Nationales Forschungsprogramm 69 zu Ernährung und Lebensmittelproduktion erfolgreich abgeschlossen

Seit Juni 2020 liegt der Ergebnisbericht zum Nationalen Forschungsprogramm 69 «Gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion» vor. Das interdisziplinäre Programm liefert eine Reihe praxisnaher Empfehlungen, um das Schweizer Ernährungssystem in Richtung nachhaltige und gesunde Ernährung umzubauen.

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Die Ernährung ist in den letzten Jahren zu einem wichtigen Handlungsfeld der Umwelt- und Klima-, aber auch der Gesundheitspolitik geworden. Dies einerseits, weil die Art und Weise, wie wir uns ernähren, unseren ökologischen Fussabdruck massgeblich prägt. Andererseits ist die Erkenntnis gewachsen, dass die Ernährung einen Hebel für die öffentliche Gesundheit darstellt. Das globale Ernährungssystem sieht sich indessen mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert: Umweltprobleme wie der Verlust von Biodiversität und der Klimawandel beeinflussen die Produktion von Nahrungsmitteln. Gleichzeitig hat das Ernährungssystem selbst auch Auswirkungen auf die Umwelt. Zudem wächst die Weltbevölkerung stark an, was zu einer steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln führt.

Grosse Bandbreite an Forschungsthemen
Um diese Herausforderungen besser zu verstehen, hat der Bundesrat im Jahr 2011 den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) beauftragt, das Nationale Forschungsprogramm «Gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion» (NFP 69) durchzuführen. Im Rahmen dieses Programms förderte der SNF 26 Projekte mit gesamthaft 13 Mio. CHF. Das Forschungsprogramm sollte Wissensgrundlagen bereitstellen, die der Entwicklung einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktionskette und der Förderung einer gesunden Ernährung dienlich sind. Die Ergebnisse sollten ausserdem einen Beitrag zu laufenden und anstehenden Reformprozessen des Schweizer Agrar- und Ernährungssektors leisten. Das NFP 69 wurde in Kooperation mit Innosuisse und in Zusammenarbeit mit der europäischen Joint Programming Initiative «A Healthy Diet for a Healthy Life» durchgeführt.

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Ein Output des NFP 69: Mit diesem Online-Tool können Konsumentinnen und Konsumenten herausfinden, wie sich verschiedene Anpassungen der Ernährung auf ihre Gesundheit sowie die Umwelt auswirken können.
www.healthyandsustainable.ch

Von 2013 bis 2019 führten die Forschenden ihre Projekte durch. Im Sommer dieses Jahres ist das NFP 69 mit dem Ergebnisbericht, der die Erkenntnisse aus den einzelnen Projekten aufnimmt und Empfehlungen an Politik und Gesellschaft abgibt, abgeschlossen worden. Bereits an der disziplinären und thematischen Vielfalt der einzelnen Projekte zeigt sich die Komplexität des Ernährungssystems. So fanden im Rahmen des NFP Studien zum Salzkonsum oder zu Mangelerkrankungen von Menschen in der Schweiz genauso statt wie Modellierungsstudien, die die Umweltauswirkungen der Nahrungsmittelproduktion in der Schweiz abschätzen. Insgesamt sind die Forschungsgruppen 78 nationale und internationale Kooperationen eingegangen (Methodenaustausch, Infrastruktur, Publikationen etc.).

Entwicklung einer Ernährungsstrategie als Hauptmassnahme
Aufgrund dieser Komplexität lautet die übergeordnete Empfehlung des NFP, eine Schweizer Ernährungsstrategie auszuarbeiten. Diese Strategie soll sicherstellen, dass die Schweizer Bevölkerung mit ausreichend gesunden und nachhaltig produzierten Lebensmitteln versorgt werden kann. Hierfür müssen die sektoriellen Politiken in einer übergeordneten Strategie zusammengefasst und abgestimmt werden, um Zielkonflikte zwischen den betroffenen Politikbereichen zu vermeiden. Die Ausarbeitung dieser Strategie soll von einem Beirat begleitet werden, in welchem Produzenten und Industrie, Detailhandel, Fachleute für öffentliche Gesundheit sowie Konsumentinnen und Konsumenten vertreten sind.

Bei der Erarbeitung dieser Strategie können Erkenntnisse aus den einzelnen Projekten des NFP wichtige Anstösse liefern. So schlägt der Ergebnisbericht etwa vor, Konsumentinnen und Konsumenten stärker in Entscheide einzubeziehen. Weiter soll die Lebensmittelverschwendung («Food Waste»; zu dieser Thematik gibt es verschiedene parlamentarische Vorstösse) durch einen entsprechenden Nationalen Aktionsplan bis 2030 um die Hälfte reduziert werden. Dies ist wichtig, denn in der Schweiz geht ungefähr ein Drittel der produzierten Nahrungsmittel verloren.

Beiträge aus verschiedensten Disziplinen
Schliesslich bringen die Projekte auch Empfehlungen vor, die gleichzeitig eine nachhaltigere und gesunde Ernährung ermöglichen. Hierzu zählen beispielsweise Massnahmen, um den Zucker- und den Fleischkonsum zu reduzieren. Die Umstellungen dienen nicht nur der Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten, sondern sie führen auch zu geringeren Umweltbelastungen in der Nahrungsmittelproduktion. Sie verlangen aber auch Anpassungen in der Landwirtschaftsproduktion. Das NFP hat zur Vermittlung der Forschungsergebnisse unter anderem eine Informationsplattform mit einem Online-Tool erarbeitet, mit dem Konsumentinnen und Konsumenten ausprobieren können, wie sich verschiedene Anpassungen der Ernährung auf die Gesundheit und die Umwelt auswirken könnten.

Das abgeschlossene NPF 69 kann angesichts der praxisnahen Handlungsempfehlungen als Erfolg gewertet werden. Die sehr unterschiedlichen Forschungsprojekte aus verschiedensten Disziplinen konnten wichtige Beiträge zu den übergeordneten Fragen einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion und einer gesunden Ernährung liefern. Hierbei zeigt sich, wie wichtig inter- und transdisziplinäre Ansätze zur Erforschung gesellschaftlich relevanter Themen sind. Diese Einsicht ist nicht nur für künftige Forschung zur Ernährung, sondern für eine Reihe anderer, komplexer gesellschaftlicher Herausforderungen wichtig.

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