Europäischer Forschungsraum

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Der im Jahr 2000 ins Leben gerufene Europäische Forschungsraum (EFR, engl. European Research Area, ERA) hat zum Ziel, die europäischen Forschungs- und Innovationssysteme besser zu integrieren und die Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union (EU), den EU-Mitgliedstaaten sowie den beteiligten Drittländern zu verbessern. Der Europäische Forschungsraum hat die Absicht, einen einheitlichen, grenzenlosen Markt für Forschung, Innovation und Technologie in den beteiligten Ländern zu schaffen.

Im Jahr 2018 wurde ein Revitalisierungsprozess des EFR eingeleitet, um den sich ändernden Anforderungen im Forschungs- und Innovationsbereich besser gerecht zu werden. Die missionsorientierte Forschung, die darauf abzielt, gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen, und die ‘Open Science’-Politiken spielten hierbei eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund legte die Europäische Kommission (EC) im September 2020 ihre «Mitteilung über einen neuen EFR» vor, die im Dezember 2020 in den «Schlussfolgerungen des Rates zur neuen EFR» bekräftigt wurden. Der neue EFR wird auf Exzellenz beruhen und soll verstärkt internationalen Wettbewerb fördern, talentorientiert und offen sein.

Die neue Gouvernanz des Europäischen Forschungsraums zielt darauf ab, die Koordinierung innerhalb der EU mit ihren Mitgliedstaaten sowie mit assoziierten und relevanten Drittländern und Interessensgruppen zu verstärken. Der neue EFR soll dazu beitragen, dass die Rolle von Forschung und Innovation sowie ihre Nutzung bei der Bewältigung von grenzüberschreitenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen in Europa mehr anerkannt wird.

Derzeit befindet sich der Europäische Forschungsraum in einer Übergangsphase hin zur Umsetzung der neuen EFR-Vision. Im Zuge dieser Transformation wurden 2021 der «Pakt für Forschung und Innovation» und die «ERA Policy Agenda» ins Leben gerufen. «Der Pakt für Forschung und Innovation» legt allgemein vorrangige Bereiche für gemeinsame Massnahmen im Europäische Forschungsraum fest. Die «ERA Policy Agenda» legt Schwerpunkte für den EFR in den nächsten drei Jahre fest und enthält einen Katalog von sogenannten «ERA Actions» für den Zeitraum 2022–2024. Diese sollen zu den im «Pakt für Forschung und Innovation» festgelegten Zielen beitragen. Die finale Ausarbeitung und die mögliche Implementierung der «ERA Actions» sind aktuell noch Gegenstand zur Bearbeitung im ERA-Forum.

  • Die neue Gouvernanz beabsichtigt eine engagierte politische Beteiligung durch eine starke Rolle der Forschungsminister und Forschungsministerinnen im Rat und an den EFR-Ministerkonferenzen.
  • Der Ausschuss für den Europäischen Forschungsraum und Innovation (ERAC) soll weiterhin auf hoher Führungsebene tätig sein und eine strategische Beratungsfunktion bei der Umsetzung des EFR, der Gestaltung der EFR-Politik und der EU-F&I-Politik im Allgemeinen ausüben, um die nationale und die europäische F&I-Politik einander anzunähern.
  • Das neu gegründete ERA-Forum ist als operatives Gremium des EFR dafür verantwortlich, die Koordinierung im Hinblick auf die wirksame Umsetzung der «ERA Policy Agenda» zu verbessern und die Kommission und die Mitgliedstaaten bei der Durchführung der «ERA Actions» zu unterstützen.
  • Das Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) und der Lenkungsausschuss der European Open Science Cloud (EOSC) setzen ihre Arbeit als unabhängige Expertengruppen der Kommission fort und stimmen sich eng mit dem ERA-Forum ab.

Die Schweiz und der Europäische Forschungsraum

Die Schweiz unterstützt die ambitionierten Ziele des neuen EFR. Assoziierte Länder, relevante Drittländer wie die Schweiz, und wichtige Stakeholder sollen im neuen EFR vermehrt fallweise eingebunden werden und so an den Gremien und Ausschüssen teilnehmen.

