Editorial

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser

Die Europäische Weltraumorganisation ESA lanciert diesen Frühling eine Rekrutierungskampagne für eine neue Generation von Astronautinnen und Astronauten. Bewerbungen auch von Schweizerinnen und Schweizern sind sehr wünschenswert. Claude Nicollier, unser bislang einzige Astronaut, wäre bestimmt der erste Gratulant an die Adresse einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers aus der Schweiz.

Doch unabhängig davon ist unser Land eine «Raumfahrtnation». Die Schweiz ist Gründungsmitglied der ESA und nutzt diese Organisation seit 1975 zur Umsetzung ihrer Aktivitäten im Raumfahrtbereich. Hierbei handelt es sich um Aktivitäten von Hochschulen, Forschungsinstitutionen und vieler privater Akteure – von der Grundlagenforschung über die angewandte Forschung und Entwicklung bis hin zu technologischen und industriellen Beiträgen, die Schweiz ist in der «Raumfahrt» international oft vorne dabei.

Damit die Schweizer Weltraumakteure eine bestmögliche Ausgangslage für die Umsetzung ihrer Ideen und Pläne und für eine optimale Ausnutzung ihrer Kompetenzen haben, braucht es den Bund. Einerseits sorgt er mit seiner Weltraumpolitik für einen allgemeinen Rahmen namentlich auch bezüglich nationaler Koordination. Anderseits leistet er bedeutende Förderbeiträge, für die Jahre 2021–2024 sind 800 Millionen Franken geplant. Das SBFI sieht sich als Kompetenzzentrum des Bundes für nationale und internationale Weltraumfragen derzeit vor zwei interessanten Aufgaben.

Bei der einen geht es um eine neue Ausrichtung der sogenannten Ergänzenden Nationalen Aktivitäten in der Raumfahrt. Hier laufen die Vorbereitungen für die erste, an Hochschulen gerichtete Ausschreibung von Konsortialprojekten, welche in Zusammenarbeit mit der ESA und der Raumfahrtindustrie auf neue Nischen und Schwerpunktkompetenzen zielen. Weiter sollen mit einem ebenfalls auszuschreibenden «Space Exchange Switzerland» offensichtliche Bedürfnisse im Schweizer Raumfahrtsektor durch eine auf diese Bedürfnisse fokussierte Institution abgedeckt werden: Fachliche und technische Unterstützung etwa bei der Technologie-Harmonisierung oder im Bereich Öffentlichkeitsarbeit dienen den Interessen aller nationalen Raumfahrtakteure.

Die andere Aufgabe betrifft die kritische Überprüfung der gesetzlichen Grundlagen der Schweiz im Weltraumbereich. Dieser befindet sich seit mehreren Jahren in bemerkenswertem Wandel und Aufschwung; auch hierzulande nehmen Weltraumaktivitäten diverser Akteure aus der Wissenschaft und vor allem seitens Industrie stark zu. Vor diesem Hintergrund steht die innerstaatliche Umsetzung und rechtliche Abstützung der internationalen Verträge der Schweiz im Bereich der Raumfahrt insbesondere betreffend Genehmigung, Aufsicht, Haftungsfragen und Weltraumregister bis zum kommenden Herbst auf dem Prüfstand.

Zu Beginn des Jahres 2021 steht für das SBFI insgesamt noch einiges in den Sternen, für seine Hauptaufgaben im Weltraumbereich trifft das nicht zu.

Martina Hirayama
Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation

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