Künstliche Intelligenz: Wie geht der Bund damit um?

Die Entwicklung von auf künstlicher Intelligenz basierenden Technologien und Anwendungen hat in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen. Angesichts dieses Trends hat der Bundesrat bereits vor zwei Jahren künstliche Intelligenz als ein zentrales Thema der Strategie «Digitale Schweiz» definiert und eine interdepartementale Arbeitsgruppe unter Federführung des SBFI ins Leben gerufen. 2019 hat die Arbeitsgruppe in einem Bericht aufgezeigt, dass die Schweiz für die Herausforderungen der künstlichen Intelligenz gut aufgestellt ist und diese mit gezielten Massnahmen angeht. Dieses Jahr hat die Arbeitsgruppe Leitlinien für den Umgang mit künstlicher Intelligenz für die Bundesverwaltung erarbeitet.

ki-sbfi-news
Die Gesichtserkennung ist eines von vielen Beispielen, in denen künstliche Intelligenz heute zum Einsatz kommt. Bild: Adobe Stock

Grundlegende Konzepte der künstlichen Intelligenz (KI) wurden zwar schon vor Jahrzehnten entwickelt. Doch erst die Fortschritte in der Computertechnik und bei den Algorithmen machten es möglich, diese Konzepte auch in die Praxis umzusetzen. Mittlerweile spielt KI in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens eine Rolle – häufig merken wir es nicht einmal. Beispiele sind die Spracherkennung oder das Hören von Musik via Streaming-Plattform, bei der die KI personalisierte und auf den eigenen Musikgeschmack abgestimmte Empfehlungen liefert. Oder etwa der Einsatz von KI im Gesundheitswesen, wo KI-Systeme bei der Auswertung von Röntgenbildern helfen.

Obschon KI-Systeme heute also komplexe Aufgaben erledigen können, ist ihr Einsatzgebiet immer auf bestimmte Zwecke begrenzt. Eine KI, die beispielsweise für die Empfehlung von Filmtiteln optimiert wurde, kann eine Katze nicht von einem Hund unterscheiden, dafür müsste sie erst «trainiert» werden. Demnach lässt sich heutzutage KI in einzelnen Aufgaben einsetzen, die monoton und repetitiv sind, zum Beispiel Überwachungsvideos anschauen, Standardanfragen beantworten oder Dokumente durchsuchen.

Bericht «Herausforderungen der künstlichen Intelligenz»
Angesicht der rasanten Entwicklung neuer Anwendungsmöglichkeiten der künstlichen Intelligenz hat der Bundesrat vor zwei Jahren die Chancen und Herausforderungen der KI als eines der zentralen Themen der Strategie «Digitale Schweiz» festgelegt. Auf dieser Grundlage hat er das SBFI beauftragt, eine Arbeitsgruppe zum Thema KI zusammenzustellen. Diese Arbeitsgruppe hatte unter anderem den Auftrag, dem Bundesrat einen Bericht zu den Herausforderungen der KI zu unterbreiten.

Dieser Bericht, welcher der Bundesrat Ende 2019 zur Kenntnis genommen hat, zeigt auf, dass die Schweiz grundsätzlich gut aufgestellt ist für die Anwendung von KI und dass auch die mit ihr einhergehenden Herausforderungen mehrheitlich adressiert werden. Auch ist der bestehende Rechtsrahmen in der Schweiz grundsätzlich geeignet, um neue Anwendungen und Geschäftsmodelle im Bereich KI zu erfassen. Dies umfasst Fragen der Nachvollziehbarkeit, mögliche Diskriminierungen oder Haftungsfragen von autonom agierenden KI-Systemen. Hingegen besteht in verschiedenen Politikbereichen teilweise grosser Klärungs- und Anpassungsbedarf. Dazu zählt beispielsweise der Einsatz von KI in der Mobilität oder in sicherheitsrelevanten Bereichen. In fast allen Bereichen sind jedoch bereits eine Vielzahl von Massnahmen aufgegleist, um sich den Herausforderungen zu stellen.

