Forschungsrahmenprogramme der Europäischen Union

050

Die Forschungsrahmenprogramme (FRP) sind die Hauptinstrumente der Europäischen Union zur Umsetzung ihrer gemeinschaftlichen Wissenschafts- und Innovationspolitik. Am 1. Januar 2014 startete die neuste, achte Generation "Horizon 2020 – das Rahmenprogramm der EU für Forschung und Innovation". Dieses dauert bis 2020 und umfasst ein Gesamtbudget von rund 80 Milliarden Euro. Das bisher parallel laufende Programm der Europäischen Atomgemeinschaft für Forschungs- und Ausbildungsmassnahmen im Nuklearbereich ("Euratom-Programm") ist neu integraler Bestandteil von Horizon 2020.

Die Wissenschafts- und Technologiepolitik der EU ist in den Verträgen von Maastricht und Amsterdam angelegt. Sie hat zum Ziel, die Forschung in den Ländern Europas überall dort transnational zu bündeln, wo es sinnvoll ist, sei es wegen der Kosten und der Dimension der Forschungsarbeiten oder weil es sich um die Lösung von Problemen handelt, die für ganz Europa von zentraler Bedeutung sind. Entsprechend sollen europäische Forschungsziele subsidiär zu den Bestrebungen der einzelnen Mitgliedstaaten im Bereich Wissenschaft und Innovation definiert werden.

Die ersten Forschungsrahmenprogramme (FRP) starteten 1984. Bis und mit der sechsten Generation (2003-2006) handelte es sich dabei um Programme mit jeweils vier- oder fünfjähriger Laufzeit. Seit 2007 dauern sie insgesamt sieben Jahre. Anfang 2014 wurden die FRP unter dem Namen "Horizon 2020" zum achten Mal lanciert.

Finanziert werden die FRP einerseits von den EU-Mitgliedstaaten über deren reguläre Beiträge an die EU. Andererseits leisten assoziierte Staaten anteilsmässig Beiträge gemäss ihrem Bruttoinlandprodukt (BIP). Seit Beginn der FRP ist deren Budget kontinuierlich angestiegen, und die jeweiligen thematischen Schwerpunkte und Instrumente haben sich den gesellschaftlichen und politischen Bedürfnissen in Europa angepasst. Genauere Informationen über diese Entwicklung gibt der Überblick über die früheren FRP.

Anträge für Projekte im Rahmen von EU-FRP werden von Forschenden aus einem oder mehreren Staaten gemeinsam ausgearbeitet, in der Regel im Hinblick auf konkrete Ausschreibungen der EU, und von unabhängigen Expertinnen und Experten evaluiert. Entsprechend fliessen die EU-Forschungsgelder zugunsten von Wissenschaftsinstitutionen und Unternehmen kompetitiv in die beteiligten Staaten zurück. Ein Überblick über die aktuellen Ausschreibungen und Fördermöglichkeiten findet sich auf dem Teilnehmerportal der EU.

Die Teilnahme an den Forschungsrahmenprogrammen der EU, die von Brüssel aus verwaltet werden, gehört zu den Prioritäten der schweizerischen Wissenschaftspolitik. Forschende von Schweizer Hochschulen und der Privatwirtschaft beteiligen sich seit 1987 an den Rahmenprogrammen. Seither hat sich das Feld der Teilnehmer laufend erweitert: Während des 3. FRP (1990-1994) wurden 500 Schweizer Projektteilnehmer mit insgesamt knapp 130 Mio. CHF unterstützt, im 6. FRP waren es bereits 1‘900 Teilnehmer und eine Fördersumme in der Höhe von knapp 800 Mio. CHF.

Die Bilanz zum 7. FRP (2007-2013) zeigt, dass Forschende in der Schweiz auch in diesen Jahren im Wettbewerb um EU-Forschungsgelder sehr erfolgreich waren. Insgesamt sind rund 2‘482 Mio. CHF an Fördermitteln in die Schweiz geflossen. Zudem hatte die Schweiz über diesen Zeitraum gemessen die vierthöchste Erfolgsrate von eingereichten Projekten.

Forschungsabkommen zwischen der Schweiz und der EU

In Bezug auf die Teilnahmebedingungen der Schweiz an den FRP ist der 1. Januar 2004 ein wichtiges Datum. Bis zu diesem Zeitpunkt nahm die Schweizer Forschung mit beschränkten Rechten und direkt vom Bund finanziert an den Projekten der FRP teil. Ab 2004 ermöglichte ein entsprechendes bilaterales Abkommen mit der EU, dass die Schweiz als assoziiertes Land mit allen Rechten und Pflichten an den 6. FRP - also sowohl am Forschungs- als auch Euratom-Programm - teilnehmen konnte. Ein vergleichbares bilaterales Abkommen konnte ebenso für die integrale Teilnahme an den 7. FRP (2007-2013) abgeschlossen werden.

