Spezifische Themen (Teil C)

Im dritten Teil des Berichts werden übergeordnete oder transversale Fragestellungen mit zentraler Bedeutung für das Schweizer Forschungs- und Innovationssystem untersucht. Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft führten dazu vier Studien durch. Die Erarbeitung wurde von Projektgruppen begleitet. Der Bericht enthält eine Kurzfassung der Studien. Die kompletten Untersuchungen sind in der Schriftenreihe des SBFI publiziert.



Studie 1: Forschungs- und Innovationsaktivitäten von kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz

Autoren: Dr. Heiko Bergmann und Prof. Thierry Volery (Universität St.Gallen)

Diese Studie untersucht die Innovationstätigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Schweiz, deren Besonderheiten und Einflussfaktoren. Leitfragen waren hierbei unter anderem: Wie innovativ sind KMU in der Schweiz in unterschiedlichen Branchen und im internationalen Vergleich? Wo liegen die Hemmnisse für F&I-Aktivitäten?

KMU in der Schweiz können im internationalen Vergleich als überdurchschnittlich innovativ angesehen werden. Am weitesten verbreitet sind Marketing- und Organisationsinnovationen, gefolgt von Produkt- und Prozessinnovationen. Während der Anteil der innovativen KMU in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, hat sich der Umsatzanteil innovativer Produkte insgesamt leicht erhöht, was auf eine zunehmende Konzentration der Innovationsaktivitäten bei weniger KMU hindeutet. Die hohen Kosten und die lange Amortisationszeit in Verbindung mit fehlenden Eigenmitteln stellen bei KMU Hemmnisse für Innovationsaktivitäten dar.

Studie 2: Forschungs- und Innovationsaktivitäten von multinationalen Unternehmen in der Schweiz

Autoren: Prof. Oliver Gassmann, Florian Homann und Prof. Maximilian Palmié (Universität St. Gallen)

Die Studie untersucht F&I-Aktivitäten multinationaler Unternehmen (MNU) in Bezug auf ihren Nutzen für die Schweizer F&I-Landschaft, und ergründet, weshalb MNU F&I-Aktivitäten in der Schweiz durchführen. Weiter werden die Gründe für die Attraktivität verschiedener anderer F&I-Standorte auf Länderebene untersucht und Verbesserungsmöglichkeiten der Rahmenbedingungen für F&I-Aktivitäten von MNU in der Schweiz erörtert.

Es zeigt sich, dass der Nutzen von F&I-Aktivitäten multinationaler Unternehmen für die Schweiz unter anderem in einem signifikanten Beitrag der MNU zur ihrer Wertschöpfung besteht. Dies geschieht durch die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit lokaler Unternehmen, die Schaffung gut bezahlter Arbeitsplätze in der Schweiz, durch qualitativ hochwertigen Ausbildung von Nachwuchs, durch Kooperationen in Forschung und Lehre sowie in der Vernetzung Schweizer Akteuren des F&I-System im In- und Ausland. MNU wirken somit als Katalysator im komplexen F&I-System der Schweiz.

Studie 3: Angebot und Nachfrage öffentlicher Innovationsförderung

Autoren: Prof. Frédéric Varone (Universität Genf), Prof. Andreas Balthasar (Interface, Universität Luzern), Milena Iselin und Chantal Strotz (Interface)

Öffentliche Innovationsförderung findet heute in der föderalistischen Schweiz auf allen politischen Ebenen statt. Dies wirft Fragen zu Koordination und Kohärenz sowie zu allfälligen Doppelspurigkeiten der Aktivitäten staatlicher Instanzen auf.

Die öffentliche Innovationsförderung wird von einer Mehrheit der befragten Unternehmen, welche für einen Innovationspreis nominiert waren, als wichtig beurteilt. Zwei Drittel der antwortenden Unternehmen hatten Kontakte zu Anbietern öffentlicher Innovationsförderung. Der Nutzen dieser Kontakte wird im Allgemeinen als hoch bewertet. Generell schätzen die antwortenden Unternehmen den Nutzen von Kontakten mit kantonalen und regionalen Anbietern sowie den Nutzen "weicher" Dienstleistungen wie Information und Beratung als überdurchschnittlich hoch ein. Vielen antwortenden Unternehmen fehlt jedoch eine Übersicht über die Anbieter und deren Dienstleistungen der öffentlichen Innovationsförderung. Vor allem jene Unternehmen, die noch nie Unterstützung beansprucht haben, sind dieser Meinung.

Studie 4: Fachhochschulen als Akteure im schweizerischen Forschungs- und Innovationssystem

Autoren: Prof. Benedetto Lepori (Università della Svizzera italiana) und Christoph Müller (socio5.ch)

Die Studie untersucht die Rolle der Fachhochschulen (FH) in der schweizerischen F&I-Landschaft. Sie erörtert Entwicklung und Beitrag der FH zum Schweizer F&I-System sowie deren Profil und Kooperationen mit Unternehmen und universitären Hochschulen (Universitäten und ETH). Weiter geht die Studie auch auf die Komplementarität von FH und universitären Hochschulen ein und weist auf mögliche Herausforderungen im Zusammenhang mit dem neuen Bundesgesetz über die Förderung der Hochschulen und die Koordination im schweizerischen Hochschulbereich hin.

Die FH haben ihre Tätigkeiten hinsichtlich Ressourcen, Anzahl Studierender und F&E-Volumen rasch ausgebaut und sich zu wichtigen Akteuren im schweizerischen F&I-System entwickelt. Sie haben ein auf die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung ausgerichtetes Profil geschaffen und sind für private Unternehmen zu einem wichtigen Kooperationspartner geworden. Der Schweiz ist es vergleichsweise gut gelungen, FH und UH in ein einziges System zu integrieren und dabei die Besonderheiten der jeweiligen Profile zu erhalten. Der mit dem HFKG abgesteckte neue rechtliche Rahmen dürfte die Zusammenarbeit und die Komplementarität zwischen den beiden Hochschultypen fördern. Gleichzeitig stellt das Gesetz neue Herausforderungen an die Gestaltung der Aufgabenteilung zwischen FH und UH.

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Kontakt

SBFI, Annette Kull

Wissenschaftliche Beraterin

T +41 58 462 21 49

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