Leitlinien «Künstliche Intelligenz» für die Bundesverwaltung
Um angesichts der zahlreichen laufenden Arbeiten in den verschiedensten Aufgaben- und Politikbereichen in der Bundesverwaltung Kohärenz bezüglich KI zu gewährleisten, hat der Bundesrat beschlossen, die interdepartementalen Arbeiten fortzusetzen und Leitlinien für den Umgang mit künstlicher Intelligenz in der Bundesverwaltung auszuarbeiten. Der Bundesrat hat diese Leitlinien im November 2020 verabschiedet. Sie bieten der Bundesverwaltung sowie den Trägern von Verwaltungsaufgaben des Bundes einen allgemeinen Orientierungsrahmen und sollen spezifisch in folgenden Kontexten beachtet werden:

  • bei der Erarbeitung sektoraler KI-Strategien;
  • bei der Einführung oder Anpassung von spezifischen, sektoralen Regulierungen;
  • bei der Entwicklung und beim Einsatz von KI-Systemen innerhalb der Bundesverwaltung;
  • bei der Mitgestaltung des internationalen Regelwerks zu KI.
ki-sbfi-news2
Bild: Adobe Stock

Leitlinien für den Umgang mit künstlicher Intelligenz

Die sieben Leitlinien für den Umgang mit KI bieten der Bundesverwaltung sowie den Trägern von Verwaltungsaufgaben des Bundes einen allgemeinen Orientierungsrahmen und sollen eine kohärente Politik in Bezug auf KI gewährleisten.
Die Leitlinien – verkürzt dargestellt – lauten:

1. Den Menschen in den Mittelpunkt stellen
Bei Entwicklung und Einsatz von KI sollen Würde und Wohl des Menschen sowie das Gemeinwohl an vorderster Stelle stehen. Besondere Bedeutung kommt dem Schutz der Grundrechte zu.

2. Rahmenbedingungen für Entwicklung und Anwendung von KI
Der Bund gewährleistet weiterhin bestmögliche Rahmenbedingungen, so dass die Chancen der KI für eine Stärkung der Wertschöpfung und einer nachhaltigen Entwicklung genutzt werden können. Die Schweiz soll sich zu einem führenden Standort für Forschung und Anwendung sowie für Unternehmen im Bereich KI weiterentwickeln.

3. Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Erklärbarkeit
Auf KI gestützte Entscheidungsprozesse sollten so gestaltet sein, dass sie überprüfbar und nachvollziehbar sind.

4. Verantwortlichkeit
Um im Falle eines Schadens, eines Unfalls oder einer Gesetzeswidrigkeit die Verantwortlichkeiten klären zu können, muss beim Einsatz von KI die Haftung klar definiert sein.

5. Sicherheit
KI-Systeme müssen sicher, robust und resilient konzipiert sein, um eine positive Wirkung zu entfalten und nicht anfällig für Missbrauch oder Fehlanwendungen zu sein.

6. Aktive Mitgestaltung der Gouvernanz von KI
Die Schweiz soll die globale Gouvernanz von KI aktiv mitgestalten und sich bei der Erarbeitung von globalen Standards und Normen gemäss ihren Interessen und Werten einbringen.

7. Einbezug aller relevanten nationalen und internationalen Akteure
Die Schweiz soll sich dafür einsetzen, dass in die Debatten um die Gouvernanz von KI alle relevanten Anspruchsgruppen in die politischen Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Diese Leitlinien orientieren sich eng an der breit geführten Diskussion auf nationaler und internationaler Ebene und insbesondere an den von wichtigen internationalen Organisationen wie OECD, Europarat und EU verfassten Richtlinien zur künstlichen Intelligenz.

Bund verfolgt technologieneutrale Regulierung
Die grundlegenden Prinzipien der Schweizer Wirtschafts-, Forschungs- und Innovationspolitik haben sich auch im Kontext der künstlichen Intelligenz bewährt. Zentral ist der Bottom-up-Ansatz: Die Wahl spezifischer Technologien bleibt den Akteuren in Wirtschaft und Wissenschaft überlassen. Der Bund gibt nicht vor, welche Technologien angewendet werden sollen und verzichtet weitgehend auf eine Förderung spezifischer Technologien. Gleichzeitig strebt er eine möglichst technologieneutrale Regulierung an. Handlungsbedarf bei neuen Technologien entsteht in erster Linie aus den Folgen ihrer Anwendung. Hier sollten Regulierungen ansetzen. Mit diesem Ansatz ist die Schweiz in der Vergangenheit gut gefahren. Denn nur eine solche Offenheit des Staates gegenüber allen und vor allem neuen Technologien erlaubt das grösstmögliche Ausschöpfen des Potenzials von neuen Ideen und Innovationen.

Weitere Informationen

Sandro Galliker, SBFI
Wissenschaftlicher Berater Ressort Innovation

www.sbfi.admin.ch/ki

https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/dienstleistungen/publikationen/publikationsdatenbank/s-n-2020-6/s-n-2020-6f.html