Fünf neue Forschungseinrichtungen von nationaler Bedeutung

Der Bund unterstützt in der Periode 2021–2024 insgesamt 31 Forschungseinrichtungen von nationaler Bedeutung mit Beiträgen nach Artikel 15 des Bundesgesetzes zur Förderung der Forschung und der Innovation (FIFG). Darunter sind zwei Technologietransferzentren und drei Forschungsinfrastrukturen, die erstmals Bundesbeiträge erhalten. Sie ergänzen das Förderportfolio des Bundes in wichtigen Bereichen.

Unter den nach Artikel 15 FIFG geförderten Forschungseinrichtungen tauchen in der Förderperiode 2021–2024 fünf neue Namen auf: die Technologietransferzentren ANAXAM und Swiss m4m Center sowie die Forschungsinfrastrukturen EuroTube Foundation, Gosteli-Stiftung und Swiss Polar Institute. Deren Unterstützung basiert auf der Prioritätenordnung des Bundes für Forschungseinrichtungen von nationaler Bedeutung und auf den Prüfergebnissen des Schweizerischen Wissenschaftsrates. An diesen fünf Einrichtungen zeigt sich exemplarisch die Breite von Themengebieten und Aufgaben, die durch die Bundesunterstützung gefördert werden. So sind die Einrichtungen in unterschiedlichsten Disziplinen tätig, nämlich: Medizinaltechnik, Geistes- und Sozialwissenschaften, Umweltforschung und Ingenieurwissenschaften.

ANAXAM

ANAXAM
ANAXAM unterstützt Unternehmen bei der Analyse der Struktur von Oberflächen mittels Neutronen- und Röntgenstrahlen. Bild: ANAXAM/Christian Grünzweig

«ANAXAM» steht für Analytics with Neutrons and X-Rays for Advanced Manufacturing. Der Fokus von ANAXAM liegt auf der Analyse der Struktur von Materialien sowie auf Beratungen von Kunden zu diesem Thema. Für diese Analysen werden Neutronen- und Röntgenstrahlen eingesetzt. Zur Erbringung dieser Leistungen erleichtert ANAXAM seinen Kunden insbesondere den Zugang zu Dienstleistungen und zur Infrastruktur des Paul Scherrer Instituts (PSI). ANAXAM ist eines der zwei im Rahmen der AM-TTC-Initiative (siehe Box) gegründeten Technologietransferzentren.
«Für ANAXAM ist die Bundesunterstützung quasi der Ritterschlag», sagt Prof. Dr. Frithjof Nolting, Präsident des Vereins ANAXAM. «Schon vorher hatten wir Prüfungen und Wettbewerbe um Finanzmittel bestanden, diese waren aber häufig an die Bedingung geknüpft, auch vom Bund Unterstützung nach Artikel 15 FIFG zu erhalten. Jetzt können wir uns voll und ganz darauf konzentrieren, unsere Kunden mit unserer Expertise zu begeistern, indem wir ihnen eine Materialanalytik anbieten, die weit über den Labormassstab hinausgeht.»

Das Zentrum ANAXAM ist im Park Innovaare im aaurgauischen Villigen, einem Standort von Switzerland Innovation, angesiedelt. Es wird vom Kanton Aargau, vom PSI, der Fachhochschule Nordwestschweiz und dem Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel getragen.  

Swiss m4m Center

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Das Swiss m4m Center unterstützt Schweizer KMU dabei, mithilfe von 3D-Druck-Technologien innovative medizinische Implantate herzustellen. Bild: Swiss m4m Center AG, Pat Lerch, LERCHDESIGN AG

Das Swiss Center of Manufacturing Technologies for Medical Applications (Swiss m4m Center) unterstützt KMU aus der Medtech-Branche dabei, mithilfe von 3D-Druckern patientenspezifische Implantate oder kleine Serien innovativer Implantate herzustellen. Im Zentrum des Angebots steht eine zertifizierte Pilotfertigungsanlage und entsprechendes Produktions- und Prozesswissen. Das Swiss m4m Center ist das zweite im Rahmen der AM-TTC-Initiative gegründeten Technologietransferzentren, das vom Bund gemäss Art. 15 FIFG unterstützt wird.

Thomas Wahl, Präsident des Verwaltungsrats, betont die Wichtigkeit der Bundesbeiträge für das Swiss m4m Center: «Wir bieten Schweizer KMU einen industriebezogenen Zugang zur 3D-Drucktechnologie für die Herstellung von medizinischen Implantaten und Instrumenten. Ohne die finanzielle Unterstützung des Bundes wären weder der Aufbau und der Betrieb der 3D-Druck-Produktionslinie noch der Aufbau der für die Beratung und Ausbildung notwendigen Kompetenzen im Swiss m4m Center möglich.»

Das Swiss m4m Center befindet sich in Bettlach im Kanton Solothurn. Nebst Privaten gehören die Eidgenössische Materialprüfungsanstalt, die Berner Fachhochschule und die Tessiner Fachhochschule sowie die Kantone Bern und Solothurn zu den Trägern dieser öffentlich-privaten Partnerschaft.

