Der europäische Forschungsraum (EFR)

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Die Förderung der wissenschaftlichen Forschung, der technologischen Entwicklung und der Innovation ist ein ausdrückliches Ziel der Europäischen Union (EU). Seit ihrer Gründung unterstützt die EU mittels ihrer Forschungs- und Innovationsprogramme die Zusammenarbeit von Forschenden über die Landesgrenzen hinweg. 2000 beschloss sie zusätzlich, im Bereich Wissenschaft, Forschung und Innovation eine noch stärkere Koordination unter den Mitglieds- und assoziierten Staaten anzustreben, um so einen «Europäischen Forschungsraum» zu etablieren.

Der Rat der Staats- und Regierungschefs der EU hat im März 2000 in Lissabon eine ambitionierte Vorgabe formuliert: Es soll ein «Europäischer Forschungsraum» (EFR oder englisch ERA - «European Research Area») entstehen. Dieser soll für Europas Forschung und Innovation eine ähnliche Bedeutung erhalten wie der Binnenmarkt für Europas Wirtschaft. Wichtigstes Förderinstrument dazu sind die Forschungsrahmenprogramme der Europäischen Union.

Ziel der EU war es, das Grundkonzept des EFR bis Ende 2014 umzusetzen. Der Bericht 2014, der den Stand der Erarbeitung des EFR evaluiert, hält jedoch fest, dass der Prozess zur Schaffung dieses Forschungsraums trotz bedeutender Fortschritte weiter vorangetrieben werden muss, insbesondere durch Reformen auf der Ebene der Mitglieds- und der assoziierten Länder. Der Ausschuss für den Europäischen Raum für Forschung und Innovation (ERAC) hat zu diesem Zweck 2015 eine neue Roadmap erarbeitet, die auf folgende Prioritäten ausgerichtet ist:

  • Effiziente nationale Forschungssysteme: Verstärkte Evaluation der Forschungs- und Innovationspolitik und Schaffung von Synergien zwischen der nationalen und der europäischen Ebene, exzellenzorientierte Mittelvergabe, höhere Investitionen in Wissenschaft und Forschung;
  • Transnationale Kooperationen: Vernetzung nationaler Forschungsprogramme und -organisationen sowie Definition gemeinsamer Forschungsagenden durch Instrumente wie die JPI («Joint Programming Initiatives» - Erarbeitung transnationaler Forschungsprogramme) oder die ERA-NETs (Koordination nationaler und regionaler Forschungs- und Innovationsprogramme);
  • Forschungsinfrastrukturen: Optimierung der öffentlichen Investitionen in Forschungsinfrastrukturen (FI) durch eine Anpassung der nationalen Prioritäten an die europäische Roadmap von ESFRI (European Strategy Forum on Research Infrastructures) und Erleichterung des Zugangs zu FI für Forschende aus ganz Europa. Schweizer Teilnehmende, die sich um die Aufnahme einer FI in die nächste ESFRI-Roadmap bewerben wollen, möchten bitte die ESFRI-Roadmap Anleitung und die Schweizer Kurzanleitung beachten;
  • Offener Arbeitsmarkt für Forschende: Förderung offener, transparenter und leistungsbasierter Bewerbungsverfahren, die der European Charter for Researchers und dem Code of Conduct for Recruitment entsprechen;
  • Gleichstellung: Förderung der Gleichbehandlung der Geschlechter in Wissenschaft und Forschung durch gezielte Massnahmen, insbesondere auf der Ebene der nationalen Forschungsförderagenturen;
  • Wissenstransfer und offener Zugang zu den Forschungsdaten und -resultaten: Förderung des Austauschs zwischen öffentlichen und privaten Akteuren, Verwendung und Aufbau kostenloser elektronischer Plattformen für Publikationen und wissenschaftliche Daten;
  • Internationale Kooperation: Verstärkte Zusammenarbeit mit Drittstaaten, sowohl auf nationaler Ebene als auch im Rahmen von Horizon 2020, um auf internationaler Ebene im Forschungs- und Innovationsbereich die besten Chancen nutzen zu können.


Die Massnahmen, die die an der Schaffung des EFR beteiligten Länder ergreifen, werden von der EU eng begleitet und laufend evaluiert. Die Umsetzung des EFR wird in einem Jahresbericht behandelt. Es ist vorgesehen, das Monitoring des EFR zu verstärken und die Methode der Wirkungs- und Qualitätsstudien zu verbessern.

Der jährlich aktualisierte Bericht «Innovation Union Scoreboard» geht in eine ähnliche Richtung. Er vergleicht verschiedene Indikatoren, die die Innovation in den am EFR beteiligten Ländern messen. Dabei wird als assoziiertes Land auch die Schweiz berücksichtigt.

Die Schweiz und der europäische Forschungsraum

Die Realisierung eines europäischen Forschungsraums ist ein strategisches Ziel der EU. Die Schweiz, die die ambitionierten Ziele des EFR teilt und deren Beteiligung der Bedeutung und der Beständigkeit der starken wissenschaftlichen Tradition entspricht, ist als assoziiertes Land Teil des EFR.

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) stellt einerseits für Forschende in der Schweiz die Möglichkeit sicher, an den EU-Forschungsrahmenprogrammen teilzunehmen und koordiniert andererseits die Teilnahme der Schweiz an den verschiedenen Ausschüssen und Initiativen zur Schaffung des EFR.

Weiterführende Informationen

Kontakt

SBFI, Lisa Müller

Wissenschaftliche Beraterin
EU-Rahmenprogramme

T +41 58 463 86 47

SBFI, Sonja Merwar

T +41 58 463 52 78

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