Wissenschaftliche Publikationen in der Schweiz: Analyse nach institutionellen Sektoren

Die Beurteilung der Qualität der Forschung eines Landes ist keine absolut genaue Wissenschaft. Die Qualität kann aber bewertet werden, indem etwa der Anteil am internationalen Publikationsaufkommen, der Impact der Publikationen oder die meistzitierten Publikationen gemessen werden. So ist es möglich, die Länder untereinander zu vergleichen, die Entwicklung ihrer wissenschaftlichen Publikationen zu beschreiben und Erkenntnisse über die Stärken und Schwächen ihrer wissenschaftlichen Forschung zu gewinnen. Das SBFI betreibt deshalb mit der Serie «Bibliometrische Untersuchung zur Forschung in der Schweiz» ein regelmässiges Monitoring.

Leistungen der Schweiz beim wissenschaftlichen Publikationsaufkommen, 2014−2018
Indikatoren Ergebnis
der Schweiz
Weltweiter
Platz
Weltweiter Anteil am
Publikationsaufkommen
   
Total 1,1% 20
Top-10% 1,6% 13
Publikationen pro Million
Einwohner/innen
   
Total 7056 1
Top-10% 1063 1
Globaler Impact der Publikationen
(nach Anzahl Zitierungen gemessen)
125 3

Quelle: Clarivate Analytics (SCIE/SSCIE/A&HCI/ESCI),
Bearbeitung SBFI © SBFI 2020

Die aktuelle Untersuchung der bibliometrischen Indikatoren für die Jahre 2014−2018 zeigt, dass die Schweizer Forschung sehr gut abschneidet: Beim weltweiten Anteil am Publikationsaufkommen liegt sie auf dem 20. Rang; werden die Publikationen aber im Verhältnis zur Einwohnerzahl betrachtet, belegt sie mit über 7000 Publikationen pro Million Einwohnerinnen und Einwohner sogar den ersten Platz. Ebenfalls zuvorderst steht die Schweiz bei den meist zitierten Publikationen (Top-10%-Publikationen), und beim Impact ihrer Publikationen erreicht sie den beachtlichen 3. Rang.

Institutionelle Sektoren

Die hervorragende Leistung der Schweiz ist nicht nur auf die Qualität der Forschung an den Hochschulen zurückzuführen, sondern auch auf die guten Forschungsleistungen der Forschungsinstitute, privater Unternehmen und der hierzulande ansässigen internationalen Organisationen. Die Akteure der Schweizer Forschung lassen sich in vier institutionelle Sektoren unterteilen:

  • Hochschulen: kantonale Universitäten, Eidgenössische Technische Hochschulen, Fachhochschulen, private Hochschulen sowie Universitätsspitäler
  • Privatunternehmen: private Unternehmen, private Kliniken und Spitäler
  • Forschungsinstitute: Forschungsanstalten des ETH-Bereichs, kantonale Laboratorien, Forschungsinstitute des Bundes, Stiftungen sowie alle öffentlichen nicht-universitären Spitäler
  • Internationale Organisationen wie das CERN, die Weltgesundheitsorganisation WHO, das Ludwig Institute for Cancer Research usw.

Die Hochschulen publizieren mit einem Anteil von 71% am meisten wissenschaftliche Publikationen, erst weit dahinter kommen die Forschungsinstitutionen (14,8%), die Privatunternehmen (8,6%) und die internationalen Organisationen (5,6%).

Publikationen_d
Verteilung der Publikationen der Schweiz nach institutionellen Sektoren, 2014−2018
Quelle: Clarivate Analytics (SCIE/SSCIE/A&HCI/ESCI), Bearbeitung SBFI © SBFI 2020

Profile der institutionellen Sektoren

Die Publikationsprofile der institutionellen Sektoren nach Forschungsbereichen sind sehr unterschiedlich. Vergleicht man das Profil jedes Sektors mit dem Gesamtprofil der Schweiz, stellt man Folgendes fest:

