Spezifische Themen (Teil C)

Teil C des Berichts enthält vertiefte Analysen zu Fragestellungen von zentraler Bedeutung für das Schweizer Forschungs- und Innovationssystem. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führten dazu im Auftrag des SBFI sieben Studien durch. Projektgruppen begleiteten die Erarbeitung der Studien. Der Bericht enthält eine Kurzfassung der Studien. Die kompletten Untersuchungen sind in der Schriftenreihe des SBFI publiziert.



Studie 1: Beitrag der Berufsbildung zu Innovation

Autoren: Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner und Dr. Curdin Pfister (Universität Zürich)

In der Schweiz leistet die Berufsbildung einen wesentlichen Beitrag zur Innovation in Betrieben und zur Innovationsfähigkeit der Gesamtwirtschaft. Sie sichert die für Innovationen notwendigen beruflichen Qualifikationen der Arbeitnehmerinnen und -nehmer und bietet ihnen vielfältige Möglichkeiten für Höherqualifizierungen. Damit hilft sie, Innovationen voranzutreiben und schafft optimale Voraussetzungen für die Bewältigung von innovationsbedingtem Wandel am Arbeitsmarkt.

In der Studie werden die für die Innovationsfähigkeit wichtigen Merkmale des Berufsbildungssystems der Schweiz herausgearbeitet und die wesentlichen Herausforderungen aufgezeigt. Dabei werden drei Ebenen (System, Betrieb und Individuum) unterschieden.

Studie 2: Beitrag der Geistes- und Sozialwissenschaften zu Innovation

Autoren: Dr. Gaël Brulé, Prof. Olivier Crevoisier, Dr. Hugues Jeannerat und Prof. Christian Suter (Universität Neuchâtel)

Autoren «Zusätzliche Untersuchung zu Studie 2»: Prof. Franz Barjak, Richard Blaese, Dr. Johan Lindeque, Dr. Elisabeth Maidl und Prof. Pietro Morandi (FHNW)

Mit fast zwei Dritteln der an den Hochschulen erfassten Personen kommt den Geistes- und Sozialwissenschaften im schweizerischen Bildungs-, Forschungs- und Innovationssystem eine bedeutende Stellung zu. Ihr Beitrag zu Innovation wird jedoch oft nicht erkannt beziehungsweise nicht richtig wahrgenommen.

Die Studie geht deshalb der Frage nach, welchen Beitrag die Geistes- und Sozialwissenschaften sowohl zu den kommerziellen als auch zu den sogenannten sozialen Innovationen leisten. Aus den Erkenntnissen der Studie wird ersichtlich, dass Innovationen das Ergebnis eines disziplinenübergreifenden Beitrags sind. Innovation lässt sich somit nicht bloss unter dem Gesichtspunkt der sogenannten exakten Wissenschaften betrachten. Über ihre spezifischen Funktionen – Entwickeln und Organisieren, Sinn verleihen, einen Rahmen vorgeben und in der Gesellschaft gemeinsam Innovationen einführen – kommt deshalb den Geistes- und Sozialwissenschaften im Schweizer Innovationssystem eine Schlüsselrolle zu.

Studie 3: Dienstleistungsinnovationen

Autoren: Prof. em. Beat Hotz-Hart (Universität Zürich) und Prof. Dominique Foray (Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne, EPFL)

Der Dienstleistungssektor spielt in der Schweizer Wirtschaft eine bedeutende Rolle. Die Bedingungen, Verfahren und Auswirkungen von Innovationen in diesem Sektor werden jedoch noch (zu) wenig verstanden. Dieses Wissensdefizit ist besonders gravierend in einer Zeit, in der die Digitalisierung ständig neue Anwendungsfelder eröffnet. In der Untersuchung werden drei ausgewählte Branchen in Form von Fallstudien im Hinblick auf Innovation und Strukturwandel näher untersucht: Zum einen die dem Wettbewerb ausgesetzten Branchen «wissensintensive Dienste» und «Banken», zum andern das Gesundheitswesen.

Die Haupterkenntnisse aus den Fallstudien sind:

  1. Zwischen Innovationen der untersuchten Branchen und herkömmlichen Innovationen in der Industrie bestehen erhebliche Unterschiede.
  2. Durch Digitalisierung ermöglichte Innovationen haben verschiedene Effekte auf den Strukturwandel.
  3. Es bestehen bedeutende Innovations-Potenziale, aber auch Hemmnisse zur Steigerung der Produktivität verschiedener Dienstleistungen.
  4. Aus- und Weiterbildung sowie eine intensivere Vernetzung können wesentlich zur Stärkung wissensintensiver Dienstleistungsinnovationen beitragen.
  5. Für das Monitoring sind die etablierten Innovationserhebungen anzupassen und zu erweitern.

Studie 4: Analyse des Wissens- und Technologietransfers in der Schweiz aus Sicht der Unternehmen

Autoren: Dr. Mathias Beck, Florian Hulfeld, Dr. Andrin Spescha und Prof. Martin Wörter (ETH Zürich, KOF Konjunkturforschungsstelle)

Die Studie untersucht die Ausprägung und die Effektivität des Wissens- und Technologietransfers (WTT) zwischen den Hochschulen und Unternehmen in der Schweiz. Dazu führten die Autoren bei rund 6000 Unternehmen eine schriftliche Umfrage durch und nahmen ökonometrische Schätzungen vor.

