Talentförderung

Begeisterung, Wissensdurst und überdurchschnittliches Engagement von jung auf

Die Schweizerische Studienstiftung, die Wissenschafts-Olympiade und die Stiftung Schweizer Jugend forscht engagieren sich für die Talentförderung. Der Bund unterstützt ihr Engagement mit dem Ziel, das wissenschaftliche Potenzial von Nachwuchskräften möglichst früh, langfristig und umfassend auszuschöpfen. Dass diese Organisationen Wirkung erzeugen, beweisen die nachstehenden Porträts von vier jungen Menschen. Sie profitieren nicht nur persönlich von der Unterstützung, sondern engagieren sich auch aktiv für eine innovative, wirtschaftlich starke und gesellschaftlich geeinte Schweiz.

Nicolas Zahn

Projektmanager «Swiss Digital Initiative»; Mitglied von Reatch und foraus

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Nicolas Zahn: «Ich finde es wichtig, dass die nächste Generation interdisziplinär gefördert wird.»
Bild: Severin Nowacki

Zwei engagierte Deutschlehrer waren es, die Nicolas Zahn (32) als Schüler der Kantonsschule Kreuzlingen (TG) dazu brachten, sich bei verschiedenen Talentförderungs-Organisationen zu melden. Da sich Nicolas stark zur Informatik hingezogen fühlte, besuchte er 2006 die Studienwoche «Faszination Informatik» der Stiftung Schweizer Jugend forscht. «Die Woche an der Universität Basel hat mich sehr beeindruckt. 

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Leidenschaft, mit der uns der IT-Coach unterrichtet hat», sagt er heute. Diese Erfahrung bestärkte ihn in seinem Interesse und er entschied sich für Informatik als Nebenfach zu seinem Studium der Politikwissenschaften an der Universität Zürich. 2008 wurde der Thurgauer ins Förderprogramm der Schweizerischen Studienstiftung aufgenommen. Heute kann er alle seine Leidenschaften vereinen: Er arbeitet als Projektmanager bei der «Swiss Digital Initiative». «Interdisziplinarität ist auch eine Dimension, auf die mich die Schweizerische Studienstiftung aufmerksam gemacht hat.» Nicolas Zahn schafft gerne Treffpunkte: Er ist Mitglied der beiden Thinktanks Reatch und foraus, die Wissenschaft und Politik verbinden. Zudem ist er Mitbegründer der Operation Libero. Auch die Frage der Talentförderung bleibt für ihn wichtig: «Die nächste Generation muss in Sachen Interdisziplinarität gefördert werden. Dieser Aspekt der Forschung kann weiter ausgebaut werden, insbesondere im Bereich der Digitalisierung.»

Viviane Kehl

Systemingenieurin; Freiwillige der Mathematik-Olympiade

Die Begeisterung für Mathematik begleitet Viviane Kehl (27) aus Küsnacht (ZH) schon fast ihr ganzes Leben. Ihr Wissensdurst führte sie zuerst zur Junior Euler Society, später zur Wissenschafts-Olympiade. Zwischen 2011 und 2013 gewann sie diverse Preise an den Schweizer Mathematik- und Physik-Olympiaden, international kamen Medaillen an der European Girls’ Mathematical Olympiad (EGMO) hinzu.

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Als Schülerin und Studentin profitierte Viviane Kehl von den Förderangeboten, heute gestaltet die Mathematikerin sie aktiv mit. Bild: Wissenschafts-Olympiade/Severin Nowacki

Zudem wurde ihre Maturarbeit von Schweizer Jugend forscht am Nationalen Wettbewerb mit dem Prädikat «hervorragend» ausgezeichnet. Während ihrer Matura erfuhr sie auch vom Förderprogramm der Schweizerischen Studienstiftung. Die drei Organisationen halfen Viviane, ihr Studienfach einzuordnen und in seiner Breite wahrzunehmen: «Die Wissenschafts-Olympiaden gaben mir die Möglichkeit, mich mit der weiten Welt der Mathematik zu beschäftigen. Schweizer Jugend forscht hat meine Begeisterung für das selbständige Forschen geweckt.» Dank der Schweizerischen Studienstiftung erhielt sie parallel zum Mathematik-Studium an der ETH Zürich Einblicke in diverse weitere Themengebiete. «Ich habe über die Disziplinen hinweg viele tolle Personen kennengelernt.» Viviane liegt es am Herzen, ihre positiven Erfahrungen weiterzugeben und sich aktiv für eine stärkere Präsenz von Frauen in den MINT-Fächern einzusetzen. Auf dieses Ziel arbeitet sie nicht zuletzt als Advisory-Board-Präsidentin der European Girls’ Mathematical Olympiad hin. Mittlerweile hat Viviane den Schritt ins Berufsleben gemacht. Sie arbeitet bei den SBB als Systemingenieurin und widmet sich damit einer weiteren langjährigen Faszination: Züge.

