Berufsbildungsökonomie Universität Genf (2006-2014)

Übergänge, Kompetenzen und Arbeitsmarkt

Unter der Leitung von Prof. Dr. Yves Flückiger (Universität Genf) arbeitete das Leading House eng mit der Haute École de Gestion de Genève (HES-SO) zusammen. Die durchgeführten Projekte konzentrierten sich alle auf die Analyse der Übergänge von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II und von dieser in die Tertiärstufe oder in den Arbeitsmarkt.

Der erste Untersuchungsteil, geleitet von Dr. Jean-Marc Falter, befasste sich mit Fragen zu den Übergängen innerhalb des Schulsystems, von der Sekundarstufe I bis in die Tertiärstufe, sowie mit den kumulativen Auswirkungen der von den Jugendlichen getroffenen Entscheidungen. Dabei stützte sich die Studie hauptsächlich auf die TREE-Daten. Die Resultate weisen darauf hin, dass der soziodemografische Status der Eltern bei den Übertritten im Schulsystem eine wichtige Rolle spielt und sich insbesondere auf die Wahl zwischen beruflichen und allgemeinbildenden Ausbildungen sowie auf die Schülerinnen und Schüler im Mittelfeld der Verteilung auswirkt. Ausserdem unterscheiden sich die Übergänge in die Tertiärstufe stark nach Geschlecht, was zu einer ausgeprägten tätigkeitsbezogenen Geschlechtertrennung (occupational segregation) in der Berufsbildung führt; die unterschiedlichen Laufbahnen sind in erster Linie auf die Verhaltensunterschiede zwischen Frauen und Männern und nicht auf das Verhalten der Unternehmen zurückzuführen.

Der zweite Teil des Projekts widmete sich den Übergängen in den Arbeitsmarkt und untersuchte den Einfluss der Ausbildung auf die Löhne sowie die Rentabilität der erworbenen Qualifikationen. Aus den Resultaten geht hervor, dass Arbeitnehmende mit einem allgemeinbildenden Abschluss ein steileres Lohnprofil aufweisen als jene mit einem Berufsbildungsabschluss. Dieser Unterschied ist hauptsächlich durch die Tertiärbildung bedingt, da bei den Arbeitnehmenden mit einem Abschluss auf Sekundarstufe die Alter-Lohn-Profile von Personen mit einem beruflichen und mit einem allgemeinbildenden Abschluss ähnlich aussehen. Mit einer Berufsmaturität und einem Übertritt an eine FH könnte vermieden werden, dass die in einer beruflichen Grundbildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten veralten.

Im zweiten Forschungsprojekt des Leading Houses unter der Leitung von Professor José V. Ramirez ging es um die Übertritte in die und innerhalb der Sekundarstufe des Kantons Genf. Die Wahl der Ausbildung auf dieser Stufe hat zahlreiche Auswirkungen auf die Laufbahn sowohl im Schulsystem als auch auf dem Arbeitsmarkt. Die im Rahmen dieses Projekts durchgeführten empirischen Analysen stützten sich auf eine umfassende administrative Datenbank. Hauptgegenstand der Untersuchung war der Einfluss der Selektion und der Leistungen auf der Sekundarstufe I auf die Übergänge in die Sekundarstufe II, wobei die Linearität der Übergänge und der Berufswege der Lernenden betrachtet wurde. Die Untersuchung ergab, dass der erste Übergang in die Sekundarstufe II sich je nach Herkunft und sozialem Kapital unterscheidet, was bei den Übertritten in eine Lehre oder in Übergangs- und Passerelleangeboten besonders auffällig ist. Das Alter bei der Selektion (tracking) auf der Sekundarstufe I hat einen Einfluss auf die Linearität der Bildungswege in der höheren Berufsbildung; so führt eine um ein Jahr verzögerte Selektion zu mehr Wechseln in der Laufbahn, dies vor allem bei den schwächsten Schülerinnen und Schülern. Schliesslich entspricht die eigene Auswahl bei der Lehre der vom Schulsystem getroffenen Selektion, wobei die Schülerinnen und Schüler aus Gruppen mit eingeschränkten Anforderungen den Grossteil der Lernenden ausmachen. Gute Schülerinnen und Schüler sowie solche aus Gruppen mit erweiterten Anforderungen, die sich für eine berufliche Grundbildung entscheiden, absolvieren jedoch mehr Ausbildungsjahre und weisen linearere Berufswege auf. Schliesslich ist bei Schülerinnen und Schülern mit einer eher internalen Kontrollüberzeugung, ceteris paribus, die Wahrscheinlichkeit kleiner, dass sie am Ende der Sekundarstufe I zu einer Wahl gezwungen sind. Dies gilt insbesondere für jene, die sich für eine berufliche Ausbildung auf Sekundarstufe II interessieren.

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