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) stellt für Forschende in der Schweiz die Möglichkeit sicher, an den EU-Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation teilzunehmen, soweit dies im aktuellen Status (nicht assoziiertes Drittland) möglich ist. Auch koordiniert das SBFI, wo dies vorgesehen ist, die Teilnahme der Schweiz an den verschiedenen Ausschüssen und Initiativen zur Weiterentwicklung des EFR.

Die Schweiz und die EU verbindet eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Innovation, die auch im neuen Europäischen Forschungsraum fortgesetzt werden sollte.

Die Errungenschaften des Europäischen Forschungsraums

In den letzten 20 Jahren wurden im Europäischen Forschungsraum beachtliche Erfolge erzielt. Die folgenden Auszüge geben einen Einblick in die Errungenschaften, an welchen die Schweiz mitgewirkt hat:

  • Forschungsinfrastrukturen: Die Arbeit des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) führte zu Entwicklungsplänen und Bauvorhaben von 63 europäischen Forschungsinfrastrukturen in allen Wissenschaftsbereichen. Dadurch wurden Investitionen in einer Höhe von über 20 Milliarden Euro mobilisiert.
  • Forschungsprogramme: Die gemeinsame Bewältigung grenzübergreifender Herausforderungen durch Koordinierung und Bündelung von Ressourcen hat dazu geführt, dass seit 2004 mehr als 7 Milliarden Euro an nationalen Investitionen in gemeinsame Forschungsprogramme geflossen sind, wobei sich die jährlichen gemeinsamen Ausgaben derzeit auf 800 Millionen Euro belaufen.
  • Forschungskarrieren: Bei der Beseitigung von geografischen Hindernissen für die Mobilität von Forschenden und der Zersplitterung der Forschungskarrieren in Europa wurden erhebliche Fortschritte erzielt. Die «Europäische Charta für Forschende und Verhaltenskodex für die Einstellung von Forschenden», die bereits von 1242 Organisationen angenommen wurde, hat dies vorangetrieben. Darüber hinaus unterstützt die Initiative EURAXESS die Mobilität und Karriereentwicklung von Forschenden durch die Bereitstellung von Informationen und Unterstützungsdiensten.
  • Open Science: Der EFR hat den Zugang zu offenen, kostenlosen, wiederverwendbaren wissenschaftlichen Informationen durch die Open-Science-Initiative und die European Open Science Cloud (EOSC) verbessert. Durch Letztere wurde ein Cloud-Bereich für Forschungsdaten in Europa geschaffen, der durch offenen und gemeinschaftlichen Wissensaustausch eine umfassende Forschung ermöglicht.
  • Internationale Zusammenarbeit: Im Zuge der Covid-19-Pandemie wurde der ERAvsCorona-Aktionsplan ins Leben gerufen. Dieser zielte darauf ab, innerhalb des EFR eine verstärkte Koordinierung, umfassendere Zusammenarbeit, einen gemeinsamen Datenaustausch, sowie eine gemeinsame Finanzierung im Kampf gegen Covid-19 zu erreichen.
  • Geschlechtergleichstellung in Forschung und Innovation: Die Gleichstellung der Geschlechter in Forschung und Innovation ist eine Priorität des Europäischen Forschungsraums (EFR). Bereits im Rahmen der «EFR-Mitteilung 2012» hat die Europäische Kommission drei Ziele festgelegt, um mit den beteiligten Ländern zusammenzuarbeiten und einen institutionellen Wandel zu fördern. Die «ERA Policy Agenda» zielt ebenfalls darauf ab die Gleichstellung der Geschlechter in Forschung und Innovation weiter voranzutreiben.

Kontakt

SBFI, Anna Fill
Wissenschaftliche Beraterin
EU-Rahmenprogramme
T +41 58 485 08 83

SBFI, Giudy Rusconi
Wissenschaftliche Beraterin
EU-Rahmenprogramme
T +41 58 463 27 95

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