Vom Silicon Valley ins Tessin: Ein Storytelling-Camp mit Swissnex

Swissnex unterstützt Schweizer Akteure und Institutionen aus dem Bereich Bildung, Forschung und Innovation bei der internationalen Vernetzung und im globalen Austausch von Wissen, Ideen und Talenten. Yannick Heiniger, stellvertretender Geschäftsführer von Swissnex in San Francisco, und Iris Schuler, stellvertretende Direktorin der Schweizerischen Studienstiftung, erzählen von ihrem gemeinsamen Projekt im Bildungsbereich und wie sie damit Schweizer Studierende mit kalifornischen Kommunikationsexperten virtuell zusammengebracht haben.

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Am Storytelling-Camp der Schweizerischen Studienstiftung und Swissnex in San Francisco lernten 16 Schweizer Studierende unterschiedliche Facetten der mündlichen Ausdrucksweise kennen. Damit auch die Mimik voll zum Ausdruck gebracht werden konnte, durften sie beim Theaterworkshop an der Accademia Teatro Dimitri die Covid-19-Masken ausziehen. Bild: Riccardo Ferraris

Swissnex ist das weltweite Schweizer Netzwerk für Bildung, Forschung und Innovation. Worauf legt Swissnex in San Francisco seinen Fokus?
Yannick Heiniger: Bei Swissnex in San Francisco konzentrieren wir uns darauf, die nächste Generation von Innovatorinnen und Innovatoren dabei zu unterstützen, ihr Potenzial auszuschöpfen. Und wir wollen sie darauf vorbereiten, einen nachhaltigen Beitrag zur Veränderung der Welt zu leisten. Dies tun wir über gezielte Programme in Partnerschaft mit öffentlichen und privaten Schweizer Organisationen. Unser Angebot beinhaltet sowohl virtuelle Veranstaltungen wie auch Anlässe vor Ort, in unseren Räumlichkeiten am Pier 17 in der San Francisco Bay Area in der Nähe des Silicon Valley.

Sind die virtuellen Programme eine direkte Folge der Covid-19-Pandemie?
Yannick Heiniger: Ja, definitiv. 2020 feierten wir das 20-jährige Bestehen des Swissnex Netzwerks während der Covid-19-Krise, eine der schwierigsten Zeiten unserer Geschichte. Die Einschränkungen, mit denen wir konfrontiert waren, führten uns die Grenzen unseres Unterstützungsmodells vor Augen, das bislang stark von physischen Veranstaltungen und internationaler Mobilität abhängig war. Wir haben diese Erkenntnis zum Anlass genommen, um Programme zu erarbeiten, die einer neuen Normalität entsprechen, in der die Swissnex-Erfahrung in einem hybriden Format angeboten wird. Die jüngste Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Studienstiftung ist ein schönes Beispiel dafür.

Was war das konkret für eine Zusammenarbeit?
Iris Schuler: Gemeinsam mit Swissnex in San Francisco organisierten wir ein Storytelling-Camp für 16 Studierende aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Sie waren acht Tage gemeinsam in Locarno und hatten Workshops vor Ort wie auch virtuell.

Yannick Heiniger: Das Programm unterstützte sie in erster Linie dabei, ihre Stimme zu finden, ihre einzigartige Geschichte zu formulieren und sich die Kunst des Storytellings in persönlichen und virtuellen Workshops anzueignen. Diese wurden von interdisziplinären Fachleuten aus den USA und der Schweiz geleitet. Wir haben erkannt, dass die Erfahrung des Silicon Valley in eine hybride Form umgewandelt werden kann, indem wir tägliche Live-Sitzungen in der Schweiz mit Expertinnen und Experten aus der Bay Area abhalten. Auch unsere Mitarbeitenden in San Francisco begleiteten die Sitzungen virtuell.

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Yannick Heiniger ist stellvertretender Geschäftsführer von Swissnex in San Francisco und zuständig für institutionelle Partnerschaften.
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Iris Schuler ist stellvertretende Direktorin der Schweizerischen Studienstiftung. Sie leitet die Bereiche Auswahl und individuelle Förderung sowie verschiedene Bildungsprogramme.

