«Wir haben die Grundlagen gelegt, um künftig noch enger zusammenzuarbeiten»

Im November 2020 haben die Teilnehmenden des nationalen Spitzentreffens der Berufsbildung das Umsetzungskonzept zur Systematisierung der Governance in der Berufsbildung genehmigt. Die neue Gremienstruktur wurde Anfang Januar 2021 eingeführt. Rémy Hübschi, Leiter der Abteilung Berufs- und Weiterbildung im SBFI, erklärt die neue Gremienstruktur und was mit ihr erreicht werden soll.

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Rémy Hübschi: «Die neue Gremienstruktur verbessert insbesondere die Steuerung und Weiterentwicklung der Berufsbildung.» Bild: Béatrice Devènes


Am 1. Januar 2021 erfolgte die Umsetzung der neuen Governance in der Berufsbildung. Weshalb ist diese neue Gremienstruktur nötig?

Rémy Hübschi: Zur DNA der Schweizer Berufsbildung zählt die Zusammenarbeit zwischen den Verbundpartnern Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt. Seit der Inkraftsetzung des Berufsbildungsgesetzes im Jahr 2004 hatte sich die Gremienstruktur kontinuierlich und bedarfsorientiert weiterentwickelt. Es war nun an der Zeit, die Struktur und damit die Zusammenarbeit unter den Verbundpartnern mit Blick auf die Zukunft zu untersuchen und zu optimieren. Es ging unter anderem darum, die verschiedenen Akteure besser in die Diskussions- und Entscheidungsprozesse einzubinden. Auch fehlte aufgrund der zunehmend engeren Zusammenarbeit ein verbundpartnerschaftlich zusammengesetztes Gremium, das die Berufsbildung auf strategischer Ebene steuert. Wir haben ausserdem erkannt, dass wir die Transparenz und Nachverfolgbarkeit von Entscheidungen erhöhen müssen.

Wie sieht die neue Gremienstruktur aus?
Auf oberster Ebene ist das nationale Spitzentreffen der Berufsbildung angesiedelt. Mit der Tripartiten Berufsbildungskonferenz TBBK wurde ein neues Gremium geschaffen, in welchem die drei Verbundpartner gemeinsam und auf Augenhöhe die strategische Steuerung der Berufsbildung wahrnehmen. Der TBBK kommt auch eine wichtige Brücken- und Scharnierfunktion zu.

Die neu geschaffenen Dialogforen dienen dem direkten Austausch zwischen den Verbundpartnern. Expertengruppen beraten und unterstützen die TBBK mit Fachwissen. Und Projektgruppen bearbeiten konkrete Fragestellungen und Themen. Dazu zählen sowohl die Umsetzung grosser Projekte wie die Initiative «Berufsbildung 2030» mit weit über 20 Einzelprojekten als auch Projekte zu spezifischen Themen.

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Was zeichnet die neue Gremienstruktur aus?
Ich bin überzeugt, dass sie die Berufsbildung in vielerlei Hinsicht stärkt. Sie verbessert insbesondere die Steuerung und Weiterentwicklung. Die neue Struktur ermöglicht zudem einen breiteren Einbezug und eine stärkere Mitwirkung der Akteure. Ich denke dabei nicht nur an die TBBK, sondern beispielsweise auch an die verschiedenen Dialogforen. So können wir Themen und Fragestellungen gezielter angehen, aber auch die Meinungen der verschiedenen Akteure der Berufsbildung besser einholen. Eine Chance bietet sich auch, indem wir die Regulierungsdichte reduzieren und Bürokratie abbauen können. Eine gut abgestimmte Gremienstruktur ist der erste Schritt, um nun in einem zweiten Schritt Prozesse und Anreize zu optimieren.

Sie haben einige Ziele aufgezählt. Was wird konkret angegangen in diesem Jahr?

Wir wollen die Berufsbildung auch 2021 weiterentwickeln. Ich denke beispielsweise an das Projekt «Prozesse und Anreize», welches in diesem Jahr im Rahmen der Initiative «Berufsbildung 2030» lanciert wird. Für die TBBK haben dabei drei Themen Priorität: Ineffizienzen und Fehlallokationen in der Berufsentwicklung, die Finanzierung der überbetrieblichen Kurse sowie die Finanzierung der Qualifikationsverfahren. Mit diesen Themen werden sich die verschiedenen Gremien in diesem Jahr beschäftigen, damit alle betroffenen Akteure umfassend einbezogen werden.

Welche Rolle spielt die TBBK im Zusammenhang mit Massnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie in der Berufsbildung?
Dafür ist weiterhin die Task Force «Perspektive Berufslehre» zuständig. Sie wurde von Bundesrat Guy Parmelin im Mai 2020 ins Leben gerufen. Damit Jugendliche und Unternehmen auch 2021 gute Rahmenbedingungen auf dem Lehrstellenmarkt, während der beruflichen Grundbildung und beim Übergang in den Arbeitsmarkt vorfinden, wurde das Mandat der Task Force bis zum nationalen Spitzentreffen im Herbst 2021 verlängert.

Da sich die Task Force im Wesentlichen aus den Mitgliedern der TBBK zusammensetzt, ist die inhaltliche Kohärenz gewährleistet.

Das Jahr 2020 wurde zu grossen Teilen von der Corona-Pandemie bestimmt. Auf was für ein Jahr blicken Sie in Sachen Berufsbildung zurück?
Es war für alle Verbundpartner ein herausforderndes Jahr. Aber gemeinsam haben wir viel erreicht. So konnten beispielsweise auch im vergangenen Sommer rund 75 000 Jugendliche ihre berufliche Grundbildung abschliessen. Zudem hat der Bund mit dem Förderschwerpunkt «Covid-19» Projekte von Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt aus allen Landesteilen mit insgesamt knapp 14 Millionen Franken (Stand Anfang Januar 2021) unterstützt.

Wie wird Covid-19 die Berufsbildung im 2021 beeinflussen?
In Sachen Corona ist noch nicht wirklich ein Ende in Sicht. Dennoch ist es unser klares Ziel, dass wir die Qualifikationsverfahren 2021 möglichst nach geltendem Recht durchführen können. Zudem soll der Berufswahlprozess aufrechterhalten werden. Ziel ist, dass sich die Jugendlichen sowie deren Eltern und andere Bezugspersonen auch in der jetzigen Situation ein umfassendes Bild der Berufsbildung und der damit verbundenen Karrieremöglichkeiten machen können. Wir müssen auch darauf schauen, dass die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe weiterhin gewährleistet ist. Die Arbeit wird uns nicht ausgehen. Aber ich bin überzeugt, wir werden auch diese Herausforderungen gemeinsam meistern.

Weitere Informationen

Rémy Hübschi, SBFI
Leiter Abteilung Berufs- und Weiterbildung

www.tbbk-ctfp.ch

https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/dienstleistungen/publikationen/publikationsdatenbank/s-n-2021-1/s-n-2021-1d.html