollen jedoch in freiwilligen Kursen erweitert und vertieft werden.

Inputs für den Ausbildungsalltag
Gemäss einer Studie des Eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufsbildung EHB waren die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner bis anhin kaum Gegenstand der Forschung. Dies obwohl sie nachweislich eine zentrale Rolle für die Motivation der Lernenden und für die Nachhaltigkeit der Ausbildung spielen. Die Verantwortlichen von Top-Ausbildungsbetrieb TAB wollen dies ändern: Den Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern soll in den Weiterbildungskursen ein Methodenrucksack mitgegeben werden, mit dem sie den Ausbildungsalltag attraktiv gestalten können und lernen, auf die Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen. Weitere Hilfsmittel unterstützen sie dabei, sich selber in der eigenen Rolle als Ausbildungsperson zu reflektieren.

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Die gezielte Weiterbildung soll Berufsbildnerinnen und Berufsbildern helfen, den Ausbildungsalltag attraktiv und mit Herzblut zu gestalten. Foto: zVg

Ausbau des Angebots
Der Carrosserieverband hat das Weiterbildungssystem TAB ab 2011 erarbeitet und setzt es seit 2014 um. Im Jahr 2017 hat TAB den Enterprize gewonnen. Damit werden Projekte und Persönlichkeiten in der Berufsbildung ausgezeichnet, die einen grossen Nutzen für die Gesellschaft stiften. Danach wurde TAB für weitere Verbände geöffnet; heute bilden carrosserie suisse, JardinSuisse, der Schweizerische Maler- und Gipserunternehmer-Verband sowie HotellerieSuisse die Trägerschaft. Ziel ist es, das Angebot weiter auszubauen und ein branchenübergreifendes Weiterbildungssystem mit Kursen in der ganzen Schweiz zu verankern. Dazu wurde das Projekt «Stärkung der betrieblichen Ausbildungskompetenz» im Sommer 2020 im Rahmen von «Berufsbildung 2030» aufgenommen und vom SBFI über die Projektförderung finanziell unterstützt.

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Thomas Rentsch ist Leiter der Abteilung Berufsbildung bei carrosserie suisse. Er hat TAB aufgebaut und ist treibende Kraft bei der Weiterentwicklung. Foto: zVg

«Die betriebliche Bildung ist das Herz der Berufsbildung»

Der Schweizer Carrosserieverband hat Top-Ausbildungsbetrieb im Jahr 2011 gestartet. Was war die Idee dahinter?
Die Mitglieder unseres Verbands bezeugten damals zunehmend Mühe bei der Rekrutierung von geeigneten Lernenden sowie bei der Begleitung der jungen Menschen. Es kam immer wieder zu Lehrabbrüchen. So kam ich auf die Idee, ein Unterstützungssystem für die Ausbildenden aufzubauen. Denn im Vergleich mit jenem eines Lehrers ist der pädagogisch-methodische Rucksack von Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern wesentlich kleiner. Das wollte ich mit freiwilligen Weiterbildungskursen und Coachings ändern. Ich persönlich bin überzeugt, dass dies nachhaltig zum Gelingen der Ausbildung beiträgt.

Nun ist TAB ein Projekt von «Berufsbildung 2030».
Welche Ziele wollen Sie erreichen?

Das System ist bei carrosserie suisse gestartet und erprobt worden. Es hat sich gezeigt, dass die Handwerker sich zuerst mit dem Gedanken vertraut machen mussten, sich nicht in der vertrauten Materie, sondern in der Ausbildungsthematik weiterzubilden. Nach Überwinden der ersten Hemmschwelle zeigten unsere Berufsleute viel Offenheit und Dankbarkeit. Sie erzählten Kollegen anderer Branchen davon, und wir erhielten Anfragen, ob nicht auch Betriebe anderer Berufe unser Angebot nutzen könnten. Mit dem Gewinn des Enterprize haben wir uns entschlossen, unser System zu öffnen. Entsprechend werden wir aktiv den Kontakt zu anderen Verbänden und Betrieben suchen und wir hoffen dabei auf viele offene Türen.

Welches sind die erhofften Outputs?
Wir sind uns bewusst, dass auch übergreifende Kompetenzen nicht bei jedem Zielpublikum in allen Facetten gleich sind und vor allem nicht gleich vermittelt werden können. Das Handwerk tickt beispielsweise anders als die Sozialberufe. Entsprechend wollen wir die Berufsfelder auf diese Nuancen hin analysieren und unser Angebot so gestalten, dass die Teilnehmenden aller dualen Berufe in den Kursen und Hilfsmitteln ihre eigene Realität wiedererkennen und merken, dass wir sehr praxisnahe Unterstützung bieten.

Sie engagieren sich mit viel Herzblut für dieses Projekt. Weshalb?
Die betriebliche Bildung ist das Herz der Berufsbildung. Wir müssen dafür sorgen, dass viel Herzblut in die Ausbildung gesteckt wird. Viele Ausbildnerinnen und Ausbildner fühlen sich allein gelassen mit den hohen Ansprüchen, welche die Lernenden und die Betriebe an sie stellen. Sie verdienen Unterstützung. Schliesslich sind sie die entscheidenden Personen für die berufliche Sozialisierung der Jugendlichen und somit für die Sicherstellung unserer Fachkräfte der Zukunft!

Warum ist es wichtig, die Berufsbildung in der Schweiz weiterzuentwickeln?
Unser Berufsbildungssystem ist das beste der Welt. Aber es entstand zu einer Zeit, als der Autoritätsglaube in der Gesellschaft sehr stark verankert war. Heute sind in allen Bereichen des Lebens Begriffe wie Selbstverwirklichung und Attraktivität im Zentrum jedes Handelns. Auch die betriebliche Bildung funktioniert heute nicht mehr mit Druck und Zwang, sondern durch das Erkennen von Sinn, durch das Schaffen von Identifikation und durch Vorbilder, die überzeugen. Wenn wir den Rollenwandel vom Lehrmeister zum Lernbegleiter schaffen, ist unsere Berufsbildung topaktuell, zielführend und attraktiv. So erhalten wir ein gesundes Verhältnis zwischen akademischen und dualen Bildungskarrieren. Denn der Markt braucht beides.

Weitere Informationen

Sina Schlumpf, SBFI
Projektverantwortliche Ressort Berufsbildungspolitik

www.berufsbildung2030.ch

https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/dienstleistungen/publikationen/publikationsdatenbank/s-n-2020-5/s-n-2020-5c.html