Durch internationale Verknüpfung zu wissenschaftlicher Exzellenz

Bildung, Forschung und Innovation besitzen von ihrem Wesen her eine internationale Dimension: Sie leben von stetiger Weiterentwicklung und weltweitem Austausch. Gerade für ein kleines Land wie die Schweiz ist deswegen die internationale Zusammenarbeit im Bereich Bildung, Forschung und Innovation (BFI) von grosser Bedeutung. In seiner BFI-Aussenpolitik setzt der Bund neben der Beteiligung an multilateralen Programmen und Organisationen auf bilaterale Programme sowie auf die spezifische Unterstützung von Forschungseinrichtungen im Ausland.

Karte Leading Houses
Die bisherigen fünf Leading Houses wurden vom SBFI auch für die Förderperiode 2021–2024 mandatiert. Sie haben den Auftrag, neue Forschungskooperationen mit Regionen mit hohem wissenschaftlichen Potenzial anzukurbeln.

In internationalen Rankings zu Bildung, Forschung und Innovation belegt die Schweiz regelmässig Spitzenpositionen. So ist sie gemäss Global Innovation Index 2020 das zehnte Jahr in Folge das innovativste Land der Welt. Ein weiteres Beispiel ist der Impact von wissenschaftlichen Publikationen: Die Schweiz liegt im internationalen Vergleich weltweit an 3. Stelle. Betrachtet man die Anzahl der Top-10% wissenschaftlichen Publikationen im Verhältnis zur Anzahl Einwohner, so liegt sie sogar auf Rang 1.

Internationale Vernetzung der BFI-Akteure
Eine wichtige Basis für solch gute Ergebnisse ist die internationale Zusammenarbeit. Für ein kleines Land wie die Schweiz ist die internationale Vernetzung und Kooperation in Forschung und Innovation eine wichtige Rahmenbedingung für den Erhalt dieser Spitzenposition. BFI-Akteure in der Schweiz erhalten dadurch Zugang zu internationalen Forschungsinfrastrukturen und globalen Netzwerken und stellen sich so den Herausforderungen im Spannungsfeld zwischen weltweiter Zusammenarbeit und Konkurrenz.

Die Schweiz weist einen sehr hohen Internationalisierungsgrad in den Bereichen Forschung und Innovation auf. So beträgt der Anteil an Publikationspartnerschaften mit ausländischen Forschenden über 84% und der Anteil der ausländischen Doktorandinnen und Doktoranden in der Schweiz liegt bei 57%. Durch die internationale Zusammenarbeit stärken die BFI-Akteure ihre Kreativität und damit ihre Forschungs- und Innovationskompetenzen. Die Kooperation bringt der Schweiz und ihren Partnerländern einen gemeinsamen akademischen, technologischen und wirtschaftlichen Mehrwert und fördert die Erarbeitung von Lösungsansätzen für globale Probleme.

Kategorien der internationalen F&I-Zusammenarbeit

Der Bundesrat verabschiedete 2018 die Internationale Strategie der Schweiz im BFI-Bereich. Darin festgehalten ist das Ziel: «In Bildung, Forschung und Innovation belegt die Schweiz auch künftig weltweit eine Spitzenposition.» Das kontinuierliche Engagement der international engagierten Schweizer BFI-Akteure sowie, vorgelagert, die Schaffung und Sicherstellung der dafür erforderlichen Rahmenbedingungen sind Schlüsselfaktoren für die Zielerreichung.

Die Aktivitäten des Bundes in der internationalen Forschungs- und Innovationszusammenarbeit können in zwei Kategorien unterteilt werden. Einerseits beteiligt sich der Bund an der Stärkung des europäischen Forschungs- und Innovationsraums durch die Mitwirkung an den europäischen Programmen im Bereich Forschung und Innovation. Darüber hinaus wird die multilaterale Zusammenarbeit durch die Beteiligung der Schweiz an verschiedenen internationalen Forschungsorganisationen gefördert.

Anderseits unterstützt der Bund die weltweite wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit der Schweizer Hochschulen und der in Forschung und Innovation tätigen Institutionen mit ihren ausländischen Pendants durch den Aufbau und die Förderung bilateraler Partnerschaften mit ausgewählten Ländern und Regionen.

