«Aufsichtsbesuche sind ein Mittel zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung»

Das SBFI ist zuständig für die Anerkennung und Aufsicht von berufspädagogischen Bildungsgängen für Berufsbildungsverantwortliche. Als Teil des Aufsichtsverfahrens, welches die Qualität der Bildungsgänge sichern soll, findet pro Bildungsinstitution in der Regel alle sechs Jahre ein Aufsichtsbesuch statt. Bernadette Dancet begleitet diese Besuche als Verantwortliche des SBFI – so beispielsweise im November 2020 an der Pädagogischen Hochschule Luzern.

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Bernadette Dancet ist beim SBFI zuständig für die Aufsicht und die Anerkennung von Bildungsgängen für Berufsbildungsverantwortliche.

Welche Institutionen und Bildungsgänge besuchen Sie im Rahmen des Aufsichtsverfahrens?
Bernadette Dancet: Ich besuche berufspädagogische Bildungsgänge für Berufsbildungsverantwortliche. Diese werden hauptsächlich an pädagogischen Hochschulen angeboten, vereinzelt auch direkt bei Berufsverbänden – wie etwa bei Swissmem. 14 Institutionen bieten mit teils verschiedenen Kooperationspartnern insgesamt 46 anerkannte Bildungsgänge an.

Weshalb braucht es diese Aufsichtsbesuche?
Berufsbildungsverantwortliche, beispielsweise Berufsbildnerinnen in einem Unternehmen, sind von zentraler Bedeutung für die Berufsbildung. Damit sie ihre Funktion wahrnehmen können, brauchen sie eine entsprechende Ausbildung. Die Qualität der Institutionen, an denen sie sich diese Ausbildung holen, spielt deshalb eine ganz wichtige Rolle und muss regelmässig geprüft werden.

Wozu dient der Besuch vor Ort?
Die Aufsichtsbesuche sind Teil eines mehrstufigen Aufsichtsverfahrens. Vor dem Besuch reicht die jeweilige Bildungsinstitution, wie kürzlich die Pädagogische Hochschule Luzern, ihr Dossier ein. Darin macht sie zum Beispiel Angaben zum Leistungsangebot, zum Lehrkörper und zum Qualifikationsverfahren. Auf dieser Grundlage definieren wir Schwerpunkte für das aktuelle Aufsichtsverfahren.

Der Aufsichtsbesuch dient dann dazu, sich vor Ort ein Bild zu verschaffen sowie Fragen zu klären. Im Anschluss an den Besuch wird ein Aufsichtsbericht verfasst. Das SBFI verabschiedet den Bericht und erneuert die Anerkennungsverfügung entsprechend. Bei allfälligen Problemen suchen wir das Gespräch, so zum Beispiel, wenn die Liste des Lehrkörpers Zweifel an dessen Qualifikation aufkommen lässt.

Wie läuft ein Aufsichtsbesuch typischerweise ab?
Die Besuche werden von SBFI-externen Expertinnen und Experten durchgeführt, ich kann sie als verantwortliche Person des SBFI dabei begleiten. Wichtig ist mir bei einem Aufsichtsbesuch beispielsweise, dass das Aufsichtsverfahren als Instrument zur Weiterentwicklung der eigenen Praxis wahrgenommen wird. Die inhaltlichen Schwerpunkte legen wir je nach Auflagen und eingereichten Dokumenten fest. Zum Standardprogramm gehören Gespräche mit den Studiengangleitenden, Dozierenden und Studierenden sowie der Besuch eines Unterrichtsmoduls. Ein Besuch dauert normalerweise einen Tag.

Was fällt Ihnen bei diesen Besuchen auf?
In aller Regel stellen wir fest, dass die Qualität des Unterrichts sehr hoch ist. Die Bildungsgangleitenden und die Dozierenden setzen sich mit grossem Engagement für die Berufsbildung ein. Gleichzeitig sind die berufspädagogischen Bildungsgänge für die Institutionen oft ein Nischenangebot. Seitens der Experten und des SBFI müssen wir immer wieder betonen, wie wichtig die Nähe zur Realität des Zielpublikums ist. Denn bei der Berufsbildungspädagogik geht es immer um eine praxisnahe Vermittlung. Sie sollte sich nicht primär an akademischen Zugängen orientieren, sondern möglichst direkt auf die Arbeit an den Lernorten Bezug nehmen.

Von den Studierenden erhalten wir häufig die Rückmeldung, dass sie die berufsbegleitende Ausbildung sowie den Austausch mit anderen Berufsbildungsverantwortlichen schätzen.

Generell werden die Aufsichtsbesuche positiv wahrgenommen und in den Bildungsinstitutionen nicht als Kontrolle, sondern als echtes Mittel zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung empfunden.

Wie viele Besuche finden pro Jahr statt?
Die Zahl variiert, im Schnitt finden pro Jahr ungefähr fünf bis acht Aufsichtsbesuche statt. Normalerweise führen wir alle Besuche vor Ort durch. Seit Frühling dieses Jahres erlebe ich aber verschiedenste Varianten. Dazu gehören Aufsichtsbesuche, die komplett online durchgeführt werden. Ebenso sind hybride Durchführungen möglich. In jedem Fall definieren wir die Form der Besuche gemäss der aktuellen Situation in Absprache mit den Experten sowie der Bildungsinstitution.

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