Nina Kathe

Studentin Biomedizin; Freiwillige der Biologie-Olympiade

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Nina Kathe: «Ich will Schülerinnen und Schülern mit Rat und Tat zur Seite stehen, um ihnen den Weg in die Wissenschaft schmackhaft und leichter zu machen.»
Bild: Severin Nowacki

Antikörper entwickeln, die den HI-Virus eliminieren – dies ist das erklärte Ziel von Nina Kathe (23) aus Suhr (AG). Ein hochgestecktes Ziel, auf das sie sich im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Universität und dem Unispital Zürich fokussiert. Aufgrund ihrer Begeisterung für Biologie kam sie während ihrer Zeit an der Alten Kantonsschule Aarau in Kontakt mit Schweizer Jugend forscht und der Wissenschafts-Olympiade.

Ihre Maturarbeit wurde 2017 am Nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend forscht mit dem Prädikat «hervorragend» prämiert. 2017 durfte sie an der Schweizer und der internationalen Biologie-Olympiade Edelmetall entgegennehmen. Mit der Biologie-Olympiade ist sie bis heute eng verbunden, zum einen als Verantwortliche für Genetik beim nationalen Wettbewerb, zum anderen als Jury-Mitglied bei der internationalen Ausgabe. «Ich will mein Wissen an interessierte Schülerinnen und Schüler weitergeben und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, um ihnen den Weg in die Wissenschaft schmackhaft und leichter zu machen», sagt Nina Kathe. Seit 2017 wird sie zudem durch die Schweizerische Studienstiftung gefördert. Das Förderprogramm der Studienstiftung bietet ihr die Möglichkeit, an ihren Soft Skills zu arbeiten und über den Tellerrand ihres eigenen Forschungsgebiets zu schauen. Nina betont, dass sie dank den drei Organisationen viele Gleichgesinnte in der Schweiz und im Ausland kennenlernen durfte, mit denen sie eng verbunden bleibt. Ausgleich findet sie insbesondere beim Sport, wie nicht zuletzt ihr schwarzer Gürtel in Karate zeigt.

Théophile Ischer

Bauzeichner; künftiger Masterstudent in Stadtplanung

Théophile Ischer (24) arbeitet als gelernter Bauzeichner, als er 2017 ein eigenes Miniatur-Aquaponik-System entwickelt: Sein System verwendet Fischausscheidungen als Dünger für Pflanzen. Dank seiner Erfindung gewann er einen Wettbewerb für nachhaltige Entwicklung in Neuenburg. Daraufhin wurde er von der Stiftung Schweizer Jugend forscht kontaktiert, um am Nationalen Wettbewerb teilzunehmen. Im Jahr 2018 erhielt sein Projekt dort das Prädikat «sehr gut».

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Théophiles Weg zeigt auf, welche Möglichkeiten das durchlässige Schweizer Bildungssystem eröffnet. Bild: Schweizer Jugend forscht

Im selben Jahr nahm er auch am International Swiss Talent Forum teil, das jedes Jahr 70 junge Finalistinnen und Finalisten von Schweizer und internationalen Wissenschafts-Wettbewerben zusammenbringt. «Es ist ein aussergewöhnliches Abenteuer, bei dem wir uns mit anderen jungen Menschen austauschen, die beispielsweise die Gelegenheit hatten, an der Nobelpreisverleihung teilzunehmen», erklärt er. Bei einem Workshop in Bern mit Schweizer Jugend forscht entdeckte er das Förderprogramm der Schweizerischen Studienstiftung. Er beschloss sofort, sich anzumelden. «Seitdem habe ich von zahlreichen Angeboten profitiert. So besuchten wir zum Beispiel die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in Dübendorf, wo ich mehr über innovative Systeme in meinem Studienfach erfahren konnte.» Théophile arbeitet heute beim Architekturbüro Bjarke Ingels Group (BIG) in Kopenhagen. Nach einem sechsmonatigen Praktikum will er ein Masterstudium im Bereich Stadtplanung beginnen. «Ich bin nicht zufällig hierhergekommen. Der Wunsch, immer einen Schritt weiter zu gehen, hat sich über mehrere Jahre entwickelt, insbesondere durch die Teilnahme an den Förderprogrammen dieser beiden Organisationen.»
 

Autoren: Nicholas Arnold, Schweizerische Studienstiftung und Xénia Villiers, Schweizer Jugend forscht und Wissenschafts-Olympiade.

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