  • Hochschulen: Sie sind in allen Forschungsbereichen tätig, aber besonders aktiv in den Bereichen «Life Sciences» (25% der Publikationen), «Klinische Medizin» (24%) und «Physik, Chemie und Erdwissenschaften» (23%). Da sie den grössten Teil der Publikationen der Schweiz hervorbringen, bestimmen sie das Gesamtprofil der Schweiz massgeblich.
  • Forschungsinstitute: Sie sind ebenfalls in allen Bereichen präsent, am stärksten im Bereich «Landwirtschaft, Biologie und Umweltwissenschaften». Auf diesen entfallen 18% der Publikationen, gegenüber durchschnittlich 10% für die ganze Schweiz.
  • Privatunternehmen: Sie sind sehr aktiv in den Bereichen «Life Sciences» (29%) und «Klinische Medizin» (30%). Dies unterstreicht die Stärke dieses Wirtschaftssektors, der die Bereiche Pharma, Chemie, Biologie und Gesundheit einschliesst.
    Die Privatunternehmen sind zudem leicht überdurchschnittlich aktiv im Bereich «Technische und Ingenieurwissenschaften, Informatik». Vergleichsweise wenige Produktionen verzeichnen sie hingegen im Bereich «Physik, Chemie und Erdwissenschaften».
  • Internationale Organisationen: Ihr Publikationsprofil unterscheidet sich von jenem der Gesamtschweiz im Bereich «Physik, Chemie und Erdwissenschaften» mit einem Anteil von 37% (gegenüber 23% für die Gesamtschweiz) sowie im Bereich «Sozial- und Verhaltenswissenschaften» mit 14% (gegenüber 9%).

Meist zitierte Publikationen
Manche Fachleute sind der Ansicht, dass sich die Forschungsleistung besser beurteilen lässt, wenn man sich nicht auf alle Publikationen, sondern lediglich auf die meistzitierten bezieht. Dazu werden die Publikationen nach Anzahl Zitierungen in anderen Publikationen geordnet und danach wird nur ein gewisser Anteil der Publikationen (in der Regel die obersten 1,5% oder 10%) untersucht.

Institutionelle Sektoren Anteil der Top-10%-Publikationen
an der Produktion des
institutionellen Sektors
Hochschulen 19,2%
Forschungsinstitute 17,6%
Privatunternehmen 15,9%
Internationale Organisationen 24,9%

Anteil der weltweiten Top-10%-Publikationen an der Produktion jedes institutionellen Sektors in der Schweiz, 2014−2018
Quelle: Clarivate Analytics (SCIE/SSCIE/A&HCI/ESCI),
Bearbeitung SBFI © SBFI 2020

Grafiken

Publikationsprofil der institutionellen Sektoren der Schweiz, 2014−2018
Quelle: Clarivate Analytics (SCIE/SSCIE/A&HCI/ESCI),
Bearbeitung SBFI © SBFI 2020

Werden die 10% der weltweit meist zitierten Publikationen (Top-10%) angeschaut, zeigt sich, dass 24,9% der Publikationen der internationalen Organisationen in der Schweiz dazugehören. Dies ist ein hervorragendes Resultat, das die hohe Leistung der Forschung in diesen Institutionen belegt. Alle anderen institutionellen Sektoren der Schweiz verzeichnen ebenfalls bedeutende Anteile an den Top-10%-Publikationen, die zwischen 19,2% (Hochschulen) und 15,9% (Privatunternehmen) liegen.

Internationalität der Publikationen der institutionellen Sektoren
Die Internationalität der Publikationen ist ein weiteres Kriterium dafür, ob die Forschung eines Landes von den Forschenden der übrigen Länder geschätzt wird und vor allem, ob die Forschenden des betreffenden Landes gut in die internationalen Forschungsnetzwerke integriert sind. Die Schweizer Forschung ist international ausgezeichnet vernetzt: In allen Sektoren liegen die Anteile der internationalen Partnerschaften bei mindestens 76% und reichen bis 96%.

Bei den internationalen Organisationen fällt der Anteil der Partnerschaften besonders hoch aus (96%), was angesichts der hohen Anzahl Forschenden, die ausländischen Institutionen angehören und regelmässig oder gelegentlich in diesen Organisationen mit Sitz in der Schweiz arbeiten, kaum erstaunt. Erstaunlich und erfreulich ist auch die Internationalität der Forschung von Privatunternehmen: Drei von vier Publikationen gehen aus einer internationalen Partnerschaft hervor.

Partnerschaften_d
Anteil der nationalen und internationalen Partnerschaften nach institutionellen Sektoren der Schweiz, 2014−2018
Quelle: Clarivate Analytics (SCIE/SSCIE/A&HCI/ESCI), Bearbeitung SBFI © SBFI 2020

Insgesamt zeigt sich, dass zwar die Hochschulen am meisten publizieren und deswegen das Forschungsprofil der Schweiz prägen. Aber auch die wissenschaftlichen Publikationen aus den übrigen institutionellen Sektoren erzielen gute Resultate, insbesondere was die Zitierungen und die Internationalität anbelangt. So tragen alle Akteure dazu bei, den Forschungs- und Innovationsplatz Schweiz zu stärken.

Autoren

Müfit Sabo, SBFI
Wissenschaftlicher Berater

Isabelle Maye, SBFI
Wissenschaftliche Beraterin

Weitere Informationen

www.sbfi.admin.ch/biblio_ch_d

https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/dienstleistungen/publikationen/publikationsdatenbank/s-n-2020-5/s-n-2020-5f.html