Ursprünglich hätte das Camp in San Francisco stattfinden sollen. Hat sich das hybride Format als Alternative bewährt?
Iris Schuler: Ja, auf jeden Fall. So konnten wir die Vorteile der physischen Präsenz nutzen, beispielsweise den informellen Austausch oder das Peer-Learning, und gleichzeitig von der Expertise aus San Francisco profitieren. Auch bei den Online-Formaten war interaktives Arbeiten dank der Erfahrung der Workshop-Leitenden sowie der dynamischen Studierenden-Gruppe möglich.

Yannick Heiniger: Wir werden auch künftig solche Formate anbieten. Dieser Schritt in Richtung hybride und digitale Programmmodelle ist für Swissnex in San Francisco wichtig, um in Zukunft eine Wirkung zu erzielen, ohne auf internationale Reisen angewiesen zu sein. Dadurch reduzieren wir den CO2-Ausstoss und unterstützen zwei Ziele der Schweizer BFI-Politik: nachhaltiger zu arbeiten und digitale Hilfsmittel zu nutzen, um Bildungsprogramme zwischen den USA und der Schweiz zu erarbeiten.

Das Storytelling-Camp hat also auch dazu beigetragen, im Sinne der aktuellen BFI-Politik die Digitalisierung und nachhaltige Entwicklung zu fördern?
Yannick Heiniger: Ja, dank diesem Programm übten die Studierenden ihre Fähigkeit des Geschichtenerzählens in verschiedenen digitalen Formaten. Dies ist für Organisationen und Einzelpersonen noch wichtiger geworden, um ihr Wachstum zu unterstützen, ihre Marke zu entwickeln und für sich und ihre Arbeit online Sichtbarkeit zu erlangen. Das Format wirkte sich auch positiv auf das Klima aus, da die 16 Studierenden für das Storytelling-Camp nicht um die ganze Welt reisten mussten.

Warum war es von Vorteil, Expertinnen und Experten aus den USA dabei zu haben?
Iris Schuler: Amerikanerinnen und Amerikaner überraschen oftmals mit ihrer kommunikativen Präsenz: Sie verbinden das, was sie tun, mit ihrem Hintergrund, ihrem Traum, ihrer Leidenschaft und weben das «Ich» als wichtigen Protagonisten in Geschichten ein. In der Schweiz halten wir uns tendenziell an die Fakten und vermeiden Übertreibungen. Mit der Erkenntnis, dass ein guter Pitch einen emotionalen Aufhänger braucht, erzählten die Schweizer Studierenden unter fachlicher Anleitung ihre «Story» aus einem anderen Blickwinkel.

Gab es weitere Gründe für die Zusammenarbeit mit Swissnex in San Francisco?
Iris Schuler: Ja, wir wollen durch solche Projekte jungen Studierenden aus der Schweiz den Zugang zum Innovations-Hub San Francisco öffnen, denn das Silicon Valley und der Hochschulstandort Kalifornien insgesamt sind Anziehungspunkte für internationale Nachwuchstalente.

Welchen Wert hat Swissnex für die Schweizerische Studienstiftung?
Iris Schuler: Aufgrund seines internationalen Netzwerks in Bildung, Forschung und Innovation ist Swissnex ein wichtiger Partner für uns. Der Auftrag der Schweizerischen Studienstiftung und jener von Swissnex überschneiden sich in vielen Bereichen, und gemeinsam können wir Synergien nutzen. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Swissnex-Standorten erhalten engagierte Studierende aus der Schweiz Zugang zu künftigen Arbeitgebern oder Forschungsplätzen auf der ganzen Welt.


Die Schweizerische Studienstiftung fördert auch mit der Unterstützung des Bundes interessierte, engagierte und leistungsstarke Studierende. Die ins Förderprogramm aufgenommenen Studierenden und Doktorierenden erhalten Zugang zu interdisziplinären Bildungsangeboten, individueller Beratung, finanzieller Unterstützung sowie vielfältigen Vernetzungsmöglichkeiten.

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