Zwei Nationale Forschungsprogramme zur Energiewende erfolgreich abgeschlossen

Im Jahr 2012 hat der Bundesrat zwei Nationale Forschungsprogramme zum Thema Energie in Auftrag gegeben. Im Rahmen dieser Programme wurden neue Technologien und innovative Ansätze entwickelt, die zu einer nachhaltigen und effizienten Energieproduktion und -nutzung beitragen können. Den Schlussbericht zu beiden Programmen, die als NFP «Energie» zusammengeführt wurden, hat der Bundesrat am 28. Oktober 2020 zur Kenntnis genommen. Aus dem Programm resultiert eine Reihe von Empfehlungen, die unterstreichen, dass eine gelungene Energiewende mehr als nur eine technische Herausforderung ist.

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Die Wasserkraft in der Schweiz steht vor grossen Herausforderungen. So haben zwei Projekte im Rahmen des NFP «Energie» untersucht, wie die Zukunft der Schweizer Wasserkraft aussieht und wie sie rentabel bleiben kann. Bild: Adobe Stock

Energie ist in verschiedenen Formen ein essenzieller Bestandteil unserer Gesellschaft, bildet das Energiesystem doch die Grundlage für Mobilität, zahlreiche industrielle Prozesse, die Wärmebereitstellung im Gebäudebereich und viele Aktivitäten in unserer digitalen Gesellschaft. Gleichzeitig haben politische Entscheide in den vergangenen Jahren wesentliche Leitplanken für die künftige Entwicklung des Schweizer Energiesystems gesetzt. Erwähnenswert ist insbesondere die Energiestrategie 2050. Damit haben der Bundesrat und das Parlament den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Mit diesem Entscheid und weiteren tiefgreifenden Veränderungen im internationalen Energieumfeld, beispielsweise aufgrund der Klimapolitik, wird ein Umbau des Schweizer Energiesystems notwendig.

Fruchtbarer Dialog und grosse Themenbreite
Aufgrund der angestrebten Transformation des Schweizer Energiesystems und der Vielfalt von Ansprüchen an dieses System hat der Bundesrat im Jahr 2012 zwei Nationale Forschungsprogramme (NFP) lanciert: Das NFP 70 «Energiewende» mit Fokus auf die naturwissenschaftlich-technischen und ökonomischen Faktoren der Transformation sowie das NFP 71 «Steuerung des Energieverbrauchs» zur Untersuchung gesellschaftlicher und regulatorischer Aspekte. Die Zusammenführung der beiden Programme als NFP «Energie» hat einen fruchtbaren Dialog und Austausch zwischen den Disziplinen gefördert.

Insgesamt wurden 103 Projekte mit CHF 45 Mio. gefördert. Untersucht wurden Themen wie innovative Speichertechnologien für Strom, beispielsweise in Form von komprimierter Luft, aber auch der Effekt einer ökologischen Steuerreform auf die Energiewende. Andere Arbeiten zielten auf die Wirkung von soften Regulierungsmöglichkeiten, indem zum Beispiel umweltschonendes Verhalten wie der Bezug von Strom aus erneuerbaren Quellen als Standard festgelegt wird.

Herausforderungen für die Energiewende
Weil das Energiesystem so eng mit anderen gesellschaftlichen Systemen verbunden ist, hat seine Transformation Auswirkungen auf eine Vielzahl von Akteuren. Entsprechend vielfältig sind die gesellschaftlichen und technischen Herausforderungen der Transformation, wie das NFP «Energie» aufzeigt. So gilt es beispielsweise ökologische Herausforderungen wie Feinstaub- und Treibhausgasemissionen der Energieproduktion genauso zu beachten wie wirtschaftliche und politische Anliegen. Auch sich ändernde Wertvorstellungen in der Gesellschaft prägen die Energiedebatte. So galt die Kernkraft lange Zeit als saubere und entsprechend förderwürdige Energieform, weil bei der Stromproduktion in Kernkraftwerken verhältnismässig wenig Treibhausgase ausgestossen werden. Nach dem Unfall von Fukushima im Jahr 2011 änderte sich die Sicht der Schweizer Bevölkerung auf die Kernkraft, so dass neue Kernkraftwerke wohl nicht mehr akzeptiert würden.

Mehr als nur technische Herausforderungen
Das Resümee zum NFP «Energie» umfasst 15 übergeordnete Empfehlungen. Diese decken entsprechend der breiten disziplinären Ausrichtung und der Themenvielfalt eine Reihe unterschiedlicher Aspekte ab. So lautet eine Empfehlung, dass die Wasserkraft in der Schweiz auf ihre stabilisierende Funktion im Energiesystem fokussieren soll, um die wetterabhängige Stromproduktion der Solar- und Windkraft auszugleichen. Andere Empfehlungen betonen die Wichtigkeit von Planungsverfahren und Finanzierungsmodellen für Infrastrukturprojekte, an denen sich die Bevölkerung beteiligen kann.

Mit diesen Empfehlungen macht das NFP «Energie» deutlich, dass die Energiewende ein Unterfangen ist, das nicht mit rein technischen Massnahmen umgesetzt werden kann. Vielmehr erfordert sie ein Bündel aus verschiedensten Instrumenten, die zu einer in der Gesellschaft abgestützten effizienteren und nachhaltigen Energieproduktion und -nutzung beitragen können.

Die Erkenntnisse des NFP «Energie» zeigen, dass die Transformation des Energiesystems eine grosse Herausforderung ist. Gleichzeitig wurden mit dem Programm neue Ansätze entwickelt, um diese Transformation gezielt angehen zu können. Angesichts der hohen Qualität der wissenschaftlichen Ergebnisse und des erfolgreichen Wissens- und Technologietransfers können die beiden abgeschlossenen Forschungsprogramme als erfolgreich angesehen werden.

Weitere Informationen

Claudine Dolt, SBFI
Wissenschaftliche Beraterin Ressort Nationale Forschung

Benedikt Knüsel, SBFI
Wissenschaftlicher Berater Ressort Nationale Forschung

www.nfp-energie.ch

https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/dienstleistungen/publikationen/publikationsdatenbank/s-n-2020-6/s-n-2020-6g.html