Horizon Europe und Euratom

9. Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation (2021–2027)

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Aktueller Stand Horizon Europe

Das 9. Rahmenprogramm der Europäischen Union (EU) trägt den Namen Horizon Europe und dauert von 2021 bis 2027. Es ist das weltweit grösste Forschungs- und Innovationsförderprogramm und stellt das bisher ambitionierteste entsprechende Programm in der Geschichte der Europäischen Union dar.

Das 9. Rahmenprogramm für Forschung und Innovation (Horizon Europe; 2021–2027) ist am 12. Mai 2021 offiziell in Kraft getreten, nachdem die gesetzliche Grundlage am 16. März 2021 vom EU-Ministerrat und am
27. April 2021 vom Europäischen Parlament verabschiedet wurde. Das Programm ist nun rückwirkend seit 1. Januar 2021 in Kraft.

Beteiligung der Schweiz

Die Schweiz wird beim EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation «Horizon Europe» und damit verbundenen Programmen und Initiativen bis auf Weiteres als nicht assoziiertes Drittland behandelt. Dieser Status kann jederzeit wieder geändert werden, gilt aber neben den bisherigen Ausschreibungen des Jahres 2021 bis auf Weiteres für die Ausschreibungen 2022.

Projektteilnahme: In diesem nicht assoziierten Drittlandmodus, können sich Forschende und Innovatoren in der Schweiz an rund zwei Dritteln der Ausschreibungen und in beschränktem Ausmass beteiligen.

Finanzierung: Die Schweiz kommt unabhängig von ihrem Beteiligungsstatus an den EU-Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation finanziell für die Teilnahme von Akteuren aus der Forschung und Innovation in der Schweiz auf.

  • Im aktuellen, nicht assoziierten Drittlandmodus werden Forschende und Innovatoren in der Schweiz direkt vom Bund finanziert, wenn das vollständige Projektgesuch von der Europäischen Kommission positiv evaluiert wurde (siehe Übergangsmassnahmen–Direktfinanzierung).
  • Auch als assoziiertes Land wird die Schweiz die Teilnahme ihrer Forschenden und Innovatoren am Horizon-Paket (einschliesslich Horizon Europe, Euratom, Digital Europe Programme, Forschungsinfrastruktur ITER) durch ihren Pflichtbeitrag an die Europäische Kommission finanzieren. Gemäss dem neuen «pay as you go»-Prinzip unter Horizon Europe bezahlt jedes assoziierte Land prinzipiell so viel, wie seinen Forschenden an EU-Projektfinanzierung gewährt wird.

Nachfolgend sind die Möglichkeit der Projektteilnahme und Finanzierung von Schweizer Forschenden und Innovatoren in den Ausschreibungen des Jahres 2022 des Horizon-Pakets grafisch dargestellt.

Graphic Horizon Package Eligibility_Calls 2022_FINAL

Eine vollständige Assoziierung der Schweiz an «Horizon Europe» bleibt das erklärte Ziel des Bundesrates. Die Schweiz und die EU verbindet eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Innovation. Die Beteiligung der Schweiz an den EU-Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation ist Teil der Bilateralen Abkommen I zwischen der Schweiz und der EU von 2002. Die Frage einer Assoziierung der Schweiz an «Horizon Europe» wird seitens der EU jedoch im Lichte der Gesamtbeziehungen Schweiz-EU gesehen.

Zudem möchte die EU neu mit Drittländern wie der Schweiz das bisherige Assoziierungsabkommen in einer neuen Form weiterführen (sogenanntes «specific agreement»). Es geht dabei nicht um den Abschluss eines neuen Institutionellen Abkommens (sprich keine Regelung von institutionellen Fragen bezüglich der Marktzugangsabkommen), sondern um eine einfachere Behandlung der Teilnahme der Schweiz an EU-Programmen (wie Horizon Europe). Die Schweiz war immer und ist weiterhin bereit, die Verhandlungen für diese neue Form des Assoziierungsabkommens umgehend aufzunehmen.

Das SBFI informiert laufend über die aktuelle Entwicklung (siehe Anfang der Seite «Aktueller Stand Horizon Europe»).

Die wichtigsten Merkmale von Horizon Europe

Horizon Europe stellt mit 95,5 Milliarden Euro inklusive den Beiträgen des Wideraufbauplans «NextGenerationEU» das bisher ambitionierteste Forschungs- und Innovationsförderprogramm in der Geschichte der Europäischen Union dar. Wissenschaftliche Exzellenz wird weiterhin durch den Europäischen Forschungsrat (European Research Council; ERC) und die Marie Skłodowska-Curie Stipendien (Marie Skłodowska-Curie Actions;
MSCA) vorangetrieben und gefördert. Durch wissensbasierte Innovation in den thematischen Forschungsgebieten, den Europäischen Innovationsrat (European Innovation Council; EIC) und das Europäische Institut für Innovation und Technologie (European Institute of Innovation and Technology; EIT) sollen die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationsleistung Europas gefördert werden.

