Erprobte Instrumente und bewährte Massnahmen für den Lehrstellen- und Berufseinsteigermarkt

Die Berufsbildung erweist sich als krisenresistent, dies auch dank erprobter Instrumente zur Stabilisierung, die während der Corona-Pandemie reaktiviert und weiterentwickelt worden sind. Mit dem Förderschwerpunkt «Lehrstellen Covid-19» unterstützt der Bund seit Ende Mai 2020 Kantone und Organisationen der Arbeitswelt bei Massnahmen in den Bereichen Berufswahl, Rekrutierung und Aufrechterhaltung der beruflichen Grundbildung. Im Hinblick auf Sommer 2021 gilt es zudem, die Situation der Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger im Auge zu behalten.

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Eine berufliche Grundbildung vermittelt die zur Ausübung eines Berufes notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse. In der Schweiz entscheiden sich jedes Jahr rund zwei Drittel der Jugendlichen für eine Berufslehre als Einstieg in die Arbeitswelt.
Bild: Monique Wittwer

Für Jugendliche bietet der berufsbildende Weg auch in der aktuellen Situation intakte Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten. Die Verbundpartner der Berufsbildung – Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt – setzen alles daran, dass Berufswahl und Lehrstellenbesetzung reibungslos verlaufen. Die Jugendlichen haben eine Auswahl an rund 230 beruflichen Grundbildungen und können entsprechend ihren Neigungen und Eignungen den für sie passenden Weg finden.

Nachdem im Jahr 2020 etwas mehr Lehrverträge abgeschlossen werden konnten als im Vorjahr, zeigt sich der Lehrstellenmarkt auch 2021 insgesamt stabil. Das grosse Engagement der Ausbildungsbetriebe seit Beginn der Corona-Pandemie macht ihr Interesse deutlich, den Jugendlichen auch unter den aktuell erschwerten Bedingungen zukunftsfähige Ausbildungsplätze und attraktive Berufsperspektiven anzubieten. Sie sichern sich damit den Nachwuchs an gut qualifizierten Fachkräften.

Auf Bewährtes zurückgreifen und optimieren
Der normale Ablauf der Berufswahl und Rekrutierungsverfahren – wie Schnupperlehren und Vorstellungsgespräche – ist aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus beeinträchtigt. Die Verbundpartner der Berufsbildung treten diesen Herausforderungen gemeinsam entgegen. Die Koordination erfolgt im Rahmen der nationalen Task Force «Perspektive Berufslehre».

Lehrstellenangebot: Bewährtes Massnahmenspektrum

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Die Schweiz hat Erfahrung im Umgang mit Ungleichgewichten auf dem Lehrstellen- und Berufseinsteigermarkt. Es existieren erprobte Instrumente zu ihrer Bewältigung, die während der Pandemie reaktiviert und weiterentwickelt wurden.
Grafik: Hannes Saxer

Bei der Suche nach entsprechenden Lösungen macht die Task Force «Perspektive Berufslehre» folgende Empfehlungen:

  • Unnötige Schlaufen für Lernende wenn möglich vermeiden.
  • Soweit möglich sollen weiterhin duale Berufslehren angeboten und nicht auf schulisch organisierte Angebote umgestellt werden.
  • Möglichst bestehende Strukturen weiterentwickeln statt Neues schaffen.

Zahlreiche Projekte zur Stabilisierung des Lehrstellenmarktes
Seit der Schaffung des Förderschwerpunktes «Lehrstellen Covid-19» Ende Mai 2020 wurden vom SBFI rund 45 Gesuche aus allen Landesteilen gutgeheissen, mit einem Fördervolumen von insgesamt über 18 Millionen Franken (Stand Anfang Mai 2021). Dazu zählt zum Beispiel das Projekt «Online Lehrstellenbörsen 2021» des Gewerbeverbandes Basel-Stadt in Zusammenarbeit mit dem Kanton. In dessen Rahmen wurden von Januar bis Juni 2021 sechs Online-Lehrstellenbörsen durchgeführt. Auch in der Ostschweiz sind mehrere Kantone daran, basierend auf dem gleichen Tool ein solches Angebot einzurichten. Ebenfalls gutgeheissen hat der Bund ein Projekt des Vereins «LIFT», welches Jugendliche bei der Lehrstellensuche durch gezielte Coachings und Praktikum-Einsätze unterstützt. Über den Förderschwerpunkt unterstützt das SBFI zudem zahlreiche virtuelle Berufs- oder Ausbildungsmessen, damit Jugendliche den Berufswahlprozess und die Lehrstellensuche trotz Corona-bedingter Einschränkungen möglichst reibungslos fortsetzen können.

Übergang von der Lehre in den Arbeitsmarkt
Zurzeit bereiten sich die diesjährigen Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger auf den Übertritt in den Arbeitsmarkt ab Sommer 2021 vor. Eine wichtige Voraussetzung für die Fortführung ihrer Berufslaufbahn sind die Entscheide des Bundesrats und des SBFI vom März 2021: Die Qualifikationsverfahren der beruflichen Grundbildung und die der kantonalen Berufsmaturitätsprüfungen sollen 2021 trotz Pandemie, wenn immer möglich, regulär durchgeführt werden. Lernende können somit einen vollwertigen, von den Branchen getragenen und auf dem Arbeitsmarkt anerkannten Berufsabschluss erlangen. Dies ist ein wichtiges Anstellungskriterium und sichert langfristige Berufsperspektiven. Absolvierende der Sekundarstufe II können im Herbst 2021 sowohl im allgemeinbildenden als auch im berufsbildenden Bereich einen weiterführenden Studiengang auf Tertiärstufe aufnehmen.

Für Personen, die auf der Suche nach einer Anschlusslösung sind, stehen Angebote der Berufs- und Laufbahnberatung zur Verfügung. Auch wurden an verschiedenen Berufsfachschulen zusätzliche Beratungsangebote für Lernende im letzten Lehrjahr eingeführt. Die Krise hat gezeigt, dass der proaktive und frühzeitige Einbezug der Berufsfachschulen beim sogenannten Übergang 2 sinnvoll ist. Schliesslich bieten Mobilitätsprogramme im Inland eine Möglichkeit, sich zusätzliche Sprachkompetenzen anzueignen. Und zudem kann die Arbeitslosenversicherung gezielt intervenieren.

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