Forschung und Innovation für den «European Green Deal»

Mit dem «European Green Deal» hat sich die Europäische Union das Ziel gesetzt, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Wirtschaftsraum der Welt zu machen und das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Auch Forschung und Innovation sollen zur Umsetzung des «Green Deals» beitragen. Deswegen wurde im Rahmen von «Horizon 2020» die Ausschreibung «Green Deal Call» lanciert, bei der auch Forschende in der Schweiz mitmachen können.

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Die Methanisierungsanlage in Solothurn, welche im Rahmen des «Horizon 2020»-Projektes «STORE&GO» gebaut wurde. Am Projekt beteiligten sich 27 Projektpartner aus sechs europäischen Ländern. Bild: Regio Energie Solothurn

Die Europäische Union (EU) möchte mit dem «European Green Deal» (Europäischer Grüner Deal) die Wirtschaft Europas nachhaltig gestalten und die Herausforderungen in den Bereichen Klima und Umwelt in Chancen verwandeln. Damit dient der «Green Deal» nicht nur ökologischen Zielen, sondern fungiert auch als neue Wachstumsstrategie für die EU. Vorgesehen ist eine Reihe von Massnahmen in den Bereichen, Umwelt, Energieversorgung, Verkehr, Handel, Industrie, Finanzmarktregulierung sowie Land- und Forstwirtschaft.

Auch Forschung und Innovation sollen einen Beitrag zur Umsetzung leisten. Dazu wurde am 18. September die Ausschreibung zum «Green Deal Call» des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation «Horizon 2020» veröffentlicht. Die Ausschreibung soll dazu beitragen, ökologische, soziale und wirtschaftliche Veränderungen, die es zur Bewältigung der Klimakrise benötigt, mit Hilfe von Forschung und Innovation voranzutreiben. Zusätzlich soll der «Green Deal Call» auch zur Erholung Europas von den Auswirkungen der Corona-Pandemie beitragen.

Rasch sichtbare Ergebnisse und konkrete Lösungen
Der ehrgeizige Aufruf unterscheidet sich merklich von anderen Ausschreibungen im Rahmen von «Horizon 2020». Der «Green Deal Call» wurde unter starkem Einbezug von Mitgliedsländern, assoziierten Staaten und Interessensgruppen in mehreren Konsultationsrunden gemeinsam ausgestaltet. Auch die Schweiz konnte über die offiziellen Gremien ihre Position in die Ausgestaltung des «Green Deal Call» einbringen. Zusätzlich gab es eine öffentliche Umfrage, an der sich die Forschungsgemeinschaft und die Bevölkerung direkt beteiligen konnten. Insgesamt gingen knapp 6000 Antworten, etwa 3300 Kommentare und 540 Dokumente ein. Die Auswertung ergab eine eindeutige Unterstützung hinsichtlich der Relevanz der vorgeschlagenen Themen.

Neben der aufwendigen und integrativen Ausgestaltung der Ausschreibung und des transdisziplinären Ansatzes wird von den Projekten erwartet, dass diese schnell sichtbare Ergebnisse für konkrete Lösungen zu den Hauptprioritäten des «Green Deal» liefern. Der «Green Deal Call» ist mit einer Milliarde Euro zur Förderung von Forschung und Innovation dotiert und in acht thematische Bereiche aufgeteilt:

  • Ehrgeizigere Klimaschutzbestrebungen: sektorenübergreifende Herausforderungen
  • Saubere, erschwingliche und sichere Energie
  • Industrie für eine saubere und kreislauforientierte Wirtschaft
  • Energieeffiziente und ressourcenschonende Gebäude
  • Nachhaltige und intelligente Mobilität
  • Vom Bauernhof auf den Teller
  • Biodiversität und Ökosystemleistungen
  • Verschmutzungs- und giftfreie Umgebung

Zusätzlich gibt es in der Ausschreibung zwei Querschnittsthemenbereiche: «Stärkung von Wissen zur Unterstützung des Europäischen Green Deal» und «Bürgerinnen und Bürger für den Übergang zu einem klimaneutralen, nachhaltigen Europa befähigen». Diese sollen vor allem dazu dienen, die europäische Gesellschaft besser auf aktuelle Herausforderungen im Klimabereich aufmerksam zu machen und sie vermehrt in den Lösungsprozess zu integrieren.  

Die Schweiz und «grüne» Forschung
Die Schweiz ist im Bereich «grüne» Forschung eine wichtige Akteurin. Hiesige Forscherinnen und Forscher haben unter «Horizon 2020» bereits vor der Ankündigung des «Green Deal Call» an diversen richtungsweisenden Projekten mitgewirkt (siehe Projektbeispiel im Kasten). Unter dem dritten Pfeiler «soziale Herausforderungen» haben sich Schweizer Hochschulen, Forschungsinstitute sowie Firmen und andere Akteure in über 800 Teilnahmen an Projekten in den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft, Energie, Transport sowie Klima und Umwelt beteiligt. Davon wurden 60 Projekte von Schweizer Organisationen koordiniert. Die aktivsten Organisationen in diesen Bereichen sind die ETH Zürich und die EPF Lausanne (Stand: 1. Juli 2020).

Nebst den klassischen Calls gibt es unter «Horizon 2020» auch sogenannte Partnerschaftsinitiativen. Diese werden gemeinsam von der Europäischen Kommission, Forschungsförderorganisationen und Industriepartnern finanziert. Im Bereich «Green Deal» ist die Schweiz an den Initiativen «Shift2Rail», «Clean Sky», «Bio-based Industries» und «Fuel Cells & Hydrogen» beteiligt. Zu den aktivsten Teilnehmern aus der Schweiz gehören neben der EPFL auch die SBB sowie die beiden Firmen Solidpower SA und Quantis SARL.

«Green Deal Call» ist offen für Forschende in der Schweiz
Der «Green Deal Call» ist für verschiedenste Schweizer Akteure äusserst attraktiv. Die Schweizer Projektpartner können dabei in unterschiedlichster Weise zum Erfolg beitragen. Seien es Hochschulen, welche in der Grundlagenforschung stark sind, oder Firmen, welche dank ihres Know-hows einen grossen Beitrag zu marktfähigen Lösungen leisten können.

Interessierte können ihre Forschungsgesuche im Portal der Europäischen Kommission einreichen. Euresearch unterstützt und berät Forschende aus der Schweiz bei diesem Prozess. Die Deadline für die Einreichung von Forschungsprojekten ist der 26. Januar 2021. Die Evaluation wird von der Exekutivagentur für Forschung der Europäischen Kommission koordiniert und durchgeführt. Bis Ende 2021 sollten alle Förderverträge für den «Green Deal Call» fertig ausgehandelt und unterschrieben sein. Die Laufzeiten der Projekte können je nach Themengebiet variieren.

Forschende in der Schweiz können sich an allen Ausschreibungen des «Green Deal Call» beteiligen. Dieser Call wird unter «Horizon 2020» durchgeführt, der Status der Schweiz in Nachfolgeprogramm «Horizon Europe» hat somit keinen Einfluss auf die Beteiligung von Schweizer Partnern.

Weitere Informationen

Astrid Vassella, SBFI
Wissenschaftliche Beraterin Ressort EU-Rahmenprogramme

Lucien von Gunten, SBFI
Wissenschaftlicher Berater Ressort EU-Rahmenprogramme

European Green Deal

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