Das neue Rahmenprogramm für Forschung und Innovation zielt darauf ab, die Wissenschafts- und Technologiegewinnung in der EU durch vermehrte Investitionen in hochqualifizierte Arbeitskräfte und Spitzenforschung zu stärken. Gleichzeitig soll Horizon Europe auch dazu beitragen, die strategischen Prioritäten der EU voranzutreiben. Dazu gehört beispielweise die Stärkung einer widerstandsfähigen, integrativen und demokratischen europäischen Gesellschaft, die auf Bedrohungen und Katastrophen vorbereitet ist und darauf reagieren kann. Aber auch die Widerherstellung und Sicherstellung der Ökosysteme und der biologischen Vielfalt in Europa ist von grosser Bedeutung, um eine saubere und gesunde Umwelt zu gewährleisten. Somit soll Horizon Europe auch zum grünen und digitalen Wandel beitragen und den Europäischen Forschungsraum (European Research Area; ERA) stärken. Die Ausgestaltung von Horizon Europe orientiert sich zudem an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals; SDG).

Neuerungen

Im Vergleich zum achten Rahmenprogramm (Horizon 2020; 2014–2020) gibt es in Horizon Europe organisatorische und inhaltliche Neuerungen und Vereinfachungen.

  • Der Europäische Innovationsrat (EIC) ist neu - mit eigenen Governance-Strukturen und Förderinstrumenten in einem eigenständigen Arbeitsprogramm - ein fester Bestandteil von Horizon Europe.
  • EU-weite Missionen im Forschungs- und Innovationsbereich stellen ein neues Element von Horizon Europe dar. Die fünf Missionen sollen helfen, wichtige gesellschaftliche Herausforderungen, wie zum Beispiel die Zunahme von Krebserkrankungen oder den Klimawandel, durch ambitionierte und angewandte Forschungs- und Innovationsaktivitäten über einen längeren Zeithorizont hinweg zu bewältigen. Bürgerinnen und Bürger, Interessensgruppen und das Europäische Parlament sowie die Mitgliedstaaten werden in die Missionen eingebunden, um die Visibilität von Forschung und Innovation zu erhöhen und Wissenschaft integrativer zu gestalten.
  • Open Science ist der neue Modus Operandi in Horizon Europe. Eine erweiterte Open Access-Politik wird im gesamten Programm angewendet.
  • Die Europäischen Partnerschaften werden vereinfacht und konsolidiert. Man unterscheidet in Horizon Europe zwischen ko-programmierten,
    ko-finanzierten und institutionalisieren Partnerschaften.

Umsetzung

Die Umsetzung von Horizon Europe erfolgt analog zu Horizon 2020 über drei Pfeiler:

  • Der erste Pfeiler «Exzellente Wissenschaften» unterstützt Grundlagenforschung und Pionierforschungsprojekte durch den Europäischen Forschungsrat (ERC). Ebenso dazu gehören die Finanzierung von Stipendien über die Marie Skłodowska-Curie Aktionen
    (MSCA) sowie Investitionen in erstklassige Forschungsinfrastrukturen.
  • Der zweite Pfeiler «Globale Herausforderungen und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie» fördert Forschung in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Herausforderungen und stärkt die technologischen und industriellen Kapazitäten. Weiter werden über diesen Pfeiler die EU-weiten Missionen (siehe Neuerungen) lanciert, um Lösungen zu den grossen Problemen unserer Zeit zu finden und die strategischen Prioritäten der Europäischen Union sowie die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) voranzutreiben. Dazu gehören auch die Tätigkeiten der gemeinsamen Forschungsstellen, welche die politischen Entscheidungsträger der EU und der Mitgliedstaaten mit unabhängigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und technischer Mitarbeit unterstützt.
  • Der dritte Pfeiler «innovatives Europa» zielt darauf ab, Europa über den Europäischen Innovationsrat (EIC) zu einem Vorreiter bei wissensbasierten Innovationen zu machen. Dieser Pfeiler wird zur Entwicklung der gesamten europäischen Innovationslandschaft beitragen, unter anderem durch eine weitere Stärkung des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT), um die Integration von Unternehmen, Forschung, Hochschulbildung und Unternehmertum zu fördern. Darüber hinaus wird die Vernetzung regionaler Innovationsökosysteme in Europa gefördert.

Struktur von Horizon Europe (auf englisch)

Kontakt

https://www.sbfi.admin.ch/content/sbfi/de/home/forschung-und-innovation/internationale-f-und-i-zusammenarbeit/forschungsrahmenprogramme-der-eu/horizon-europe.html