EuroTube Foundation

EuroTube
Die EuroTube Foundation wird unter anderem eine Teststrecke zur Erprobung der Vakuumtransporttechnologie bauen. Bild: EuroTube Foundation

Die EuroTube Foundation ist eine Forschungsinfrastruktur zur Erforschung der Vakuumtransporttechnologie. Diese Technologie könnte in Zukunft nachhaltigere Langstreckenreisen ermöglichen. Zur Erforschung der Technologie wird EuroTube in Collombey-Muraz im Kanton Wallis eine drei Kilometer lange Teststrecke bauen, um spezifische Aspekte wie beispielsweise die Transportkapseln zu erproben. EuroTube plant Projekte und Tests mit Forschenden durchzuführen und der Industrie Fachwissen und Dienstleistungen anzubieten und somit zum Wissens- und Technologietransfer beizutragen. Zudem engagiert sich die Stiftung in der Lehre, beispielsweise durch die Betreuung von Masterarbeiten.

«Die eidgenössische Unterstützung ist eine Anerkennung der Bemühungen des Teams und seiner Partner in der Schaffung eines Schweizer Forschungsclusters für Vakuumtransport-Technologien. Auf diesen grundlegenden Forschungsinfrastrukturen für eine neue Industrie beschleunigt EuroTube die Entwicklung und Ausbildung einer ganzen Generation neuer Innovationskräfte in der Schweiz», sagt Doré de Morsier, Präsident der Stiftung EuroTube.

Die EuroTube Foundation hat Verbindungen zum ETH-Bereich und verschiedenen Schweizer Fachhochschulen sowie zu führenden europäischen Universitäten.

Gosteli-Stiftung

Gosteli-Stiftung
Das Archiv der Gosteli-Stiftung umfasst verschiedenste Quellen zur Geschichte der Schweizer Frauenbewegung. Bild: Gosteli-Stiftung

Die Gosteli-Stiftung wurde von Marthe Gosteli gegründet, einer Vorkämpferin für das Frauenstimmrecht in der Schweiz. Durch den Aufbau eines Archivs strebte Marthe Gosteli an, die Geschichte der Schweizer Frauenbewegung und Frauenorganisationen zu dokumentieren. Heute wird das Archiv von der Gosteli-Stiftung betrieben. Die Archivalien umfassen schriftliche Dokumente wie Bücher, Zeitungsartikel und Broschüren, aber auch Fotografien, Filme, Tonträger und zusehends digitale Inhalte. Diese Archivalien und Dokumentationen sind für Forschende verschiedener Fachbereiche wichtig.

Kathrin Bertschy, Präsidentin des Stiftungsrats, ist erfreut, dass die Gosteli-Stiftung als Forschungseinrichtung von nationaler Bedeutung anerkannt wird: «Mit der Bundesunterstützung kann die Weiterentwicklung und Umsetzung in einen bedeutungsvollen Gedächtnisort für Schweizer Frauengeschichte und in ein Kompetenzzentrum mit grosser Ausstrahlung angegangen werden. Zudem werden die fachgerechte Sammlung und Vermittlung von digitalen Dokumenten sowie eine breitere Nutzung der bedeutenden Archivbestände zur Demokratiebildung und Frauengeschichte für Schulklassen und Wissenschaft möglich.»

Die Stiftung, die neu als Forschungsinfrastruktur von nationaler Bedeutung vom Bund gefördert wird, ist in Worblaufen im Kanton Bern beheimatet. Dank der Bundesmittel und der Beiträge des Kantons Bern kann das Archiv weitergeführt werden und unter anderem durch die Digitalisierung der Inhalte eine breitere Basis von Nutzenden erreichen.

Swiss Polar Institute

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Vom SPI unterstützte Forschende überwachen den kalbenden Gletscher Eqip Sermia in Westgrönland. Bild: E. van Dongen

Das Swiss Polar Institute (SPI) erbringt als Forschungsinfrastruktur Dienstleistungen für die Schweizer Wissenschaftsgemeinschaft, die sich mit der Erforschung der Antarktis, der Arktis und von Höhenlagen befasst. Die Aktivitäten des SPI sind vielfältig; so ermöglicht das SPI den Zugang zum Feld und zu internationalen Forschungsinfrastrukturen und ist an der Organisation von internationalen Expeditionen beteiligt. Weiter unterstützt das Institut Schweizer Forschende bei der für solche Expeditionen anfallenden Kosten für Reisen und Apparaturen und bietet Kurse im Bereich Gesundheit und Sicherheit oder Hilfsleistungen beim Datenmanagement an.

Für Prof. Dr. Martin Vetterli, Präsident der Stiftung Swiss Polar Institute, bringt die Bundesunterstützung eine Anerkennung der wichtigen Leistungen in diesem Fachbereich und neue Beteiligungsmöglichkeiten für die Forschenden bei internationalen Expeditionen: «Die Bundesunterstützung für das Swiss Polar Institute ist eine Anerkennung der Bedeutung der Schweizer Forschung zu Polar- und Hochgebirgsumgebungen und ihres wesentlichen Beitrags zu unserem Wissen über den Klimawandel. Dank diesem Status können wir den Forschenden einmalige Zugangsmöglichkeiten zu internationalen Infrastrukturen und Expeditionen bieten sowie die Sichtbarkeit und den Impact ihrer Arbeiten vergrössern.»

Die Stiftung wird von verschiedenen Hochschulen getragen, namentlich von der EPF Lausanne, der ETH Zürich und den Universitäten Lausanne, Bern und Zürich sowie von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Ihr Sitz wird in Sitten im Kanton Wallis sein.

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