Die Europäische Weltraumorganisation rekrutiert zukünftige Astronautinnen und Astronauten

Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat ihre Rekrutierungskampagne lanciert – Bewerbungen aus der Schweiz sind ausdrücklich erwünscht. Der Betrieb der Internationalen Raumstation ISS und die zukünftigen Erkundungsmissionen zum Mond und darüber hinaus erfordern die Suche nach neuen Talenten für das europäische Astronautenkorps, damit Europa in der faszinierenden und abenteuerlichen Erforschung des Weltalls auch weiterhin seinen Platz einnehmen kann.

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Samantha Cristoforetti, Astronautin der Europäischen Weltraumorganisation ESA, während ihrer Mission «Futura» (2015) auf der internationalen Raumstation. Bild: ESA

Im vergangenen Februar lancierte die Europäische Weltraumorganisation ESA ihre Kampagne zur Rekrutierung künftiger Astronautinnen und Astronauten. Sie richtet sich an die Bevölkerung ihrer 22 Mitgliedsstaaten, einschliesslich der Schweiz als Gründungsmitglied der ESA. Ein erklärtes Ziel der ESA ist es, mehr Vielfalt bezüglich Geschlecht und Kompetenzen in das Astronautenkorps zu bringen. Das kann nur erreicht werden, wenn Vielfalt bereits in den eingereichten Bewerbungen vorhanden ist.

Staatssekretärin Martina Hirayama ist zuversichtlich, dass es unter den jungen Frauen und Männern der Schweiz zahlreiche potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten gibt, die sich für den Astronautenberuf begeistern. Die Schweiz verfügt über ein international wettbewerbsfähiges Bildungssystem, das sich auf die Bedürfnisse der praktischen und akademischen Bereiche abstützt und auf lebenslanges Lernen ausgerichtet ist. Der Zugang zu diesem breiten Spektrum an Qualifikationen ist eine der Stärken der Schweiz. Alle, die schon einmal von einem solchen Abenteuer geträumt haben, und alle, die sich für die Raumfahrt interessieren und die notwendigen Voraussetzungen mitbringen, sind eingeladen, ihre Bewerbung bis zum 28. Mai 2021 online einzureichen.

«Bereiten Sie sich auf Ihre Kandidatur vor, als wäre es eine Prüfung!»
So lautet der Rat des Schweizer Astronauten Claude Nicollier, der von der ESA bei ihrer allerersten Rekrutierungskampagne im Jahr 1978 selektioniert wurde. Mit grosser Begeisterung hat er in einem Interview seine Erfahrungen mit uns geteilt und wertvolle Tipps für eine möglichst erfolgsversprechende Bewerbung gegeben. Hier ein Ausschnitt daraus:

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Claude Nicollier ist der bis anhin einzige Schweizer Astronaut. Nach 12 (!) Jahren Training flog er am 31. Juli 1992 an Bord der Raumfähre Atlantis erstmals ins Weltall.

Was empfehlen Sie den Schweizerinnen und Schweizern, die sich für eine Astronautenlaufbahn bei der ESA bewerben möchten?
Claudie Nicollier: Man muss dieses Auswahlverfahren ein bisschen wie eine Prüfung an einer Universität sehen: Wer sicher bestehen will, bereitet sich vor. Auf eine Astronautenauswahl muss man sich physisch, mental und vor allem auf Wissensebene vorbereiten. Als Lektüre empfehle ich das Buch des ESA-Astronauten Tim Peak, der 2009 selektioniert wurde. Es enthält viele Ratschläge, wie man sich optimal vorbereiten und seine Chancen auf eine Auswahl maximieren kann.

Was sind die körperlichen Voraussetzungen für eine Astronautenlaufbahn?
Sie müssen gesund sein, vor allem was das Herz-Kreislauf-System und das Innenohr betrifft, und über ein perfektes Sehvermögen verfügen. Eine Korrektur mit Brille oder Kontaktlinsen ist kein Hindernis. Ein robustes Herz-Kreislauf-System ist grundlegend für den raschen Übergang in die Schwerelosigkeit, da der Organismus dabei stark belastet wird. Sportarten wie Laufen, Skifahren, Tennis, Bergsteigen oder auch Schwimmen eignen sich ausgezeichnet, um körperlich fit zu bleiben.

Und die psychischen Voraussetzungen?
Man muss ausgeglichen sein und einen kühlen Kopf bewahren! Mit beruflichem oder persönlichem Stress umgehen können, ist ebenfalls sehr wichtig. Für Astronauten ist beispielsweise der Start oder der Eintritt in die Umlaufbahn ein extrem intensiver Moment, der mit mentalem Stress verbunden ist: Das ist der Beginn eines grossen Abenteuers, ein einzigartiges Erlebnis… und gleichzeitig muss man konzentriert bleiben, um jederzeit reagieren zu können, falls man selbst oder das Team mit einem Problem konfrontiert ist.

Welche Einstellung muss eine Astronautin oder ein Astronaut mitbringen?
Für diesen Beruf braucht es zweifellos eine grosse Leidenschaft! Nur dank dieser Begeisterung hält man den relativ anspruchsvollen Trainings und der physischen und mentalen Belastung stand. Man muss motiviert, wissbegierig und offen sein für andere Wissensgebiete, die es braucht, um die Arbeit als Astronautin oder Astronaut vollumfänglich ausführen zu können.
 
Das ganze Interview mit Claude Nicollier ist hier verfügbar.

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