Für diese bilaterale Zusammenarbeit stehen verschiedene Instrumente bereit:

  • Swissnex, das Schweizer Netzwerk für den Aufbau und die Pflege weltweiter Beziehungen im BFI-Bereich;
  • Bilaterale Programme, umgesetzt mit dem Schweizerischen Nationalfonds SNF und den Leading Houses;
  • Unterstützung von spezifischen Forschungseinrichtungen im Ausland;
  • Wissenschaftliche Erkundungsmissionen, um neue direkte Kontakte zwischen Hochschulen und Forschungsförderorganisationen zu unterstützen;
  • Wissensaustausch und Pflege diplomatischer Beziehungen auf ministerieller Ebene durch Erkundungsmissionen, Ministerialtreffen und gemischte Wissenschaftskommissionen, um die Schweiz als Bildungs-, Forschungs- und Innovationsstandort zu repräsentieren und eine optimale Ausgangslage für die bilaterale Zusammenarbeit zu schaffen.

Gemäss der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2021–2024 werden diese Instrumente der bilateralen Zusammenarbeit weitergeführt.

Die bilateralen Programme
2008 vom Bundesrat als Förderinstrument lanciert, basieren die bilateralen Programme auf den Prinzipien des gegenseitigen Interesses, der gemeinsamen Finanzierung und der wissenschaftlichen Exzellenz. Sie haben langfristige und nachhaltige internationale Partnerschaften zum Ziel.

Die bilateralen Programme bestehen aus zwei sich ergänzenden Instrumenten. Einerseits organisiert der Schweizerische Nationalfonds SNF gemeinsame Forschungsprojekte für umfangreiche bilaterale Wissenschaftsvorhaben mit ausländischen Partneragenturen in den BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) sowie in Argentinien, Japan, Südkorea und Vietnam. Andererseits mandatiert das SBFI fünf Schweizer Hochschulen als Leading Houses für eine bestimmte Region. Diese Leading Houses konzipieren kleinformatige Kooperationsinstrumente für Anschubfinanzierungen und innovative Pilotprojekte, welche der gesamten schweizerischen Forschungslandschaft offenstehen. Zwischen 2017 bis 2020 wurden mehr als 500 «Leading House»-Pilotaktivitäten im Forschung- und Innovationsbereich und über 50 gemeinsame Forschungsprojekte mit diesen Ländern und Regionen unterstützt.

Gemäss einer im Jahr 2020 durchgeführten Evaluation erzielen die bilateralen Programme einen beachtlichen Mehrwert für Schweizer Forschende und ihre Institutionen. So spielen sie eine wichtige Rolle bei der Diversifizierung bilateraler Kollaborationen und leisten einen Beitrag zum deutlichen Anstieg der Anzahl neuer wissenschaftlicher Publikationen mit Partnern in den BRICS-Ländern sowie in Japan und Südkorea. Die bilateralen Programme vereinfachen und fördern ausserdem die exzellenzbasierte Zusammenarbeit der nationalen Forschungsförderagenturen. Die Evaluation unterstreicht zudem die Bedeutung der bilateralen Programme für die Wissenschaftsdiplomatie. Der Austausch von Forschenden und Studierenden, die Beziehungen zu ausländischen Regierungsstellen und BFI-Akteuren sowie bilaterale Absichtserklärungen schaffen Vertrauen zwischen der Schweiz und ihren Partnerländern.

Gemeinsam mit Swissnex sind die bilateralen Programme das Hauptinstrument für die Unterstützung von Schweizer BFI-Akteuren im bilateralen und aussereuropäischen Bereich.

Einrichtungen in der Schweiz und im Ausland
Ein weiteres Instrument ist die gezielte Unterstützung von Forschungsinitiativen, die von Einrichtungen in der Schweiz und im Ausland durchgeführt werden. In den Jahren 2021–2024 unterstützt der Bund vier solche Institutionen beziehungsweise Initiativen:

  • Das Istituto Svizzero di Roma, das zur internationalen Ausstrahlung der Schweiz in Wissenschaft und Kultur beiträgt und jungen Kunstschaffenden und talentierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen Arbeitsort bietet.
  • Die Schweizerische Archäologie im Ausland, die in der Förderperiode 2017–2020 beachtliche Ergebnisse erzielt hat, vor allem durch die spektakuläre Entdeckung des Heiligtums der Artemis in Eretria durch Forschende der Schweizerischen Archäologischen Schule in Griechenland oder auch die Ausgrabungen in Kerma (Sudan) unter der Leitung der Universität Neuenburg.
  • Die Schweizer Exzellenzzentren in der Republik Côte d’Ivoire und in Tansania, die im Bereich der Tropenmedizin aktiv sind.
  • Die Global Earthquake Monitoring Foundation.

Weitere Informationen

Maria Peyro Voeffray, SBFI
Leiterin a.i. Abteilung Internationale Beziehungen

www.sbfi.admin.ch/fzsl

https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/dienstleistungen/publikationen/publikationsdatenbank/s-n-2021-2/s-n-2021-2b.html