Schweizer Unterstützung für SESAME

2017 wurde in Allan (Jordanien) das Zentrum SESAME (Synchrotron-light for Experimental Science and Applications in the Middle East) eröffnet. Es beherbergt das erste Synchrotron im Nahen Osten und leistet einen bedeutenden Beitrag zur friedlichen Entwicklung und Wissenschaftskooperation in der Region. Die Schweiz hat seit 2010 einen Beobachterstatus beim Projekt und unterstützt dieses durch einmalige, gezielte Massnahmen – etwa mit der kürzlich eingeweihten «Swiss Lounge».

SESAME Opening Ceremony of the Swiss Lounge
Einweihung der «Swiss Lounge»: Der Schweizer Botschafter Lukas Gasser (links) durchtrennt gemeinsam mit dem SESAME-Direktor Prof. Khaled Toukan das rote Band.
Bild: Schweizer Botschaft Ammann

SESAME ist ein Synchrotron, oder anders ausgedrückt eine äusserst starke Lichtquelle, die zu experimentellen Zwecken genutzt wird. Diese einzigartige internationale Forschungsinfrastruktur im jordanischen Allan wurde 2017 eröffnet. Einer der Gründerväter von SESAME ist der ehemalige CERN-Direktor Prof. Herwig Schopper. Und überhaupt haben SESAME und das CERN einiges gemeinsam: beide sind offene, internationale und friedlichen Zwecken dienende Forschungsinfrastrukturen. Ausserordentlich ist, dass die Mitgliedsstaaten von SESAME (Jordanien, Ägypten, Israel, Palästina, Pakistan, Iran, Türkei und Zypern) zum Teil untereinander keine diplomatischen Beziehungen pflegen, vereinzelt sogar Konflikte austragen. Der SESAME-Kontext bietet diesen Ländern aber einen Berührungspunkt. «Es war für mich immer faszinierend zu sehen, wie Vertreter beispielsweise aus dem Iran, Israel und Palästina an einem Tisch vereint Lösungen für SESAME diskutierten. SESAME ist demnach ein Nukleus, der ein wenig zur Befriedung einer konfliktreichen Gegend beiträgt», erklärt Prof. Albin Wrulich vom Paul Scherrer Institut (PSI). Er präsidierte während 14 Jahren den technischen Beirat von SESAME.

Expertise aus der Schweiz
Die Schweiz war bereits in der Planungsphase vor 20 Jahren in das Projekt SESAME involviert. Seit 2010 hat sie, vertreten durch das SBFI, einen Beobachterstatus im SESAME-Rat inne. Wichtige Unterstützung erhält SESAME vom Paul Scherrer Institut: Es hat stets seine Expertise zur Verfügung gestellt. Beispielsweise hat das PSI Personal von SESAME an der Swiss Light Source in Villigen (AG) weitergebildet und Material für den Aufbau des Teilchenbeschleunigers und der Beamlines zu Verfügung gestellt. «Das Konkurrenzdenken in der Beschleunigergemeinde ist generell sehr gering», unterstreicht Prof. Albin Wrulich. In der kleinen Gemeinschaft der Synchrotronforscherinnen und -forscher seien der Austausch und eine enge Zusammenarbeit normal, davon profitiere jeder und jede. Erwähnenswert ist auch die Schweizer Firma DECTRIS, ein Spin-off des PSI, die SESAME einen Detektor geschenkt hat.

Zusammenarbeit in der «Swiss Lounge»
Die Mitgliedstaaten von SESAME decken die operativen Kosten über ihre Beiträge. Die Schweiz unterstützt das Projekt hingegen durch gezielte und jeweils einmalige Massnahmen. Kürzlich wurde in Allan die sogenannte «Swiss Lounge» eingeweiht. Sie besteht aus zwei Sitzungsräumen, deren Mobiliar vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten finanziert wurde. Diese Sitzungsräume sind Teil des durch Italien finanzierten Gästehauses, welches Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beherbergt, die für ihre Experimente nach Allan reisen, manchmal für ein paar Tage, manchmal für länger. Forschende aus der ganzen Welt, aber hauptsächlich aus den Mitgliedstaaten, kommen so während ihres Aufenthalts bei SESAME in Kontakt; in der «Swiss Lounge» können sie sich austauschen und zusammenarbeiten.

Neuer Injektor für SESAME
Gemeinsam mit dem italienischen Kernphysik Institut INFN hat das PSI das nächste Kapitel der Schweizer Unterstützung zugunsten von SESAME angerissen. Der Injektor, ein zentraler Bestandteil eines Synchrotrons, ist bei SESAME nicht mehr auf dem neusten Stand der Technik. «Die Leistung des Injektors ist gering und Unterbrüche wegen Fehlfunktionen stehen auf der Tagesordnung. Es besteht demnach das permanente Risiko, dass er ausfällt und die Lichtquelle für längere Zeit unterbrochen wird» erklärt Prof. Wrulich. Deshalb wird der Injektor in den kommenden Monaten im Rahmen eines gemeinsamen Projekts von SESAME, PSI und INFN saniert. Diese Modernisierung erlaubt SESAME eine zuverlässige und hochqualitative Infrastruktur zu werden. Das SBFI unterstützt das PSI finanziell bei der Durchführung dieses Projekts.  

Weitere Informationen

Doris Wohlfender, SBFI
Wissenschaftliche Beraterin Ressort internationale Forschungsorganisationen

www.sesame.org.jo

https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/dienstleistungen/publikationen/publikationsdatenbank/s-n-2021-1/sesame.html