Die Studienergebnisse verdeutlichen die hohe Relevanz des WTT in der Schweiz. Informelle Kontakte sowie Aus- und Weiterbildungsaktivitäten sind die wichtigsten Transferformen. Technologietransferstellen und die Förderagentur Innosuisse sind die wesentlichsten Vermittler und Akteure des WTT. Die Institutionen des ETH-Bereichs und die Fachhochschulen sind die häufigsten Transferpartner der Unternehmen. Hemmgründe gegen den WTT haben seitens der Unternehmen im Zeitablauf insgesamt abgenommen. Oft sind fehlende Voraussetzung in den Unternehmen Hemmnis für die Beteiligung am WTT. F&E-aktive Unternehmen nennen teilweise Mängel an den Hochschulen als Eintrittsbarrieren für den WTT. Dazu zählen beispielsweise fehlende Informationen, fehlende Voraussetzungen für den Austausch von Know-how bei den Hochschulen, Kosten- und Risikoaspekte sowie organisatorische und institutionelle Hemmnisse.

Studie 5: Analyse des Wissens- und Technologietransfers in der Schweiz aus Sicht der Wissenschaftsorganisationen

Autoren: Prof. Franz Barjak, Prof. Fabian Heimsch und Dr. Elisabeth Maidl (Hochschule für Wirtschaft FHNW)

Im Zentrum der Studie steht der Wissens- und Technologietransfer (WTT) von Hochschulen und Forschungsinstitutionen (Wissenschaftsorganisationen) in der Schweiz mit Unternehmen. Am wichtigsten ist der Wissensaustausch für die Institute der Fachhochschulen, die intensiv mit Schweizer KMU zusammenarbeiten. Bei den Instituten des ETH-Bereichs ist die Intensität des Wissensaustauschs ebenfalls hoch. Auffallend ist ihre vergleichsweise hohe Anzahl Patentanmeldungen, Lizenzverträge und Spin-offs. Bei den kantonalen Universitäten findet sich eine Zweiteilung: Knapp die Hälfte der Institute, vielfach aus den Naturwissenschaften, zeigen ein mit den ETH-Instituten vergleichbares Verhalten. Die andere Hälfte fokussiert sich stärker auf die Grundlagenforschung und Lehre sowie auf Leistungen für die Gesellschaft (zum Beispiel medizinischen Leistungen). Bedeutende intermediäre Organisationen (z.B. öffentliche Förderagenturen, WTT-Stellen) zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine starke interne Verankerung an einer Hochschule oder Forschungsorganisation haben und Kenntnisse zu Märkten und Kunden aufweisen.

Studie 6: Schutz des geistigen Eigentums und Innovation in der Schweiz

Autoren: Prof. Stefan Bechtold (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) und Prof. Gaétan de Rassenfosse (Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne, EPFL)

Die Studie befasst sich mit dem Schweizer System zum Schutz des geistigen Eigentums und der Frage, wie es die Innovation unterstützt. Sie konzentriert sich auf eine bestimmte Art von geistigem Eigentum, nämlich Patente.

In der Schweiz sind Patentierungen insgesamt verhältnismässig selten. Aufgrund der Globalisierung von Forschung und Entwicklung werden nur wenige der in der Schweiz entstehenden Innovationen beim Schweizer Patentamt als Prioritätsanmeldung hinterlegt. Schweizerische Patentbewerber melden ihre Patente oft beim Europäischen Patentamt an, um sie später in der Schweiz bestätigen zu lassen. Die für diese Untersuchung befragten Industrievertreter sehen das Patentsystem im Allgemeinen positiv, kritisieren jedoch häufig seine Kosten, Komplexität und Langsamkeit. Sie begrüssen die Schaffung des Bundespatentgerichts.

Studie 7: Digitalisierung als Treiber für innovative Geschäftsmodelle

Autoren: Prof. Dr. Roman Hänggi, Christin Eifel und Daniel Nussbaumer (Hochschule Rapperswil); Prof. Dr. Thomas Friedli, Dr. Lukas Budde, Philipp Osterrieder und Dominik Remling (Universität St. Gallen)

Die digitale Transformation und damit verbundene Innovationen ermöglichen den Unternehmen zusätzliches Wachstum. Die Studie untersucht digitale Geschäftsmodelle in den drei Sektoren Banken und Versicherungen, Handel sowie verarbeitendes Gewerbe (aufgegliedert in Chemie- und Pharma- sowie Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie)).

Die Ergebnisse zeigen, dass sich in den drei Sektoren der Stand der Digitalisierung und der generelle Umgang mit dem Thema deutlich unterscheidet. So weist die MEM-Industrie bereits einen hohen Digitalisierungsgrad auf. Die grössten Hürden stellen Regularien und Sicherheitsbedenken der Kunden dar. In allen betrachteten Sektoren besteht nach wie vor hohes Potenzial bei der weiteren Entwicklung digitaler Produkte und Serviceleistungen sowie beim Angebot ganzheitlicher Lösungen. Insbesondere das fundamentale Neudenken eines Geschäftsmodells fällt vielen Unternehmen aus allen Sektoren schwer. Ausbildung zur Entwicklung und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle könnte diesbezüglich Abhilfe schaffen. Jedoch ist zu beachten, dass die digitale Transformation unterschiedlichen Pfaden folgen kann, weshalb jedes Unternehmen für sich den richtigen Weg und die richtige Geschwindigkeit ermitteln muss.

Kontakt

SBFI, Annette Kull

BFI-Systemsteuerung
Wissenschaftliche Beraterin
T +41 58 462 21 49

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