Durch die Assoziierung erhielt die Schweiz das Recht, in den Leitungskomitees der spezifischen Programme sowie in diversen Steuerungsausschüssen vertreten zu sein. Dies gewährte ihr einen direkten Zugang zu Informationen und eröffnete ihr die Möglichkeit, an der Durchführung der aktuellen sowie der Ausgestaltung zukünftiger EU-Rahmenprogramme mitzuwirken.

Auch für das 8. FRP - das Horizon 2020-Paket inkl. Euratom - war eine Vollassoziierung der Schweiz vorgesehen. Durch den Ausgang der Volksabstimmung vom 9. Februar 2014 zur sogenannten Masseneinwanderungsinitiative und dem darauffolgenden Ausbleiben der Unterzeichnung des Kroatienprotokolls wurde der Schweiz die vollständige Assoziierung an Horizon 2020 durch die Europäische Kommission verweigert. Als Folge einer neuen Einigung wurde stattdessen am 5. Dezember 2014 ein Abkommen über eine Teilassoziierung unterzeichnet, welches rückwirkend per 15. September 2014 und vorerst bis Ende 2016 gilt. Damit nimmt die Schweiz an gewissen Bestandteilen von Horizon 2020 weiterhin als assoziierter Staat teil. Dies betrifft den Pfeiler "Wissenschaftsexzellenz", den Programmteil "Exzellenz verbreiten und Partizipation ausweiten" und Euratom (siehe Horizon 2020).

In den übrigen Bereichen von Horizon 2020 zählte die Schweiz als Drittstaat. Mit einigen Ausnahmen konnten sich Forschende in der Schweiz dennoch an den Förderinstrumenten des Rahmenprogramms beteiligen und entsprechende Projektanträge einreichen erhielten jedoch keine Forschungsbeiträge aus der EU. Die Eidgenossenschaft hat deshalb beschlossen, Forschende in der Schweiz direkt zu finanzieren, deren Teilnahme an Verbundprojekten im Rahmen von Horizon 2020 durch die Europäische Kommission nicht gefördert wurde (siehe Horizon 2020).

Die Frage ob die Schweiz ab 2017 vollständig assoziiert an Horizon 2020 sein würde oder in allen Programmbereichen in den Drittstaatstatus degradiert werden würde hing von der Fortführung der Personenfreizügigkeit in der Schweiz und deren Erweiterung auf Kroatien ab. Am 16. Dezember 2016 ratifizierte der Schweizerische Bundesrat die Ausweitung des Personenfreizügigkeitsabkommens auf Kroatien  und erfüllte somit die notwendige Bedingung für die Vollassoziierung der Schweiz an Horizon 2020 ab Anfang 2017. Als Folge dieser Ratifizierung ist die Schweiz ab 01.01.2017 am Horizon 2020-Paket vollassoziiert. Die Europäische Kommission hat das Informationspapier bezüglich dem Status der Schweiz entsprechend aktualisiert.

Das SBFI vertritt die Schweiz

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI nimmt die Vertretung der Schweiz wahr. In den Bereichen, in denen sie assoziiert ist, erhält die Schweiz Beobachterstatuts und kann in den europäischen Programmkomitees Einsitz nehmen. In diesen Gremien werden die Arbeitsprogramme und Ausschreibungen diskutiert sowie die Evaluationsverfahren der Forschungsrahmenprogramme überwacht.

Für die operative Informationsvermittlung an Forschende in der Schweiz mandatiert und finanziert das SBFI das Informationsnetz Euresearch, welches die Forschenden, die sich für eine Teilnahme an der europäischen Forschungszusammenarbeit interessieren, über Ausschreibungen informiert und bei Projekteingaben berät.

Weiterführende Informationen

Dokumentation

Abkommen (PDF, 463 kB, 29.01.2015)für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und der Europäischen Atomgemeinschaft und der Schweizerischen Eidgenossenschaft zur Assoziierung der Schweizerischen Eidgenossenschaft an das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ und an das Programm der Europäischen Atomgemeinschaft für Forschung und Ausbildung in Ergänzung zu „Horizont 2020“ sowie zur Beteiligung der Schweizerischen Eidgenossenschaft an den ITER-Tätigkeiten von „Fusion for Energy“

Kontakt

SBFI, Philipp Langer

Leiter Ressort
EU-Rahmenprogramme

T +41 58 462 96 93

Kontaktinformationen drucken

https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/themen/internationale-forschungs--und-innovationszusammenarbeit/forschungsrahmenprogramme-der-europaeischen-union.html