Neuer Index des World Economic Forum zur Wettbewerbsfähigkeit

Die Schweiz hat sich schon fast daran gewöhnt, regelmässig an der Spitze von Rankings zur Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsleistung zu stehen. Auch wenn solche Rankings immer mit grosser Vorsicht zu betrachten sind, wird das seit vielen Jahren gute Abschneiden der Schweiz – zu Recht – als Bestätigung für unsere Innovationsförderpolitik gewertet. Leider gilt dies nun umgekehrt auch für das neuste vom World Economic Forum (WEF) Ende 2020 veröffentlichte Ranking, in dem die Schweiz bei verschiedenen Indikatoren weniger gut platziert ist. Wie alle Länder, deren Wohlstand sich stark auf Innovation stützt, muss die Schweiz ihre Wettbewerbsfähigkeit ständig hinterfragen.

Platzierung der Schweiz im Transformationsranking des WEF

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Der neue Index des WEF gründet auf der Vorstellung, dass sich unsere Gesellschaft in einer Phase befindet, in der sie sich nicht mehr ausschliesslich auf die wirtschaftliche Produktivität konzentrieren kann. Vielmehr müssen auch die grossen gesellschaftlichen Herausforderungen wie etwa die Nachhaltigkeit, die Überalterung, die Digitalisierung oder die soziale Gleichstellung berücksichtigt werden. Aus diesem Grund hat das WEF entschieden, seinen sehr beliebten Global Competitivness Report, der sich auf Kennzahlen vergangener Leistungen stützt, durch einen Index zu ersetzen, der stärker auf die Zukunft gerichtet ist: den Transformationsindex. Das WEF ist überzeugt, dass es eine tiefgreifende Transformation unserer Volkswirtschaften und Regierungen braucht, um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen. Deshalb scheint es sinnvoller, den Fortschritt in diesem Transformationsprozess zu messen. Dazu hat das WEF einen neuen Index geschaffen, der verschiedene quantitative und qualitative Indikatoren kombiniert.

Leistung der Schweiz im Transformationsranking
Die elf Indikatoren, die wir in der Tabelle in vereinfachter Form wiedergeben, messen die unternommenen Anstrengungen, um den grossen gesellschaftlichen Herausforderungen mit neuen politischen Antworten zu begegnen. Dazu gehören Aspekte wie die Einhaltung der Grundsätze der nachhaltigen Regierungsführung oder die Erschliessung neuer Märkte. Die Schweiz schneidet gemäss diesen Indikatoren verglichen mit den 36 anderen Ländern nur mittelmässig ab; die nordischen Länder (Schweden, Dänemark und Finnland) sind hingegen auf den ersten Plätzen des Rankings zu finden.

Zu betonen ist allerdings, dass die Ergebnisse dieses Indizes zum einen mangels genauer Definitionen für die verschiedenen Dimensionen dieser Transformation und zum andern aufgrund fehlender verlässlicher Daten zur Messung dieser Dimensionen mit Vorsicht zu interpretieren sind. Dennoch lassen sich aus dem Index, der den Transformationsgrad der Volkswirtschaften in den Fokus rückt, wichtige Rückschlüsse für die Innovationspolitik ziehen.

Wie jedes Land, dessen Wohlstand sich vor allem auf Innovation stützt, muss die Schweiz ihre Wettbewerbsfähigkeit laufend überprüfen, insbesondere, wenn man bedenkt, dass ihr gutes Abschneiden in Innovationsrankings vor allem dem Pharma-, dem Industrie- und dem Lebensmittelsektor zu verdanken ist. Natürlich werden diese Sektoren auch in Zukunft wichtig bleiben für unsere Volkswirtschaft und bestimmt wird die Schweiz – sofern die Schweizer Unternehmen weiterhin so innovativ bleiben wie bisher – auch in künftigen Rankings auf den vorderen Plätzen mitspielen. Sie könnte sich jedoch noch verbessern, wenn sie auch den Sektoren und Aspekten im Zusammenhang mit der Transformation unserer Gesellschaft stärkere Beachtung schenken würde.

Weitere Informationen

Müfit Sabo, SBFI
Wissenschaftlicher Berater Ressort Innovation

www.weforum.org

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